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Der Israelit · 1875-12-15 · Heft 50 (15.12.1875) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 50 (15.12.1875)
Date
1875-12-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1112 schöpft innehielt, „auch scheint Sie das Sprechen anzustrengen, übergehen Sie das Ueberflüssige, um uns daS Nothwendige mitzutheilen." „O nein! jetzt bin ich glücklich!" sprach der Kranke, nach Frankens Hand greifend, die ihm dieser nur widerwillig überließ . . . „ein schweres Unrecht abgewälzt zu haben von meiner Seele . . . wollte der Allmächtige, ich könnte alles Böse, was ich gethan, ebenso gut machen . . „Also weiter. . . Mein unbeständiger, flatterhafter Sinn hatte später eine wilde Leidenschaft für Eleonore, Ihre wunderschöne Nichte, Franke, zur lodernden Gluth in mir angefacht.... sie liebte Josef Eberstein, der ihre Neigung voll erwiderte . . . Wie's mir gelang, Mißtrauen in Josef's Brust zu werfen, das wißt Ihr . . . aber ich hatte nichts gewonnen. Eleonore Vorberg entfloh!" »Drei Jahre später ward Euch das Räthsel gelost. Die frappante Aehnlichkeit der Liedersängerin mit Eleonore Vorberg veranlaßte Euch, jene äufzusuchen. Ihr hattet nun die volle, erschütternde Ueberzeugung, furchtbares Unrecht ausgeübt, eine elternlose Waise unendlich gekränkt, ihre glückliche Zukunft zerstört zu haben."' „Mit eherner Stirne, mit namenloser Dreistigkeit verwahrte ich mich dagegen, die Täuschung absichtlich begangen zu haben. Ich wies darauf hin, wie leicht diese möglich, da auch Sie, Herr von Eberstein, und Ihr Bruder Josef von der Identität jenes Mädchens mit Lorchen Vorberg vollständig überzeugt waren." „JonaS Eberstein war ein würdiger, gerechter Mann, sein edler, gerader Sinn ließ trotz Klugheit und Welrerfahrung den Gedanken nicht in ihm aufkommen, ich wäre so niederträchtig, das Glück zweier edlen Menschen absichtlich durch eine schändliche Lüge zu zerstören; — er war von meiner Unschuld in dieser Angelegenheit vollkommen überzeugt. Erinnern Sie sich, Herr von Eberstein, noch der Worte, die er an Sie richtete? „Du," svrach er, „hast nicht weniger als Zöllner gefehlt ... es handelte sich auch um das Lebensglück Deines Bruders . . . Du hättest ruhig, umsichtig prüfen, das Mädchen sofort aufsuchen sollen. — Zöllner ist ein Fremder, und auch viel jünger als Du . . . ich kann ihm nicht eine höhere Verpflichtung aufbürden als Dir. Die Ueberzeugung des alten Herrn theilte sich in dieser Richtung nach und nach auch Euch mit, das tiefe Bedauern, die innige Theilnahme an Josef, den bittern Schmerz, den ich — ein vollendeter Schauspieler — zu heucheln wußte, konnte endlich auch Euch irre füh reu. Aber in Euere Seele war der Stachel dej Mißtrauens gesenkt ... Ihr kanntet meine ausschweifende Lebensweise ... ich fühlte es, für di« Dauer konnte mich nur die Zuneigung des alte, Herrn schützen ... ich wußte es, ich konnte nur s, lange im „Hause Ebers" bleiben, als fein Gründer und damaliger Chef lebte .... und das wcii ein alter Herr! ... ich wußte es mit Gewißheit nach seinem Ableben hätten Sie, Herr von Eber, stein, mich sofort entlassen! .... Ich zitterte für meine behagliche Existenz in Ihrem Hause." Eberstein schwieg, er stellte Zöllners Behauptung nicht in Abrede. „Der Gedanke, mit einemmale plötzlich mein, mühelos, begonnene, glänzende Stellung bei de, ersten Firma der Hauptstadt und des Landes zu verlieren, quälte mich. Ich liebte den Glanz, de« Reichthum, — diesen nicht nur als Mittel, all« meine kostspieligen, heftigen Leidenschaften zu befriedigen, sondern auch als Selbstzweck. Ich wa, neidisch und mißgünstig. Meine Seele war vo« den bösesten, niedrigsten Affecten beherrscht. Ich beneidete die Söhne des Hauses, ich haßte Jeanette, — durch deren Hand ich alle Ziele meines Lebens ohne Schwierigkeit erreicht hätte — weil sie ihr« Liebe einem Andern geschenkt. Ich mißgönnte de« Kindern des Hauses Ebers ihren Reichthum, ihre glänzende Stellung .... ich wollte mich eben so hoch emporschwingen . . . wollte auch reich, angesehen, glücklich werden... am liebsten wollte ich mit einem kühnen, raschen Griffe die höchste« Güter des Lebens, die mir damals im verführerischesten Lichte erschienen, erhaschen ... um jede« Preis . . . kein Opfer wäre mir zu groß gewese« ... kein Hinderniß hätte mich zurückgeschreckt... dar Wie? war mir gleichgiltig, wenn ich nur mein Ziel erreichte .... ich zermarterte mein Gehirn, ein Mittel zu finden, reich .... ungeheuer reich p »erben . . ." Zöllner hielt wieder tieferschüttert inne. Er hatte sein Seelenleben in merkwürdiger Weise treu geschildert. Die Lebendigkeit des Ausdruckes, das rege Mienenspiel unterstützte das lebendige Wort. Die Anwesenden blickten klar in das Getriebe seiner schwarzen Seele. * 1 (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'fchen Hof-uchhandlung. I. GottSleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger.)

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