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Der Israelit · 1875-12-15 · Heft 50 (15.12.1875) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 50 (15.12.1875)
Date
1875-12-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1108 und Nächstenliebe, so möge man ganz Israel in einem Bunde des Friedens zu erhalten suchen. Ist aber daS U’pt>x rva, T)a8 göttliche Religionsgebaude in Gefahr, dann muß nicht der Friede. sondern 2iv, daS Gute, erstrebt, ja erkämpft werden! bi*, 'mm dd1? 'nm 2iv npb '2 -ionjp min Nb« 2112! 121WN DaS wahre Gute ist aber unsere heilige, unverfälschte Lehre; denn so heißt es: Eine gute Lehre habe ich Euch gegeben, meine Thora, verlaßt sie nicht! Aus diesen Gründen habe ich die Redaction des „Israel. Boten" niedergelegt, obwohl es mich sehr schmerzte, ein Blatt, für dessen geistige und materielle Hebung ich mit aller Kraft gestrebt habe, nach so kurzer Zeit wieder verlassen zu müssen. Wetzlar, den 9. Dec. 1875. Seligmann Meyer. Prediger der Synagogen-Gemeinde zu Wetzlar. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 6. Dec. Herr Dr. Philippson theilt in der „Allgem. Zeitung des Judenthums" mit, daß er den gegen die katholische Bevölkerung von Paderborn gerichteten, in der vorigen Nummer des „Israelit" gerügten Artikel der „Kölnischen Zeitung" entnommen habe. Kitzingen a. M., l.Dec. Am gestrigen Tage wurde Herr Eisenhändler Hirsch Stern dahier zum Mitglieds des städtischen Gemeindecollegiums ewahlt. Herr Stern ist der erste Jude, dem in iefiger Stadt eine solche Ehre zu Theil ward. Wenn es nun höchst erfreulich ist, einen solchen Umschwung in den Ideen der Bevölkerung einer Stadt wahrzunehmen, in welcher vor noch nicht langer Zeit es unseren Glaubensgenossen nicht einmal gestattet war, ein offenes Geschäft zu betreiben, und schon dcßhalb erwähntes Ereigniß im „Israelit" verzeichnet zu werden verdient, so ist dies um so mehr der Fall, als Herr Stern ein orthodoxer Jude ist, und seine Wahl wiederum einen schlagenden Beweis dafür liefert, daß die Achtung unserer nichtjüdischen Mitbürger nicht durch Außerachtlassen unserer heiligen Religionsgesetze errungen wird, sondern durch strenge Reellität und werkthätige Nächstenliebe, verbunden mit bescheidenem, demuthsvollen Benehmen. Zu den Enthüllungen über die Thätigkeit des Herrn v. Wedemeyer - Schönrade gibt ein Berliner Correspondent der „Schles. Ztg." einen Beitrag. Danach hätten die aufregenden politischen Bestrebungen, denen v. Wedemeyer sich im Sommer dieses Jahres gewidmet, ihn körperlich schwach gemacht und seine Geisteskraft in dem Maße geschwächt, daß er nicht bloß Schonung, sondern Heilung bedurfte. „Herr v. Wedemeyer, der größte Juden-Haffer der Neuzeit, der auch den Inden-Artikeln der „Germania" nicht fern stand, siedelte mit seiner Tochter, die ihn pflegte, nach dem Naison de sante des Sanitäts> Raths Lewinstein in Schöneberg bei Berlin über, um hier Hilfe und Genesung zu suchen. Sein Leiden, Anfangs mehr ein psychisches, hob sich bald, und mit eintretender Besserung — und das wurde von dem Psychiater für ein Zeichen derselben gehalten — nahm er sich vor, für immer dem politischen Leben und, was für ihn damit identisch war, den politischen Agitationen zu entsagen. Wedemeyer kehrte Anfangs November auf sein Gut Schönrade zurück, anscheinend gesund. Ob ihn nun das Nervenleiden in erhöhtem Maße wieder befiel, oder ob er wieder von der ihm verbotenen Frucht der Politik kostete, oder ob andere innere oder äußere Verhältnisse seinen Geist bestürmten, — ihn traf nicht der Schlag, wie es hieß: mit einer Kygel nahm er sich das Leben." Cöln. Frau Louis Eltzbacher Wittwe von hier hat zu den Vermächtnissen ihres verstorbenen Gatten weitere 15,000 Rmk. dem hiesigen israel. Asyl für Kranke und Altersschwache jeder Confession und 2300 Rmk. an drei hiesige israelitische Privatwohlthätigkeits-Anstalten als Legate überwiesen. Breisach, 4. Nov. Bon ruchloser Hand wurden am Vorabend des Allerheiligenfestes am neu errichteten isr. Friedhofe hier gegen 90 Deckplatten aus rothem Sandstein von der Umfassungsmauer herabgerissen und ein großer Theil derselben zerbrochen. Das eiserne Thor ist stark beschädigt und auch hier die obersten Steine der Thorpfosten herabgeworfen; ja nicht einmal die wenigen Gräber selbst wurden von den Thätern verschont und die Brettchen, worauf einstweilig Namen und Nummern der Verstorbenen standen, von den Grabhügeln herabgerissen u. f. w. Jeder rechtlich Denkende spricht nur mit Abscheu von dieser rohen Handlungsweise, die gar keinen Sinn hat und darf deßhalb bestimmt angenommen werden, daß die Thäter nur der gemeinsten Sorte angehören, deren es ja fast überall gibt. Sie sind noch nicht er-

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