Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1875)
- Date
- 1875-12-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1107 ersucht habe, die Nedactionsniederlegung meinerseits mitzutheilen. ES scheint derselbe seinen Leiern gegenüber sich den Göthe'schen Vers: „Du batte Dich an's Weil und frage nicht Warum?" zum Wahlspruch ausersehen zu haben. Ich bin dadurch, um nicht Mißverständnisse und falsche Deutungen zu veranlassen, genöthigt, die Gründe für mein Verfahren darzulegen, und bedaure nur, daß ich durch das beharrliche Schweigen des ..Israel. Boten hierzu gezwungen wurde. Die Beilage zu Nr. 32 der' genannten Zeitschrift brachte den Anfang einer Festpredigt von Herrn Seminardirector Zirndorf in Münster mit der Anmerkung: „unter Verantwortlichkeit des Verfassers". Ich war mit der Aufnahme dieser Predigt aus Gründen , die ich in Folgendem entwickeln werde, nicht einverstanden, gab sie aber nichtsdestoweniger zu, weil der Herausgeber des Blattes in einer vorhergehenden Nummer die Veröffentlichung — freilich, ohne mich darüber befragt zu haben — zugesagt und ohnedies es mir freigestellt hatte, die mit dem Standpunkte des Blattes nicht übereinstimmenden Ansichten zu widerlegen. In dieser Predigt sagt der Verfasser unter Anderem Folgendes: „Die ältesten Bekenner unserer heiligen Religion kannten diesen Tag (oen ersten Tischri) nur als jimin di\ „Tag der Erinnerung" oder nynn o:», „Tag des Schofarklang-s". und mehr als ein Geschlecht jüdischer Männer und Frauen ist über die Erde gewandert, ohne ihm die Bedeutung einer Jahresfeier angedeihen zu lassen." Weiter läßt sich der Verfasser dahin aus. daß „die Feier des ersten Tischri als Neujahrstag nicht die einzige inhaltSfchwereNeuerung fei, zu welcher die frommen Altvorderen uns den Anstoß gegeben heben." — „Denn auch Völker durchwandeln einen Traum der Kindheit, in welchem Dichtung mit Wahrheit, Geschichte mit Sage nebelhaft ineinander verschwimmen und der Mensch gleichsam auf kindlich vertrautem Fuße mit der Zeit dahin lebt. Auch Israels früheste Jugend, wenn gleich durchgehends von der Fackel geschichtlicher Wahrheit beleuchtet, läßt uns einen klaren Standpunkt zur Bemessung der Zeiten und Jahre größtentheils vermissen;" die Feier des ersten Tischri als Anfang des Jahres datire erst aus dem babylonischen Exil, weil der Name nwn vtn erst Ezechiel 40, 1 zum ersten Male auftauche. Daß solche Behauptungen unserer Lehre und Tradition geradezu widersprechen, ist leicht zu erweisen*). Unsere frommen Altvorderen hatten weder Befugniß nochVeranlassung, derartige Neuerungen einzuführen noch zu solchen „Anstoß" zu geben; da unsere Thora nicht nur ..durchgell ends von der Fackel der Wahrheit beleuchtet", sondern ganz Wahrheit, nichts als Wahrheit i st, nairn n mm und außerdem auch das Verbot enthalt, usa y-un Mi My qon M, „Du sollst nichts hinzusügrn und nichts davon nehmen!" Wenn die Jugendgeschichte Israels mit der mythischen und sagenhaften anderer Völker aus eine Linie gestellt wird, wie steht es dann mit der Anerkennung des zweiten Fundamentalsatzes unserer Religion, nämlich D'aten jo min, daß die Thora göttlich sei?! Kann eine göttliche Offenbarung auch „durchgehende von der Fackel der Wahrheit beleuchtet" sein?! Ich hielt es nicht für genügend, zur Abwehr solcher Ideen die Verantwortlichkeit dafür dem Verfasser zu überlassen. Was kümmert's das meistens aus Laien bestehende Publikum, wer die Verantwortlichkeit trägt? Es nimmt die Ansichten ohne ihre Stichhaltigkeit zu prüfen, ja theilweise, ohne hierzu im Stande zu sein, unbefangen auf. In dieser Erwägung sandte ich dem Herausgeber des „Israel. Boten" eine Widerlegung dieser, meiner Ansicht, nach mit dem Standpunkte eines orthodoxen Blattes nicht zu vereinbarenden Behauptungen. Wider Erwarten und trotz des mündlichen und schriftlichen Versprechens, das mir der Herausgeber gegeben hatte, wurde meinem Aufsatze dieAufnahme verweigert!- Dazu kam »och, daß die Nr. 3'- desselben Blattes ohne meine Zustimmung einen wichtigen . den Ltandpunki des Blattes darlegende« Leitartikel brachte, mir welchem ich durchaus nicht einverstanden sein konnte. Abgesehen davon, daß derselbe von ..politisch"(?) - religiöser Zeitschrift, von „Hyper"-Orthodoxie redet und die ganze Angelegenheit durch einen Vergleich mit Braut und Bräutigam in's Lächerliche zieht, wollte ich auch bei einem Blatte nicht mehr als verantwortlicher Redacteur sungiren, dessen Programm schon der Prophet Eliah so treffend mit den Worten bezeichnet : n'Eiyan 'm hy D'nDis nnn ’to ny! Wohl ist der Friede, den das Blatt, wie es sagt, erstreben will, ein köstlich' Gut; jedoch nicht das köstlichste, nicht das höchste. 'yn 'nre iyvb k 212 nterpaa U’p%x n>2 syv> *p dibv ,*vü“ik Handelt es sich um ein Werk der Bruder- *) >. B. M. 23, 16. 34, 22. 5. SB. ä». 11, 12 «. s. w. Ferner Targurn Jonathan zürn 1. B. Könige 8, 2. Mischna Rosch - Haschonoh 1 und Tosepoth z. St. Talmud Tr. Rosch- Haschonoh 8. Blatt. Vergl. auch Hamburger's Realencyclovädie für Bibel und Talmud, Art. »Jahr" S. 539.