Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1875)
- Date
- 1875-12-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1106 „Die Aufzählung der Erschlagenen. Geschlachteten, Verbrannten, Ertränkten, Erwürgten, Gehängten und Lebenbig-Begrabenen, um der Einheit des göttlichen Namens willen, in Deutschland und den angrenzenden Ländern, vom Jahre 4856 bis zum Jahre 5058 (1096—1298) nach Erschaffung der Welt." Eine endlos scheinende Reihe von Namen tritt uns in diesem Buche entgegen, von Männern und Frauen, Greisen und Greisinnen, Jünglingen und Jungfrauen, Knaben und Mädchen, die gern und freudig ihr Leben Hingaben, um den Namen unseres Gottes zu heiligen. Da wird von einem Vater erzählt, der, um seine drei Söhne der gewaltsamen Taufe zu entziehen, sie mit eigener Hand schlachtete; man hat ihn dann lebendig begraben und die Leichen seiner Söhne zu ihm gelegt; dort wird von einer schönen Braut erzählt, die, um den Nachstellungen des christlichen Pöbels zu entgehen, vom Thurme sich herunterstürzte, nachdem der Bräutigam, die Schwiegerältern, die Schwäger und die Schwägerinnen' ermordet worden wären! Wir wenden uns schaudernd ab — schaudernd, aber doch voll Jubel und Herzensfreude, daß uns nicht solche Prüfungen aufgelegt sind wie unfern frommen Vorfahren.' Frei dürfen wir unser Haupt erheben, und dem Gotte unserer Väter dienen, wie Er es uns geboten. Gewissensfreiheit heißt das köstliche Wort, welches die wichtigste Errungenschaft unserer Zeit bezeichnet. Wahrlich, ein solcher Rückblick auf vergangene Zeiten ist manchmal nothwendig, um unfern Muth zu stahlen und unsere Kraft aufrecht zu erhalten. Die Religion Israels, für die solche Ströme des edelsten Blutes vergossen worden sind, kann nicht untergehen. Damals, vor sechs-, sieben-, achthundert Jahren schien das Ende Israels gekommen. Tod und Verderben überall: in England, Frankreich, Spanien, im Orient — und in Deutschland! Hunderte von Gemeinden nennt das uns vorliegende Buch; nur einzelne Märtyrer sind mit Namen genannt, die Zahl der Andern wird in runden Summen angegeben. Damals schien das Licht Israels erlöschen, die Kohle Jakobs ausglimmen zu sollen. Und Gott hat uns so wunderbar erhalten , hat uns die gräßlichsten Leiden überdauern lassen. Nun aber ist es an uns, zu beweisen, daß wir im Glück, in der Freiheit, im Wohlstände ebenso stark und heldenmütig die alten Schätze Israels zu bewahren wissen wie unsere Väter inmitten der furchtbarsten Leiden. Nicht geringer und nicht weniger zahlreich sind die Gefahren, die uns heute bedrohen. Sünde und Abfall erheben schamlos ihr Haupt. Bald erscheint die Verführung im Gewände wissenschaftlicher Forschung, bald im Kleide ästhetischer Verschönerung, bald stellt sie sich als sociale Nothwendlgkeit vor. Allen diesen Verlockungen entgegenzutreten, der Verführung die gleißende Maske abzureißen, die schönklingenden Phrasen auf ihren wahren Werth zurückzuführen und so die treuen Gläubigen in Israel vor Abfall zu schützen und die Verirrten , so weit es möglich, zu der alten unvergänglichen Wahrheit zurück.zuführen: das ist die Aufgabe dieser Zeitung. Wir rufen Alle, denen Liebe zu unserm Gotte und zu Seinem heiligen Gesetze in den Herzen wohnt, um unsere Fahne, zum steten, ernsten Kampfe und — unter des Allmächtigen Beistand — zum endlichen Siege. Mit Nicdcrlegoag drr Aedactio» des „Israrl. Moira". Von Prediger Selig mann Meyer. „Bei einem gemeinsamen Entwürfe, bei gemeinsamer Arbeit braucht die Einigkeit nicht in den Ideen zn sein und kann darin nicht gesucht noch erhalten werden, sondern in der Kraft und in dem Geiste, dem selbst Ideen unterworfen sind; wie die Bilder des rechten und linken Auges durch die Einheit des Gesichtsnerves zusammenfließen." Das waren meine Gedanken bei der Uebernahme der Redaction obengenannter Zeitung. Ich hoffte, die etwa auseinandergehenden Ideen, zu assimiliren, durch die sich im gemeinsamen Streben offenbarende Kraft der gegenseitigen Anziehung und geistigen Näherung, tm Interesse des gemeinsamen Wirkens, zur Erreichung des einem Unternehmen dieser Art, das im Geiste und in der Wahrheit geleitet werden und wirken soll, gesteckten Zieles. Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht, die beiden Augen des Blattes, Herausgeber und Redaction, durch die Einheit des Gesichtnerves, durch die Uebereinsiimmung in dem hehren Streben, für unsere heilige, am Sinai von Gott geoffenbarte Religion zu wirken, in einer geraden Linie zu erhalten, sie vor dem Schielen zu bewahren. Wie die geehrten Leser dieses geschätzten Blattes bereits wissen, habe ich die Redaction des „Israel. Boten" niedergelegt und zwar aus wichtigen Gründen. Das erwähnte Blatt schweigt hierüber, trotzdem ich dessen Herausgeber zwei Mal