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Der Israelit · 1875-12-08 · Heft 49 (8.12.1875) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 49 (8.12.1875)
Date
1875-12-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1092 Sie Alfred genau kennen, bei Ihrem feinfühlenden Herzen wohl am besten beurtheilen können . . . . da muß schon die Firma „JonaS Ebers" dafür sorgen, das nahe verwandte Haus Leopold Cohen u. Sohn nicht sinken zu lassen. — Sie kennen übrigens die näheren Verhältnisse unserer Familie noch nicht genau .... Jeanette, die Mutter unseres Alfreds ist — wie es mir jetzt scheint — auf eine unerklärliche Weise um ihr ganzes väterliches Erbe verkürzt worden, und diese unbegreifliche Erbsentziehung hat dem edlen, wackeren Alfred einen schweren harten Stand bereitet. — Wir haben die Pflicht Alfred zu halten, und werden dies thun, auch wenn der Moment ein so ungünstiger wie der jetzige ist, wo wir kurz nach einer eben überstandenen, erschütternden Krise eine Million an Ihre Tochter herauszahlen, im Falle fortgesetzter entschiedener Weigerung Ihrerseits, für diese bei Gericht deponiren werden. Was übrigens den Wunsch betrifft, Alfred möge nie erfahren, daß Ihre Frau Tochter, unsere Nichte, seine kaufmännische Ehre retten wolle, so könnte auch diese nicht mehr eingehalten werden .... Franke, der sonst so gemessene, verschlossene Franke, hat im überftrümenden Gefühle Alfred mitgetheilt, was Susanne beabsichtigt . . . ." Man klopfte an die Thüre. „Eintreten" rief Eberftem. Ein Commis blieb verlegen an der Schwelle stehen: „Ein Bote überbrachte eine uncouvertirte Karte" sprach er, diese überreichend „es scheint sehr dringend zu sein." Eberstein warf einen Blick auf die Karte, zuckte zusammen, las sie noch einmal und reichte sie dann Franke, mit zitternder Hand. „LieS l Die Worte sind an Dich wie an mich gerichtet" .... stieß er endlich stoßweise hervor . . . . erstehen die Tobten aus ihren Gräbern?! Auf der Karte standen unleserlich hingeworfen die Worte: Robert Eberstein, Jacob Franke! „Ich muß Euch vor meinem Sterben sehen, ich habe Euch unendlich Wichtiges zu sagenbevor es zu spät wird, meine Stunden sind gezählt .... bringt Alfred Cohen mit." „Eduard Zöllner." „Zöllner lebt'? der seit langen JahrenTodtgeglaudte! .... Zöllner, o, der mein Kleinod, meine Eleonore aus unserem Hause trieb der . . . „Daß Zöllner lebt, hätte ich Ihnen sagen können," sprach Löwenstamm. „Sie kennen Zöllner?!" riefen Eberstein und Franke wie aus einem Munde. „Ja wohl!" antwortete Löwenstamm: „Jener Schurke, der mich und die Meinigen in's Unglück stieß, jener falsche Eduard von Fallenberg . . . . hatte früher Eduard Zöllner geheißen — ich konnte es ihm damals nur nicht Nachweisen — man hätte es mir unter den damaligen Verhältnissen nicht geglaubt, und ich hatte keine Belege für meine Behauptung — aber meine unvergeßliche Eleonore hatte mir seinen wahren Namen genannt .... ich hatte diesen Umstand nicht erwähnt, um meine an Ungeheuerlichem und Sonderbarem reiche Lebensgeschichte, nicht noch unglaublicher, noch abenteuerlicher zu gestalten, —auch um Ihnen nutzlose Aufregungen zu ersparen .... „Gehen wir!" rief Robert, die Glocke ziehend .... „Sie entschuldigen uns wohl?" wandte er sich rasch an Löwenftamm. Der eintretende Bediente brachte den Herren die Kleider. „Anspannen .... rasch!" befahl Robert .... „bei Alfred Cohen Vorfahren.Jean soll hinaufgehen .... wir erwarten ihn im Wagen." „Ich begleite Sie, meine Herren, ins Hospital;" sagte Löwenftamm. „Zöllner hat uns unendlich viel Böses zugefügt: aber der Tod versöhnt .... ich fühle oas Bedürfniß dem Sterbenden zu sagen, daß ich ihm vergebe, vielleicht erleichtert das seinen Heimgang." Die drei Männer eilten schnell hinab, holten in Ebersteins Equipage Alfred Cohen ab, und fuhren damit rasch zum Hospital. (Forts, folgt.) Im Feuilleton zu Nr. 48, im Anfang, ist aus Versehen folgender Satz weggeblieben: „Onkel," sprach Susanne, „Sie sind ein kluger Mann, ein Kenner des Gesetzes . . . Alfred, Clara, Heinrich, alle leiden unverschuldet — gibt eS keine Möglichkeit, eine glückliche Lösung herbeizuführen? Ist kein Fall, gar kein Fall vorgesehen, der eine Chaliza unnüthig machte" — und indem sie so sprach, überzog flammende Purpurröthe ihr Gesicht. „Das angetrante Weib — eines kinderlosen Mannes muß unter allen Verhältnissen, wenn sie eine Ehe etngehen, durch Chaliza vom Schwager losgelöst werden," antworte Franke tonlos. Hier?« zwei Beilage«. Verantwortliche Redaction : Dr. Lehmann. — Serieg der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. GottSleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger.)

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