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Der Israelit · 1875-12-08 · Heft 49 (8.12.1875) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 49 (8.12.1875)
Date
1875-12-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1091 als er sich halb entkleidet, auf das Bett warf, legte er dasselbe nicht aus Händen. „Vor allem geben Sie dem Kinde ein paar Löffel Suppe," befahl der Fremde. „Das wird sofort geschehen," versicherte der mittlerweile eingetretene Krankenwärter, „auch wird der Herr Primarius gleich erscheinen." „Vor Allem wünsche ich, sobald als möglich, die Herren Robert von Eberstein und Jacob Franke, wenn thunlichst auch Alfred Cohen — Sie kennen doch die Herren? — zu sehen und zu sprechen. Senden Sie unverzüglich einen verläßlichen Boten zu diesen .... Ein Mensch, der in wenigen Tagen , vielleicht auch in wenigen Stunden, sterben kann — wünscht die Herren in einer wichtigen, unaufschiebbaren Angelegenheit dringendst zu sprechen, eilen Sie .... die Zeit ist kostbar, meine Minuten sind gezählt." Der Fremde drückte dem Wärter ein Goldstück in die Hand. „Ah, Euer Gnaden!" tröstete der Wörter, „in dieses Haus kommen gar Viele, die hier zu sterben glaubten und dasselbe mit Gottes Hilfe gesund, froh und glücklich verlassen haben." „Danke!" sprach der Kranke mit einem matten Lächeln; „aber lassen Sie die Herren holen . . . rasch! augenblicklich." „Ja .... Zu Besehl .... doch möchte ich ganz ergebenst um den werthen Namen bitten." „Namen! . . . ich hatte deren mehrere," sprach der Fremde mehr für sich, ... . „mein alter Name wird den Herren unangenehm und wunderbar klingen." Der Wärter schien anzunehmen, .der Kranke spräche im Delirium. „Vielleicht haben Sie eine Karte bei sich," fuhr jener fort. „Eine Karte .... gut!" der Fremde zog eine solche aus seiner Brieftasche ,,ah! rief er überascht, der Name! Merkwürdig, wie entging diese Karte so lange ihrer Vernichtung .... die! hätte mich verrathen können .... unglaublich eine Karte von uralter Zeit .... bah! jetzt bleibt sich's gleich .... hier ist das Endziel meiner jReise und meines Lebens." Er kritzelte einige Worte auf die Karte, die [ex dann dem Wärter übergab. „Es wird sogleich pünktlichst besorgt werden." Robert von Eberstein war in seinem Cabinete Imit Franke und Löwenstamm in einer lebhaften iDiscussiou begriffen, alle drei Männer befanden Isich in einem hohen Grade der Aufregung. I Löwenstamm's Töchter wollten ' den großen IVermögenstheil, der ihnen, nach der letzwilligen Anordnung Jonas Ebers, zufiel, durchaus nicht annehmen. Alfred Cohen hatte, wie dies in Zeiten einer Krise leicht vorzukommen pflegte, noch weitere Verluste bei rasch eingetretenen, unerwarteten Fallimenten erlitten und Susanne die schwierige Lage Alfreds durch Franke erfahren. Susanne forderte nur, daß ein Theil des Betrages, auf den sie verzichtete, dazu verwendet würde, Alfreds kaufmännische Ehre zu erhalten. Robert Eberstein fühlte sich durch diese Zurückweisung tief verletzt. Alfreds Herz war tausendfach zerissen. Noch nie hatte ein Mensch unter härteren, schmerzlicheren, niederbeugenden Conflicten gelitten .... Den letzten Tropfen seines Herzblutes hätte er willig und lächelnd, der Ehre feines Hauses, seines Namens geopfert — aber durfte er von Susannen, dem Weibe, das er über Alles liebte.die seinem Herzen so unendlich nahe stand .... die durch ihre Liebe zu ihm, so namenlos unglücklich ward .... von deren Herzen er sich losreißen mußte und auch losreißen wollte .... die ihm fremd werden sollte und mußte .... konnte, durfte er von dem geliebten, ftemden Weibe eine riesige Summe zum Geschenke annehmen, um seine und seines Hauses Ehre zu retten?! Die Erbschaftsangelegenheit bildete den Stoff der lebhaften Conversation „Meine beiden Töchter verzichten Entschieden und unwiderruflich auf die Ebschaft van Ihrem seligen Herrn Vater" sprach Löwenstamm . . . . „sie wollen nicht noch eine Familie berauben, der sie gegen ihren Willen Schmerz und Kummer bereitet haben. — Susanne will weder als Gustav Ebersteins Wittwe, noch als Erbin aus dem Testamente Ansprüche an die Verlassenschaft erheben, sie überläßt den Gesammtbetrag der Firma „Jonas Ebers" und stellt nur die Bedingung, daß Alfreds Verhältnisse vollständig regulirt werden. — Dieser braucht auf diese Weise, nie zu erfahren, daß die Unterstützung von Susannen kömmt. — Meine Tochter Clara verzichtet bedingungslos . . . ." „Entschuldigen Sie. verehrter Freund" rief Eberstein ungeduldig „vor Allem können wir nicht Geld behalten. das nicht uns gehört. Eleonore Vorberg, Ihre verewigte Gattin, oder deren Kinder sind meines Vaters — sichrono liwrocho — Miterben und haben Kindesantheil zu erhalten. Daß in der Familie Ebers die Bestimmungen der Eltern fest und unverbrüchlich gehalten werden, davon sind Sie wohl thatsächlich überzeugt: Wir können doch wahrhaftig kein Geschenk von Ihren Töchtern annehmen. Was Alfred anbelangt, so wird er von Susannen — diese Unte.stützung nicht annehmen können .... das müssen Sic, der

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