Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1875-12-08 · Heft 49 (8.12.1875) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 49 (8.12.1875)
Date
1875-12-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447603-2447641--12028-2467837
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1090 tei gab zu einer interessanten Enunciation Veranlassung. In Rumänien ist es bekanntermaßen allen Ausländern ohne Unterschied der Religion verboten, Tabak seilzubieten; desgleichen ist ihnen in den Gemeinden des flachen Landes das Recht des Ausschankes von Wein und Getränken entzogen. Die Israeliten endlich — gleichviel ob In- oder Ausländer — sind von der Erwerbung von landwirthschaftlichen Besitzungen ausgeschlossen. Diese Beschränkung ist im ersten Punkte des Zoll- und Handelsvertrages und in dem Schlußprotocolle auftechterhalten worden. In der Konferenz wurde vorgebracht, daß in Folge dieser Beschränkung die zugesicherte Rechtsgleichheit der ungarischen Bürger ohne Unterschied der Religion aufhöre, sobald sie die Grenzen Rumäniens überschreiten. Es wurde ferner erwähnt, daß in der rumänischen Kammer bei Verhandlung des Vertrages der Minister des Aeußern, Boerescu, sich dahin geäußert habe, daß durch Polizei- und öffentliche Sicherheitsmaßregeln auch trotz des ab eschlossenen Vertrages die bisher bestandenen Prohibitivvorschriften hinsichtlich des Ausschanks und Tabakverkanfs werden aufrechterhalren werden können. Der Minister erklärte ferner, die Juden hätten, durch den Vertrag nichts gewonnen, ja dadurch, daß die ungariich-österreich Regierung diesen Vortrag abgeschlossen hat, hätten sie auch die bisherige moralische Stütze des Auslandes verloren. Dem entgegen wurde hervorgehoben, daß die österreichisch-ungarische Monarchie, als der eine contrahirende Theil, sich nicht in innere und kirchliche Politik des andern Theiles habe einmengen können; dafür aber werde Sorge getragen werden, daß die Vertragsbestimmungen auch von dem andern contrahirenden Theile gehalten werden. Amerika. ^BashinglpN, 31. Oct. Vergangenen Dienstag, den 26. Oct., versammelten sich die Freunde des Herrn N. Gotthelf, Associs der seit 21 Jahren hier bestehenden Firma Gotthelf u. Behrend, in dessen stets der Gastfreundschaft geöffnetem Hause, um demselben nebst Familie das Geleite für die von ihm anzutretende Reise nach Europa, woselbst er sich für immer niederzulassen gedenkt, zu geben. Schreiber dieses, der seit mehreren Jahren als Buchhalter in dessen Geschäfte tbätig ist und die Ehre hatte, dessen Streben und Wirken näher zu beobachten , kann mit gutem Gewissen behaupten, daß an Herrn N. Gotthelf die Stadt Washington einen echten mrp und Biedermann in des Wortes edelster Bedeutung verliert und deffen Verlust in dieser Beziehung für das hiesige so laue Publikum ein nicht zu ersetzender ist. Es gibt wenige in diesem Lande der ewigen Sensation und des Materialismus, die sich rühmen können, seit einer solchen Reihe von Jahren hier gelebt, den Glauben der Väter sich unter allen und jeden Verhältnissen unverfälscht erhalten, ferner in geschäftlicher Beziehung den Pfad der Reellität nie überschritten zu haben. Wenn diese Zeilen Sie erreicht haben werden, wird Herr Nathan Gotthelf nebst Familie unter den Segenswünschen seiner hiesigen Freunde und Bekannten den heimathlichen Boden schon betreten haben und fügen wir daher noch den Wunsch an, daß es ihm nebst dessen so ehrenwerthen Frau, einer echten Sn naw, vergönnt sein möge, noch viele Freuden im alten Vaterlande zu erleben, ferner möge es ihnen gestattet sein, ihre Kinder, ihrem Wunsche gemäß, nach echt jüdischer Weise heranziehen zu können S. R. Feuilleton. Haus Ebers. Erzählung von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel" (Fortsetzung.) Neuntes Kapitel. Vor dem Hospitale in dem ehemaligen Ghetto der Prager Judenstadt hielt ein Fiacker. In demselben saß ein hochgewachsener, elegant gekleideter, bleicher, krank aussehender Mann von etwa fünf-, sechsundvierzig Jahren. Der Hausmeister war an den Wagenschlag getreten. „Ich wünsche ein Separatzimmer in Ihrem Hospitale." sagte der Herr im Wagen „ich bin reich, ich werde fürstlich zahlen .... ich will hier sterben..... dann rufen Sie mir Herrn Robert von Eberstein und dessen alten Procuristen Franke." Der Hausmeister hatte den Kranken, der sehr leidend aussah, aus dem Wagen gehoben und bemerkte jetzt erst zu seiner Verwunderung ein etwa dreijähriges Kind, ein kleines rothwangiges Mädchen im Fonde des Wagens. „Wohin soll das kleine Fräulein kommen?" „Vorläufig mit mir, ich hoffe bald entsprechender für das Kind sorgen zu können." Der Fremde ward in ein Helles , geräumiges, sauberes Zimmer gebracht. Er hielt ein großes Packet krampfhaft fest in seinen Händen, selbst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.