Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1875)
- Date
- 1875-12-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1088 1) über die der Anstalt zugewendeten Unterstützungen und deren Verwendung. 2) über die Thätigkeit und Entwickelung der Anstalt. Was nun den ersten Punkt betrifft, so ist die erfreuliche Thatsache zu registriren, daß die gereichten Unterstützungen nicht nur die Ausgaben — welche jene des Vorjahres überstiegen — zu bestreiten hinrcichtcn, sondern sich auch noch eine nicht unwesentliche Mehreinnahme ergab, wie das angefügte Spenden- und Ausgaben-Verzeichniß zeigt. Solch' ein Resultat constatirt in höchst ehrender Weise die klare Einsicht und das Durchdrungensein der Spender von der hohen Bedeutsamkeit und Wichtigkeit einer entsprechenden Jugendbildung, und somit einer entsprechenden Jugend - L e hr er-Bildung , sowie deren aufrichtig freudige Bereitwilligkeit, die Subsistenzmittel zu reichen, die zur Realisirung dieses erhabenen Zieles erforderlich sind. Solche edle, mit lebhafter Thatkraft vereinigten Gesinnungen dürfen wohl mit Recht einem segensreichen Erfolge entgegensetzen; und in welchem befriedigenden Grade ein solcher an der Anstalt auch in dem eben abgelaufenen Jahre sich gezeigt, darüber gibt die Berichterstattung über oben bezeichneten Punkt 2 Aufschluß. In Uebereinstimmung mit dem von der hohen königl. Regierung geprüften und genehmigten Lehrplane wurde unterrichtet: A. In den Religionslehrgegenständen: Mikro (beim Pentateuch mit dem Commentar Raschi), Mischna, Talmud, Chaje Odom. Sifre Musor (bei welch' Letzteren zugleich Rücksicht auf Anwendung zu Vorträgen beim einstigen Lebrerberuf genommen wird), hebräische Grammatik und jüdische Geschichte. B. In den Elementargegenständen: Dieselben wissenschaftlichen Lehrgcgenstände, mit gleichem Gesammtzeitaufwande und nach denselben Lehrbüchern, wie nach dem königl. Normativ vom Jahre 1866 im königl. Schullehrer-Seminare dahier. Sieben Zöglinge der Anstalt haben in diesem Jahre die Austrittsprüfung am königl. Schullehrer- Seminar dahier sämmtlich mit gutem Erfolge bestanden. Dieselben wurden nun in die Praxis entlassen, wodurch die Gesammtzahl der in der Anstalt Ausgebildeten und in die Praxis Entlassenen auf 63 gestiegen. Dieses Factum wollen wir nun etwas näher betrachten, um den richtigen Maßstab für die Leistungen der Anstalt zur Hand nehmen zu können. Die Anstalt hat also Sorge getragen, 63 Synagogen mit entsprechenden VorbUcrn versehen zu können, mit Männern von echt religiösem Sinn und Wandel und sittenreinem Charakter, und somit! sind ebensoviel Gemeinden in die beseligende Lage i versetzt, die religionsgesetzlich gebotene alltägliche gemeinsame Andacht an geheiligter Stätte mit Innigkeit und Würde verrichten zu könnem Die Anstalt hat hiemit gleichzeitig Sorge getragen, 63 Schulen mit entsprechenden Lehrern versehen zu können, mit Männern der eben bezeichneten Beschaffenheit, erleuchtet in der Religionswissenschaft. ausgebildet in den Profanwiffenschaften, und somit sind ebensoviel Schulverbände gegründet, in deren Unterrichtslocalen einer vielzähligen Schuljugend die beseligenden Worte der Relig'ions- und Sittenlehre vorgetragen, erläutert, Herz und Geist zugeführt und zu eigen gemacht wurden. Dabei ist gleichzeitig Gelegenheit zur weltlich-wissenschaftlichen Ausbildung und Berufstätigkeit geboten, die mit der religions-wissenfchaftlichen Ausbildung nicht nur nicht im Widerspruche, sondern vielmehr, wie schon unsere Weisen lehren (Aboth Cap. 2, § 2) vollkommen in Harmonie und Einklang steht. Wird nun der Höhepunkt der Bestimmung und Aufgabe der Schule in's Auge gefaßt, so leuchtet wohl die hohe Bedeutsamkeit desjenigen Mannes ein, der zur Rcotisirung und Lösung jener Bestimmung und Aufgabe berufen, des Lehrers nämlich, und somit die hohe Wichtigkeit derjenigen'Anstalten, die zu dem so hochwichtigen Lehrcrberufe die Befähigung vermitteln. Die sämmtlichen Zöglinge, die in dem eben abgelaufenen Schuljahre sich in der Anstalt befanden , erhielten Unterricht, Beköstigung, Wohnung, Beheizung, Beleuchtung und ärztliche Behandlung in der Anstalt unentgeltlich. Der Gesundheitszustand in der Anstalt war auch in diesem Jahre ein ausgezeichnet guter, indem eine Erkrankung eines Zöglings im ganzen Jahre nickt vorkam. Indem nun der ehrwürdige Vorsteher und Gründer der Anstalt, Herr Distr.-Rabbiner S. B. Bamberger '"1 zu Würzburg, den Spendern für ihr Wohlwollen, das sie der Anstalt zugewendet, seinen Dank ausspricht, glaubt er das Ersuchen an dieselben stellen zu dürfen, dieses Wohlwollen auch fernerhin und zwar in noch erhöhtem Grade bethatigen zu wollen, sowie an Andere, bis jetzt noch nicht Betheiligte um gefällige Betheiligung, da die Ausgaben bekanntlich im Zunehmen begriffen sind, und überhaupt thunlichst darauf zu sehen ist, ein derartiges Capital zusammen zu bringen, durch dessen Renten die Ausgaben der Anstalt bestritten werden können. Die hochheilige Sache eines entsprechenden Jugend-Unterrichtes läßt