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Der Israelit · 1875-12-08 · Heft 49 (8.12.1875) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 49 (8.12.1875)
Date
1875-12-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1087 Wir sind nicht gesonnen, den Zweck dieses Artikels, sowie seine wunderbaren Zusammenstellungen und verfehlten Schlüsse einer Kritik zu unterziehen, aber auf Eins müssen wir doch Hinweisen. Angenommen denn einmal, eS liege wirklich in dem einen oder andern Falle Brandstiftung zu Grunde, so vermögen wir absolut nicht zu begreifen, mit welchem Rechte man dafür die andern 240 unschuldigen und unglücklichen Familien belasten will. Wir sind vielmehr der Ansicht, daß dies ebenso ungerecht als grausam sein würde, und daß es wahrhaft unverantwortlich erscheint, zu dem Unglücke , das die Armen betroffen, noch den zwar sehr lächerlichen, aber dennoch tief schmerzenden Hohn hinzuzufügen, daß sie auf Sentimentalität speeulirt, sich aber verrechnet hätten. Wir wollen nun aber wiederholt versichern, daß an den gehässigen Auslassungen der „Allgemeinen Zeitung für das Judenthum" über unser Brandunglück auch nicht ein Wort wahr ist, daß die Magdeburger Versicherungs-Gesellschaft nichts constatirt hat, daß während des Brandes kein Spritzenschlauch durchschnitten worden ist und daß also kein Verbrecher bei offener That ertappt werden konnte. Die unbedeutende Thatsache, worauf sich das Gerücht von zerschnittenen Spritzenschläuchen zurückführt, besteht lediglich darin, daß zwei Tage nach dem letzten kleinen Brande am 3. October ein Zubringerschlauch an einigen Stellen verletzt gefunden wurde. Nur in einer Behauptung hat der Artikelschreiber Recht, darin nämlich, daß bis jetzt nur bei Weitem nicht ausreichende Beiträge eingegangen find. Ohne Zweifel find an dieser beklagenswerthen Thatsache die gehässigen Insinuationen verschiedener Blätter nicht am wenigsten Schuld, da mit dem ersten Aussprechen derselben die milden Beiträge, wie vom Giftthau getroffen, plötzlich zu stocken begannen. Wir werden also für unsere armen Abgebrannten nur einer sehr traurigen Zukunft entgegensehen können, wenn nicht reichliche Liebesgaben von Neuem deren Elend zu lindern bestrebt sind. Paderborn, 22. Nov. 1875. Das Comito: Jentzsch, Kal. Landrath. Franckenberg, Bürgermeister. Vennemann, Beigeordneter, Rechts- Anwalt. Sack, Kreisgerichtsdirector. Botin er, ev. Pfarrer. S. Meyer, Mühlenbesitzer, Stadtverordneter. A. Vonderbeck, Distr.-Armen Vorst., Stadtverordneter. Klein, Dompfarrer. F. Schöningh, Buchhändler. Ä. Engels, Diftr.-Armen- Vorstand, Stadtverordneter. H. Hesse, Kaufmann und Stadtverordneter. Mües, Oeconom, Distr.- Armen - Vorstand. M. Sprückmann jr., Kaufmann. Freiherr von Haxthausen-Carnitz, Rittergutsbesitzer. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e u l s ch i a n d. Mainz, 28. Nov. In Earlsruhe in Baden soll vom 1. Januar an eine neue. jüdische Zeitung unter Redaction des Lehrers L. Wolfs von Kuppen heim, unter dem Titel „Deutsch- Israel. Zeitung" erscheinen. Die Probenummer liegt uns vor. Dem Programm zufolge soll dieses Preßorgan für Diejenigen bestimmt sein. welche von der einen Partei als die Gesinnungslosen, von der andern als Zwischenträger bezeichnet werden, die sich selbst aber eine Partei des Friedens nennt!! An Aufrichtigkeit und Selbfterkenntniß läßt das Programm wohl nichts zu wünschen übrig. — Die Berechtigung zu einer Umbildung unserer heiligen Religion wird im ersten leitenden Artikel als Dogma hingestellt. Und das soll Mittelweg sein! Das ist unserer bescheidenen Ansicht nach schon äußerste Reform, ja, schlimmer als solche. Unser Gottesgesetz ist ewig, unveränderlich. D’D^y1? im 871 *\vn -(--rr „Gott wird niemals sein Gesetz verwechseln oder vertauschen mit einem andern". So steht es am Anfänge eines jeden isr. Gebetbuches, so ist es jedem wahrhaften Israeliten Glaubenssatz. Daß es gewisse Gesetze gibt, die Zeit und Ort uns auszuüben, oder sowie vorgeschrieben, auszuüben, hindern (nimnn nuso tvitso und andere), das hat das Gottesgesetz von vornherein vorgesehen» das ist weder eine Umwandlung, noch eine Entwickelung der heiligen Religion Israels. Die „Deutsch-Israel. Zeitung" versichert feierlichst, sich von der Polemik mit andern jüdischen Zeitungen fernhalten zu wollen; ob sie das wird durchführen können? „Es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt." Wir werden uns durch jene feierliche Versicherung nicht abhalten lassen, energisch gegen alle Versuche aufzutreten, die dahin zielen, falsche Lehren und Ansichten *ür echtes Judenthum auszugeben. Mainz, 2. Dec. Der Rechenschaftsbericht über die israel. Lehrerbildungs - Anstalt in Würzburg für das eilfte Jahr ihres Bestehens ist soeben ausgegeben worden. Derselbe berichtet:

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