Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1875)
- Date
- 1875-12-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1086 Entdeckung der Verschwörung veranlaßten, und da lehrt der Midrasch — ein Theil des von den Ultramontanen so arg verschrienen Talmuds —daß es dem Juden religiöse Pflicht ist, allen Menschen, seien sie auch Heiden, hilfreich zu sein und segensreich für sie zu wirken. pso "12 v2 12 122221, „Und es sollen durch Abrahams Nachkommen gesegnet werden alle Völler der Erde" (alle „Gojim" der Erde, wie die Ultramontanen sich auszudrücken belieben). Wir Juden haben die religiöse Pflicht, so zu leben und zu wirken, uns unfern Mitmenschen gegenüber so zu benehmen, daß alle Menschen ausrufen wie einst die Heiden von Äskalon: pro p»3c n0 ppasEr «6i ’5mm -p-o, „Gepriesen sei der Gott der Juden; sie lassen Ihn nicht und Er läßt sie nicht." (Talmud Jerüschalmi, Peah Cap 3, § 7.) Wir können es daher nur bedauern, wenn eine jüdische Zeitschrift sich so weit vergißt, gegen eine katholische Bevölkerung mit ungerechten Angriffen vorzugehen und bringen deßhalb die nachstehende Zuschrift zum Abdruck: Paderborn, den 22. Nov. 1875. An die Redaction des „Israelit" > (Herrn Or. Lehmann) zu Mainz. Die verehrliche Redaction ersuchen wir ganz ergebenst um sehr gefällige Gratis - Aufnahme der anliegenden Erklärung. Wir verbinden damit die höfliche Bitte an Wohldieselbe, bei der traurigen Lage, in welcher sich unsere armen Abgebrannten so unverschuldeter Weise befinden, von Neuem zu Beiträgen für dieselben geneigtest auffordern zu wollen. Das Comito. j I. V.! Franckenberg, Bürgermeister. \ Erklärung Die „Berliner Börsenzeitung" brachte am 21. z Oct. d. I. einen Artikel, in welchem die letzten j Brände, von denen die hiesige Stadt betroffen wor- > den ist, auf Brandstiftung zurückgeführt wurj den. Gleichzeitig wurde in diesem Artikel behaupj tet, daß bei einem dieser Brände Svritzenschläuche : zerschnitten, und daß einer der Uedelthäter in I flagranti durch den Agenten der Magdeburger Feuer-Bersicherungs-Gesellschaft abgefaßt sei. Da nun von all dem nichts wahr ist, wurde! die genannte Zeitung amtlich um Berichtigung j ^sucht, der sie auch in ihrer N. 511 vom 4. d. : M. bereitwilligst entsprach. Verdächtigung und Widerlegung fanden ihren Weg durch eine Menge öffentlicher Blätter. Das hat die von dem Rabbiner Dr. Phili ppson in Bonn redigirte „Allgemeine Zeitung für das Judenthum^ nicht gebindert, nach fast 4Wochen jene gehässige Insinuation von Neuem ihren Lasern vorzuführen, und zwar in einem Gewände, als wenn nochmals Erhebungen der Magdeburger Versicherungs-Gesellschaft stattgefunden hätten und durch sie die Brandstiftung festgestellt wäre. Das Blatt bringt nämlich in der Nr. vom 16. d. M. eine angebliche Privatmittheilung vom Rhein vom 4., in welcher gesagt wird: ,,Ein neuerliches Ergebniß führt die Aufmerksamkeit noch einmal auf die Schmähartikel der ultramontanen Blätter gegen die Juden zurück. Der Hauptvorwurf, den jene gegen die letzteren in allen Tonarten wiederholen, war bekanntlich der, daß die Juden mit Geringschätzung der redlichen aber mühevollen Arbeit nur durch' alle leichten, wenn auch betrügerischen Mittel sich zu bereichern strebten. Wir wollen diese in ihrer Allgemeinheit lächerliche Behauptung nicht etwa widerlegen, sondern nur auf eine Thatsache Hinweisen, welche die schwarzen Herren doch verhindern möchte auszurufen: „Ich danke Dir, Gott, daß ich nicht bin, wie dieser einer!" Nach den Erhebungen der Magdeburger Feuer-Versicherung ist es jetzt constatirt, daß die großen Brände, welche im vorletzten Monate die fromme Bischofsftadt Paderborn verheerten, durchaus nicht ein „Gericht Gottes" waren - wie sollte das auch gerade seine clericalen Auser i ählten treffen? — sondern sorgfältig angelegt, um die Versicherungen und dazu noch die öffentliche Mildthätigken zu brandschatzen! Ruchlose Hände hatten sogar die Spritzenfchläuche durchschnitten, um die Rettung zu verhindern; einer dieser Verbrecher ist bei offener That ertappt und abgefaßt worden. War diese schwarze Heerde bei solchem Thun etwa auch in redlicher und mühevoller Arbeit zur Gewinnung des täglichen Brodes begriffen? Findet sich also nicht allein unehrliche, sondern sogar verbrecherische Geldgier auch bei den Schafen des ultramontanften aller Schafe, des verflossenen Martin? Es ist dieses Paderborner Ereigniß wieder eine hübsche Illustration zu der schon in Bayern längst beobachteten Thatsache, daß, je ultramontaner eine Gegend ist, desto höher die Zahlen der Verbrecher-Statistik anschwellen. Uebrigens können wir eonstatiren, daß sich dieses Mal die öffentliche Meinung nicht durch eine falsche Sentimentalität hatte irre leiten lassen: die Sammlungen für die Paderborner haben verhältnißmäßig nur ganz unbedeutende Summen ergeben!"