Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1875)
- Date
- 1875-12-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1068 Hunderttausend in meinem Geschäfte stehen haben, die Sie unter ungünstigen Verhältnissen verlieren könnten." Jetzt wurde selbst der sanfte Franke zornig. „Nichts werde ich bei Dir verlieren, Alfred, nicht einen Kreuzer!" rief er heftig, während Thronen über feine Wangen rollten: „Du.Plauderer! — Die Keulenschläge des Unglücks fielen etwas rasch aufeinander auf Dein armes Haupt; und haben Dich — ich kann das wohl begreifen — etwas betäubt.Die Sachen steh eil nicht so schlecht .... Du siehst Alles zu schwarz, es wird ja nicht Alles verloren sein .... Fortenberg werden wohl vierzig Procente zahlen, und die Assecuranzen, — wenn sie auch nicht den ganzen Schaden zu ersetzen vermögen, — werden doch etwas zahlen .... — das müßte denn doch sonderbar zugehen, wenn sie nicht wenigstens die Hälfte oder ein Drittel vergüten .... Jede Assecuranz ist ja auch gegenversichert.und den Verlust, der sich dann nach dieser Berechnung ergäbe, den kannst Du doch überstehen .... nicht wahr Alfred? — also nimm das da." Franke wies auf die Banknoten, den Wechsel und das Sparkassenbuch — und als Alfred etwas entgegnen wollte, fuhr er rasch fort: „Um Gotteswillen widersprich mir nicht, rege mich nicht noch mehr auf . . . Alfred war eine Zeit unschlüssig, dann aber griff er plötzlich nach dem vor ihm liegenden Haufen. „Im Unglück darf man wohl unbescheiden sein .... ich bin ein Mensch, der harte Krisen überstanden, ich habe in meinem Leben durch Gottes Hilfe, viel Unglück siegreich bekämpft, und .... und Gott segne Sie, Franke!" Alfreds Stimme brach vor Rührung. „Das war ein Malheur! .... wenn Du mir das Geld nicht zurückgeben würdest .... laß Dir's gesagt sein, Alfred .... wenn es Dich genirt, halt' Dir das bischen Geld .... willst Du mir einen kleinen Gewinnantheil von Deinem Geschäfte geben; gut! ... . wenn nicht. . . ." Alfred wollte sprechen. „Unterbrich mich doch nicht jeden Augenblick, junger Mensch!" rief Franke mit affeetirtem Zorn. „Laß doch den ältern Mann zu Worte kommen . . . . Was soll mir das Geld.Meine beiden Groß-Nichten Susanne und Clara bekommen eine Million; die haben genug! .... Du . . Dl Alfc.'? .... bekommst ja so einmal mein kleines Vermögen, Du bist mein Erbe, muß ich denn schon gestorben sein, bevor Du's bekommst?! Mir macht's wahrhaftig ein herzliches Vergnügen, wenn Du es noch bei meinen Lebzeiten benutzest . . . ." Alfred machte wieder eine Bewegung, ihn zu unterbrechen. „Aber sag mir einmal, wozu brauche ich das Geld? Du unverständiger Mensch!" fuhr Franke fort. Alfred liebevoll mit thränenerfülltem Auge anblickend „ich habe einen großen Gehalt, verlangte ich das Doppelte, ich bekomme es vom Hause Ebers — ich lebe mäßig — habe keine Bedürfnisse — brauche ich für Arme und Unglückliche mehr als ich geben kann, .... nun da steht mir die große Zehntcassa des Hauses Jonas Ebers zur Verfügung, also .... Deine Bedenken wären kindisch .... es wäre wahrhaftig nur zum Lachen!" Aber weder Franke noch Alfred lachten. Es zuckte wehmüthig in den Zügen des jungen Mannes, als er die Werthpapiere an sich nahm, und tief ergriffen sagte: „Franke, wie ich schon gesagt, ich nehme Ihr großmüthiges Darlehen, Ihren großmüthigen Vorschlag an.ich nehme auch diese Summe .... ob ich Sie Ihnen je werde zahlen können, das weiß Gott!" „Ah! . . . was!" meinte Franke erschüttert, „gewiß wirst Du's können, Gott wird Dir helfen, Hajad haschem tikzor?*) „Sie haben dieses Bibelwort, in Bezug aus mich, schon einmal ausgesprochen .... väterlicher Freund .... und doch bin ich seit damals noch viel unglücklicher geworden als ich war, — als ich, als irgend Jemand es erwarten konnte . . . ." „Die Tage folgen aufeinander, aber sie gleichen sich nicht .... geh' nach Hause, mein Sohn . . . . besorge Deine Geschäfte .... läse vor Allem Deine Giri auf den Fortenberg'schen Wechseln ein ... . fasse Dich, vertrau' auf Gott! .... ich bin fest überzeugt „Leopold Cohen und Sohn" wird stehen bleiben .... Gott wird weiter helfen . ... Du wirst noch glücklich werden. (Fortsetzung folgt.) *) Willst Du der Allmacht Gottes Grenzen setzen!? Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Ncdaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hosbuchhandlung. I. Gottsleben's Vuchdruckerei (Mainzer Anzeiger.)