Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1875)
- Date
- 1875-12-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1067 stützte seinen Kovf in seine hohle Hand, seine Lippen zuckten konvulsivisch, er war aufgeregt, wie vor dem AuSbruche des AMhnsinneS. „Franke!" rief er endlich, „Alles bricht über mich zusammen .... ich bin verloren . . . war' ich nicht gläubig bis in den Urgrund meiner Seele, ich spräche fast: Gott hat mich verlassen!" Diese Redeweise war dem Charakter, dem ruhigen, edlen Wesen Alfreds so entschieden widersprechend, daß Franke zusammenbebte. „Mir ist Entsetzliches widerfahren, Franke!" sprach Alfred . . . „wenn nicht ein Wunder geschieht .... bin ich banquerott! Leopold Cohen u. Sohn banquerott o! der ehrliche Name meines edlen Vaters!" Franke erhob sich plötzlich, als hätte in dem Momente ein elektrisches Fluiudm den gebrechlichen Körper mit Riesenkraft durchftrömt. „Ich gleiche Hiob," fuhr Alfred tonlos fort . . . „mich trifft Schlag um Schlag .... lesen Sie diese Briefe." „Ich kann's nicht lesen .... mir flimmert's vor den Augen .... sprich, was ist geschehen?" „Brüder Fortemberg haben fallirt, ich bin mit fünfzigtausend Gulden bei dem Bankerotte betheiligt .... ich muß die Wechsel, die ich begeben, sofort einlösen. „Das wird Dich wohl nicht umreißen?" sprach Franke fast schroff „die Summe ist nicht bedeutend genug .... und man darf nicht mehr creditiren als eben die eigenen Mittel erlauben." „Der Verlust würde mich nicht geniren, wenn nicht mein ganzes Wolttager bei' dem großen Brande des Antwerpner Lagerhauses vernichtet worden wäre! " „Ah! .... daS ist stark ... in der That . . . . aber .... Du bist wohl affecurirt?" „Die Affecuranzen erklären sich für insolvent .... bedenken Sie die Versicherungsanstalten haben ja bei dem Brande viele, viele Millionen zu bezahlen." „Wie viel beträgt der Schaden dort?" „Ich hatte dort hoch und mittelfeine Wolle liegen .... siebenhundert Center, sie kosten mich circa hundertzehntausend Gulden .... und das ist noch nicht Alles!" „Noch uicht Alles?!" wiederholte Franke erschüttert „ich dächte das wäre genug!" „Ich habe noch einen sehr großen Verlust erlitten. Mein mit Klee beladenes Schiff ist mit einem Elbedampfer zusammengeftoßen und ist gesunken .... die Mannschaft Gott Lob gerettet — aber das Gut vollkommen havarirt." „Da mußt Du doch Ersatz erhalten, die Waare war ja versichert?!" „Die Affecuranz behauptet, die Nachlässigkeit des Schiffers trüge die Schuld, sie behauptet den Beweis hierfür erbringen zu können .... nach den Mitteilungen, die mir darüber werden. kan» ich dies leider nicht bezweifeln." „Das ist hart .... sehr hart" .... sprach Franke mehr zu sich „ich hätte nicht geglaubt, daß so viel Unglück Zusammentreffen könnte .... aber Alfred, mein Sohn, Muth ..den Kopf in die Höhe, Gott kann helfen!" „Gott kann helfen!" wiederholte Alfred tief erschüttert .... „aber Wunder wird er mir zu Liebe nicht verrichten .... Franke, diese Verluste übersteigen mein Vermögen!" „Entsetzlich," murmelte Franke „wäre Susanne Deine Gattin geworden .... hättest Du Deiner Firma eine halbe Million zugeführt." „Ah!" rief Alfred schmerzlich aufzuckend, Alfred, Dir wird geholfen werden ... bei dem lebendigen, allmächtigen allbarmherzigen Gotte schwöre ich Dir's .... Das kann Gott nicht wollen .... Ein Mensch wie Du, der seinem Gott gedient, wie wohl kein zweiter auf Erden .... Dein ganzes Leben war ja nichts anderes als: Pflichterfüllung und Entsagung — Muth mein Alfred .... „Jonas Ebers" ist jetzt freilich ein klein wenig lahm gelegt .... muß meinen beiden Nichten zusammen einen Kindestheil, eine volle Million auszahlen .... ah! meine Nichten! .... gut, gut ... . wir brauchen zum Glück die Hilfe der reichen Onkel nicht .... Es handelt sich wohl in erster Linie darum die Fortenberg'schen Accepte einzulösen .... Wie viel Geld brauchst Du dazu?" „Dreißigtausend Gulden fehlen mir noch . . . . Zwanzigtausend Hab' ich baar in der Cassa." „Ah!" Franke versuchte ein total mißglücktes Lächeln, „da steht die Sache ja gar nicht so schlimm .... Du .... cholerischer Mensch Du . . . . Strudelkopf .... meint man, die Welt sei eiugestürzt!" Franke schritt rasch zu ferner kleinen eisernen Caffette . . . „Mit den paar Gulden kann ich noch einem guten Freunde aushelfen .... da hast Du Dreißigtausend Gulden .... sei so gut und schicke mir morgen ein Bon darüber . . . ." Der alte Prokurist legte Alfred ein Paket Banknoten, ein Sparkassenbuch und mehrere demj nächst fällig werdende Wechsel vor; er wollte in j gewohnter Ordnungsliebe die Summen zusammen-! stellen; aber der Bleistift zitterte in seiner! Hand. „Sei so gut Alfred .... rechne es zu Hans: zusammen. . . „Bester Freund! Sie vergessen, daß Sie schon