Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1875)
- Date
- 1875-12-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1066 pater ihn nach der Beichte commuw'cirt hatte, die Hostie aus dem Munde, warf sie an einen unnenn, baren Ort, bekannte sofort den Frevel, lästerte den Gott der Christen, den Taufact, dem er sich unterzogen, und erklärte öffentlich, er wolle Jude sein wie vor und ehe und als Jude sterben. — All das schien den gestrengen und weisen Herren so grauen - und frevelhaft, daß sie den Lästerer zur Todesstrafe mit den ärgsten Verschärfungen verdammten, welche die „Carolina" zuläßt. So merkwürdig erschien diese Justification selbst den damaligen, an Hinrichtungcu und Grausamkeiten gewöhnten Menschen, daß man einen kurzen Abriß derselben, in welchem Engelberger als ehemaliger Rabbiner von Rakonitz angeführt wird, in Stein graben und diese Tafel „zum ewigen Gedächtniß" an der Stiege des Schrannengebäudes aufstellen ließ. Bei der Hauptreparatur der Schranne, zwischen 1742 und 1745, verschwand dieser Stein. Niemand copirte die Aufschrift des DenkzeichenS und der grausame Executions * Act wäre wohl ganz vergessen worden, wenn sich nicht im Stadlprotokoll vom Jahre 1642 die Bestätigung der Rechnung des Freimannes Hanns Berte für seine geleistete Arbeit fände. Dieselbe lautet wortgetreu: „Den allhiesig Freymann dass er den getauften Juden Ferdinand Franz Engelberger nit allein umb begangenen Diebstall alss er mit den ungetaufften zwei Juden vorhero auf der Kayserlichen Schranen zum Strang verurtheilt worden. Er aber revociret, dass Crucifix zur Erde geworffen, mit lesterlichen Worten angezaigt, daßs er dass Hoch Heilige Sacrament, so ihm der Priester vor seiner aus Fuerung geraicht, heraus genomben Gottloser weiss in ain unsaubres Orth geworfen habe, und also mainaidiger Weiss von Chriftenwieder zu dem Gottlosen Judenthum zurückgetreten, Erstlichen auf den 4 Pletzen auf dem Hochwagen Ihme die zwo Prüft mit gluedigen Zangen heraussgerissen, an Ruthen zway Ri'ehmen herauSS gefchnieden. auf ain Schlaipfen gepunden, volgends auf der Gannswaidt bei der gewöhnlichen Richtstatt Ihme die Handt abgeschlagen, die halbe Zung heraus geschniden bei reverenäv (salva venia) Fuessen auf den Galgen gehenckt und also fambt den Galgen lebendig zu'Staub und Aschen verbrent hat. Für den Zwicker 12, Riemschneiden 12, auf die Schlapffen zu pinden 30, Handtabfchlagen und Zungenausschneiden 36, bei den Fuessen aufzuhencken 40, daß lebendig verbrennen 1 fl. 30 kr., desgleichen die Pflaster so dem Juden auf die schündt und Zwickher gelegt worden 36 kr. und den Huetstockh Vrtl (Urtel) auszurueffen 6 kr., die alle 8 Posten zusamben zahlt 4 fl. 2 Kreuzer 4 Denari." — Man weiß nicht, worüber man mehr staunen soll, über das vollgemessene Maß der raffinirtesten Grausamkeiten aller Art, die an einem armen Menschenwesen ausgeübt wurden, oder über den billigen Preis, welchen „die von Wien" damals dafür zahlten.-Bis zum Jahre 1716 scheint unter den vornehmen Leuten zu Wien ein gewisser Hinrichtungssport geherrscht zu haben; man machte sich aus dem Besuche einer Execütion gerade so eine Unterhaltung wie aus dem Besuche der Hannswurstiaden Stranitzky's, oder wie man später die Bären- und Stierhetze unter den Weißgärbern besuchte. Die adeligen Herren ließen sich in die sogenannte Todtenbruderschaft aufnehmen, welche das Privilegium hatte, den Hinrichtungen in nächster Nähe beizuwohnen und die Gerichteten zu begraben. Die Theilnehmer trugen Larven vor den Gesichtern, damit die misera plebs nicht sehen konnte, mit welchem Vergnügen die vornehmen Herren der Blutcomödie zusahen. Feuilleton. Haus Ebers. Erzählung von S. K o h n, Verfasser des „Gabriel*. (Fortsetzung.) ES trat eine lange Pause ein. Franke versuchte es nicht nach Trostworten zu suchen . . . . er wußte eS wohl, er würde keine finden. Plötzlich ward die Thüre aufgerissen und Alfred Cohen stürmte blaß, verstört, erregt wie ihn Franke noch nie gesehen herein. „Ah! Du hier ... meine Susanne" rief Alfred schmerzlich . . . „ah! Frau von Eberstein wollt ich sagen" und in seinen Zügen zuckte es convulsivisch. Susanne sah ihn traurig an. „Zeigen wir uns stark," sagte sie ... . „wir haben die Verpflichtung .... wir müssen Clara und Heinrich mit gutem Beispiel vorangehen." Susanne versuchte zu lächeln; aber es war dies so traurig, so schmerzlich ... . daß es Alfreds Seele zerriß. „Geh'. Susanne, mein Kind!" sprach Franke sanft .... „ich habe mit Alfred jetzt Geschäftliches zu besprechen .... „geh!" Susanne schied. Alfred warf sich auf einen Stuhl, seine breite Brust hob und senkte sich, er