Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1875)
- Date
- 1875-12-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1064 gestellt hat, unseren Glaubensgenossen alles echt Religiöse vor die Augen zu führen. Dem Bericht geht eine Gedachtnißrede voran, die der Director, der zugleich Prediger an der orthodoxen Synagoge „Zum Tempel" ist, am Sonntag cuvw '2 '« dp für den dahingeschiedenen Vorsitzenden des Vorstandes dieser Synagoge, Herrn Dr. moä. Julius Lobethal V'i, gehalten hat. Die Rede, mit der uns der auch als Kanzelredner rühmlichst bekannte Herr Rabb. Dr. P. Neustadt hier vor Augen tritt, ist ein Muster einer nach Form und Inhalt fein stylisirten Predigt, Dr. N. beklagt in ihr tief den Verlust dieses für die orthodoxe Sache und namentlich für die Leitung der genannten Synagoge hochbegeisterten Mannes, dem er zugleich mit zwei anderen dahingeschiedenen Wohtthätern der Anstatt, den Herren Oberrabb. Elias Guttmacher, Grätz (Posen), und Gottschalk Jacob y. Belgard (Pom-- mern). rnnüb cji-qim »Vorwort" und in den „Schulnachrichten" eine Thräne der Erinnerung weiht. Die Statistik weist 78 Schüler auf gegen 71 des vorigen Jahres. Von diesen Zöglingen genießen 24 den Unterricht für die Hälfte des Schulgeldes, 2 - hingegen werden ganz unentgeltlich, selbst auch mit Freihaltung der nöthigen Schulbücher (o’-ied) unterrichtet, für die bedürftigsten wird noch das Schulgeld in einer der hiesigen, höheren Lehranstalten entrichtet und für warme, anstän ige Kleidung für den Winter gesorgt. An der Anstalt unterrichten außer dem Director noch drei Hilfs- Lehrer und für liturgische Zwecke ein Cantor (;in). Als das Wichtigste während des verstossenen Schuljahres ist zu erwähnen, daß der Magistrat der Anstalt die visher gezahlten Vergütungen für Beheizung und Beleuchtung in den längstens gunstweise überlassenen Lokalitäten völlig erlassen hat. Ferner hat derselbe einem fleißigen Freischüler der Anstalt gleichfalls Freischule in der kathol. höheren Bürgerschule ertheilt. Auch die hiesige Synagogen- Gemeinde subventionirt die Anstalt mit jährlich 60 Thalern. Was die im verflossenen Schuljahre durchgenommenen Pensa betrifft, so werden schon in der Cl. Y. kleine Stücke aus dem Siddur und dem Pentateuch übersetzt, in der Cl. IV. wird regelmäßig mit vürt fortgefahren, in der III. mit ctoiu o'inro* begonnen, in der ll. mit mso: oix ”n ,rt5cn Cit'n, in der II. A. mit ni’jti/D und in der I. mit fc-is;. Gebete - Uebersetzen und Grammatik ist in allen Classen, MM. Geschichte in den drei unteren und jüdische Geschichte in den beiden oberen. So *) ei:-Ir cnuck’tt b:ii Herrn Üvmiponbcmcn, uns eine solche 'i;cnn\\1'un<3 emuieubcu. di c d. erhalten idte Zöglinge einen systematischen hebr. Unterricht, der auf echt jüdisch-religiöser Grundlage beruht. Ferner ist die sehr wichtige Einrichtung des allsabbatlichen Frühgottesdienstes (nozwn) im Hause des Direktors zu registiren. Wie sehr aber auch eine sülche Schule der Breslauer Gemeinde Noth thut, ersehen wir aus der Mittheilung des Directors Dr. N., daß von 3000 hiesigen jüdischen Schülern kaum 700 einen hebr. Unterricht genießen. Wie große Begriffe macht sich so Mancher von Breslauer jüdischen Verhältnissen und wie sehr bieten solche Thatsachen Veranlassung, in die Klage des verdienstvollen Leiters der Anstalt auszubrechen: sN'2 inruff dpd *pu im«Bn o min hbd. Erwägt man diese Thatsachkn, so ist es wahrhaftig anerkennenswerth, welche Mühewaltung und welche eisernen Fleiß der Director entwickelt, um die Aufgabe, die er sich gestellt, zu erfüllen, in seiner Anstalt echt religiöse Jehudim zu erziehen, die einstens die wahrhaften Träger der Thora werden sollen. Zugleich müssen wir die Opferfreudigkeit bewundern, die Herr Dr. N. an den Tag legt, wenn wir bedenken, daß die Anstalt über gar keine Geldmittel zu verfügen hat, daß sie einzig und allein auf moralischer Grundlage beruht und ihre Existenz auch nur dem wohlwollenden Entgegenkommen der städtischen und Gemeindebehörden einerseits und den Wohlthaten vieler Freunde und Gönner anderseits zu verdanken hat. Und doch erkennen wir aus jedem Wort des Directors, wie ihm eben dadurch die Erfüllung seiner Aufgabe sehr erschwert wird, daß es ihm bisher, trotz vieler Spenden, nicht gelingen konnte, eine tüchtige Lehrkraft als definitiv für die Anstalt zu gewinnen. Herr Dr. N. erachtet dies als sein sehnlichstes Ziel und wünscht gern, um zur Erreichung desselben zu gelangen, einen Fond zu gründen, aus dessen Zinsen er wenigstens Gehalt für einen Lehrer, sowie die sonstigen laufenden Ausgaben bestreiten könnte. Zwar hat sich auch in diesem Jahre der Wohlthatigkeitssinn unserer Glaubensgenossen, namentlich in Süddeutschland, auf's Neue bewährt, doch reichten die Gelder kaum hin, die nothweudigsten Ausgaben zu decken und ist noch ein Deficit von 254 Rm. zurückgeblieben. Es ist wahrhaft betrübend, wenn wir diese Thatsache im Berichte einer Anstalt finden müssen, die sich so sehr im Vertrauen unserer Glaubensgenossen bewährt hat. Gewißlich werden diese Worte genügen, um so manchen reichen Wohlthäter zu veranlassen, auch dieser Anstalt ein Plätzchen in seinem Herzen zu gönnen und dem rastlos bestrebten Director eine Summe zu überweisen, von deren Zinsen er nicht nur die laufenden Ausgaben bestreiten, sondern auch weulgstens ei-