Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1875)
- Date
- 1875-12-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Juden find es, die das Verdict des Chirurgen der Wiener Hochschule zumeist trifft. Billroth conftruirt sich eine,arme Judenfamilie in Galizien oder Ungarn („die ungarischen Juden haben in den Kreisen der Wiener Studenten selbst Den übclsten Ruf"), die „eines kleinen jüdischen Kaufmannes." Der zu Handelsgeschäften untaugliche Sohn soll ein Schriftgelehrter, Talmudist werden," er macht sein Maturitäts - Examen — und das Unglück ist fertig: er wird Mediciner. Des Breiten ergeht sich der Antor in der Schilderung des „Armen und Elenden", der für sein Brot sorgen muß, „ohne freien Kopf, ohne geistige Bewegung" medicinische Studien treiben soll. Billroth bezeichnet die „galizischen und ungarischen jüdischen Elemente" als das „leider nicht ganz auszurottende Unkraut." „Mit politischer Geographie hat mein Buch nichts zu thun," sagt er am Schluffe feiner Vorrede, und der Leser mag urtheilen, ob der Autor ein Recht hat, dies zu sagen. Er erklärt uns ferner, daß er ja „nicht wünschte, Duß lman ihn mit den jetzt so beliebten Judenschimpfern zusammenwürfe", und ergeht sich nun des Langen und Breiten über die Juden, unter denen die „bedeutenden Menschen meist zugleich Schwärmer, Idealisten, Humanisten" die talentlosen aber Glücksjäger sind. Diesen fehlt die „Freude an der Romantik des Martyriums." (Die Geschichte des Ghetto!) In Ungarn und Galizien seien die Juden „stark degenerirt." Unser Autor läßt die Juden ferner nicht als Deutsche gelten, sie seien eine „scharf ausgeprägte Nation." „Es ist weder zu erwarten noch zu wünschen (!), daß die Juden je in diesem Ginne deutsch-national werden, daß sie bei nationalen Kämpfen so zu empfinden vermöchten, wie die Deutschen selbst" — denn es fehlt idnen — die „mittelalterliche Romantik!" Unglückliches Amerika, das du alle mittelalterliche Romantik entbehren mußtest, keine Feudalherrschaft, keine Leibeigenschaft, keine allgewaltige Kirche, keine Thomistische Staatslehre, keine Raubritter, keine Folter kanntest — du theilst das Schicksal der Juden. Wir sehen, daß wir es mit einem Racen-Politiker zu thun haben, der die „Kluft zwischen reindeutschem und jüdischem Blute heute noch so tief empfindet, wie von einem Teutonen die Kluft zwischen ihm und einem Phönizier empfunden worden sein mag." Für solchen Teutonismus ist es ein gar trauriges Geschick, von 34 College«, Professoren und Docenten der Medicin, theils jüdischer Confesfion, theils jüdischer Abkunft umgeben zu sein. Ist es ein Zufall. daß die Schöpfer und Wortführer der medicinischen Presse in Wien gerade Juden sind? Eine ernste Widerlegung dieser Ansichten wäre, siebenundzwanzig Jahre nach dem 13. März 184o, in Wien etwas zu — anachronistisch. Billroth's „Judenthum in der Medicin" wird wie Richard Wagners „Judenthum in der Musik" eine vereinzelte Stimme bleiben die eben nur die „persönliche Meinung" — eines ausgezeichneten Chirurgen ist. „Es ist eben nicht Allen beschieden, schließt die „Reue freie Presse," der wir das Material zu dieser Besprechung genommen haben, aus urgermanischem Boden — geboren zu sein, sich einen engeren Landsmann Ernst Moriz Arnd'tS zu nennen und seine Jugend-Erinnerungen mit der Heimath des Hertha-Cultus verknüpfen zu können. Millionen von Deutschen und Oefterreichern empfinden diese „Blutkluft" nicht, sie messen ihre Mitbürger nach Charakter und Thätigkeit, Vaterlandsliebe und freiem Sinn Unter denen, die so denken, stehen aber in der Regel die Lehrer der hohen Schulen obenan, und die Ausnahme mag die Regel nur bestärken." Zeitungsnachrichten & Correfpoudenze« Frankreich. Breslarr, 's \xsid. Am Sonntag den *7. Oct. fand hiers. die Prüfung sämmtlicher Zöglinge der „Hebräischen UnterrichtSanstalt" pp D”n, im Saale der städtischen, kathol. höheren Bürgerschule statt. Die zahlreich erschienenen Eltern der Schüler, sowie viele andere Freunde und Gönner der Anstalt hatten die Prüfung durch ihre Anwesenheit beehrt, während die hochlöbl. Behörden sowohl von der Stadt als der Gemeinde durch ihre resp. Deputationen vertreten waren. Wre jedes Jahr verließ auch diesmal Keiner das Examen ohne das befriedigende Bewußtsein, daß diese Anstalt eine Pflanzstätte echt jüdischen Wissens ist, in der die Zöglinge eine gediegene, religiöse Bildung genießen.' Die Prüfüngsgegenstände erstreckten sich vom geläufigen Lesen und Uebersetzen (in der El. V.), bis zur nidj (Cl. I. A. und B), und legten die Knaben staunenswerthe Kenntnisse an den Tag, wohl der beste Lohn für die Mühewaltung und das ernste Streben, dem sich die Lehrer der Anstalt freudig unterziehen. Zur Prüfung selbst hatte der Direktor der Anstatt, HerrRabb. Dr. P. Neustadt V'v», durch den „Achten Bericht" kurz vorher alle Förderer und Freunde der „Hebräischen UnterrichtSanstalt" ehrerbietigst eingeladen. Der vier Bogen starke Bericht verlohnt sich wohl einer näheren Besprechung in diesem Blatte*), das sich ja die Aufgabe