Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1875)
- Date
- 1875-11-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1046 sprachen zwei Freunde des Tobten und sein Bruder. Es wurde übel vermerkt, daß im Namen des Abgeordnetenhauses Niemand am Grabe gesprochen. Dies hat im Folgenden seinen Grund: Präsident Ghyczy hatte Moritz Jokai aufgefordert, am Grabe Horn's eine Rede zu halten; Jokai hatte es versprochen, war aber durch ein Fußleiden verhindert, das Zimmer zu verlassen. Dann wurde Gabriel Varady vom Präsidenten Ghyczi ersucht, die Rede zu halten; Varady ist aber nicht erschienen, weil ihn die Veranstalter der Leichenfeier nicht officiell mit der Abhaltung der Grabrede betraut haben. Die Letzteren aber hielten es für genügend, daß der Präsident des Abgeordnetenhauses die diesbezügliche Verfügung getroffen. Frankreich. Paris. Das „Univers", welches begreiflich gegen „Germania" und andere deutsche Collegen im Judenhetzen nicht zurückstehen kann, läßt sich auch «US Deutschland dahin Gehöriges schreiben. So wird in einer Correspondenz aus München über die grenzlose Frechheit der Juden geklagt. Und was haben sie gethan? Sie haben sich am Starnberger See schöne Villen gebaut oder gekauft, allwo doch von Rechtswegen nur Christen ihre Sommerfrische genießen sollten. „Jetzt hat sich ein Jude aus Stuttgart, der Commerzienrath von Hallberger, ein Buchhändler, welcher sich an der Herausgabe der elenden Literatur des Ritters Hackländers bereichert hat, ein Grundstück bei Tutzing gekauft, welches 2 Millionen Gulden foftet. Die liebenswürdige, aber lächerliche Judencolonie in der Umgegend fühlt ihre Wichtigkeit durch diese fürstliche Besitzerwerbung erhöht und wirft mitleidige Blicke auf das Schlößchen Berg, welches der König von Bayern als Sommerwohnung nicht verschmäht." — Halberger, Inhaber einer alten Firma. ist sowenig Jude oder jüdischer Abkunft wie Hackländer. Aber was kümmert das den „Univers", wenn es ihm paßt, gegen Juden zu hetzen? — Unter dem Titel „eine Revolution in Israel" und in einem diesen sensationellen Titel entsprechenden Umfang und Tone berichtet der „Gaulois" vom 4. Oct.,' daß eine Anzahl französischer, sehr vornehmer, eleganter und einflußreicher isr. Damen eine Revolution im Cultus plane. Sie haben dem Nabbinat ein Promemoria überreicht, worin sie verlangen, daß die Tempel, welche blos zum Morgen - und Abendgebet offen sind, den katholischen Kirchen gleich, den ganzen Tag offen stehen sollen, damit man nach Belieben in denselben sein Gebet privatim verrichten könne; zweitens , daß ihnen gestattet werde am Sabbat ic* zum Tempel zu fahren. — Den beiden französischen jüdischen Blättern zufolge ist in der Nachricht nichts wahres, nur das vielleicht, daß eine Dame ähnliche Wünsche ausgesprochen haben möchte und zwar in einer Unterhaltung mit — dem Verfasser jenes Sensationsartikels, dem Mor. de Yil- Iers selbst. Feuilleton* Wlder ans dem alten Prager Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Vers, des „Gabriel". (Fortsetzung.) „Er wird meinen, Du hast's mit Absicht gethan, daß du einen andern vorgeschlagen hast, Du hast ihn ärgern wollen," versuchte Bele zu begütigen. „Meint er, ich bin ein böser Mensch?" fuhr Budweiser auf ... . „nicht mit einem Gedanken habe ich daran gedacht.Wenn er wirklich so e große Freud' davon hat, und mit aller Gewalt etwas werden will, so köunt' man ihn ja heute bei unserer Schiur Chewre zum Gabbe machen." Budweiser wurde nachdenklich, plötzlich überflog ein Zug froher Befriedigung sein gutmüthiges Gesicht: „Gut," sagte er, „Jakow Schneider soll mich kennen lernen, er soll sehen, daß ich kein nokem wenoter^) bin. Bei der heutigen Hoasife, schlag ich ihn zum Gabbe vor, keinen andern! — ich will auch gleich hinaufgehen!" Aber als Budweiser seine dicke silberne Uhr aus der Westentasche zog, erschrack er, — es war halb fünf, er hatte sich schrecklich verplaudert! — Die Versammlung war auf 3 Uhr bestimmt .... jetzt mußte sie längst beendet sein, die Gelegenheit den Versöhnlichen zu zeigen war vorüber! — Budweiser tröstete sich rasch, er zog seiner Gewohnheit gemäß, die mächtigen Schultern in die Höhe und sagte: „Was liegtim Grunde daran? .... es wird ohne mich auch gegangen sein .... nix AergereS soll mir mein Lebtag zukommen!" In dem Momente schien es Bele, als ob sie 1) Rache- und Vergeltungssiichtiger.