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Der Israelit · 1875-11-24 · Heft 47 (24.11.1875) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 47 (24.11.1875)
Date
1875-11-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1047 schwere Männertritte auf der knarrenden Stiege hörte und einige Augenblicke später, wurde die Thüre weit aufgerissen, und drei sabbatlich gekleidete Männer traten, die Mesusse2) küssend, mit den Worten: Gut' Schabbos und gut Jahr, welchem die Rufe: Gott's will komm' und Bruchim haboim3 4 5 6) entgegenschalten, in die Stube. „Setzt enk^) Rabbosai3)!" sprach Budweiser höflich und die drei Männer — die wir nur kurz vorstellen wollen: Reb Wolf Zodex, der Garkoch, Reb Aron Lichtenzweig, der Scholetsetzer^) und Gerschom Danziger, der Träger — setzten sich mit vielem Geräusche und unter vielem Stuhlrücken nieder, dann trat eine kleine feierliche Stille ein. Bele überkam eine Ahnung, was die Deputation — eine solche war es ja augenscheinlich — beabsichtige , aber sie üb:rließ es selbstredend dem Haupte des Hauses, diese nach ihrem Begehren zu fragen. Nachdem die Männer das Gespräch nicht eröffneten, sagte Budweiser nach einer kurzen Pause: „Was verschafft mir die Kowed7)?" Die beiden jünger» Abgeordneten wandten sich an Reb Wolf, stießen ihn höflich mit dem Ellbogen in die Seite und sagten bescheiden: „Red't Ihr Reb Wolf, Ihr seid leariches Jomim 8) der älteste." „Mir kommen, Euch zu sagen," ergriff dieser feierlich das Wort, „daß Euch unsere Schiur Chewre bei der heutigen Hoasive statt Reb Dovid Kulmer olef hascholom (Ihr sollt hundert Jahr leben!) zum Gabbe gewählt hat ... . Masel tow9)! Es soll Euch leariches Jomim weschonim fetn10)." Eine unerwartete und ungesuchte Anerkennung erfreut jedes Menschenherz. Das ist so, war so, und wird wohl so bleiben, so lange es Menscheu geben wird auf Erden. Ein Gefühl wie es etwa Cincinatus beschlich, als man ihm vom Pfluge weg zur Dictatur berief — allerdings in sehr verkleinertem Maßstabe beschlich Budweiser und er sprach ganz bescheiden: 2) mit Bibelsprüchen beschriebene Pergamentrolle, welche an der Thüchfoste angeschlagen ist. 3) Gesegnet, die da kommen. 4) Euch. 5) etwa dem Sinne nach soviel als: meine Herren. 6) Besitzer eines Osens, zu welchem die Leute gegen eine kleine Entschädigung das Scholet (ein eigenthümliches Gerücht) zum Kochen und Warmhalten, namentlich von Freitag auf Samstag, brachten.. 7) die Ehre. 8) Eure Lebenstage mögen verlängert werden! 9) Gut Glück! 10) zur Lebensverlängerung gereichen. „Kinderlebcn “)! Ijatt et'312) enk nit e bessern antzklauben können? .... ich Hab ja nit einmal e Chower!" „Wir brauchen und wollen ka bessern," erwiderte Reb Wolf mit einem Ausdruck, der diese völlig unhofmännischen Worte entschieden zu einem Komplimente stempelte, und Reb Aron fügte mit einem listigen Augenzwinkern und behaglichem Lächeln unternehmend hinzu: „un 13) wegen dem Chower .... zu der Hack wird sich ach") e Stiel finden, .... wenn Ihr ka Chower kriegen sollt .... dann . . . Was dann erfolgen sollte, ließ Reb Aron allerdings vollkommen unerörtert, aber wenn man sein plötzlich ernst werdendes Gesicht und die finster zusammengezogenen Augenbrauen betrachtete, so konnte kein Zweifel obwalten, daß das nur etwas sehr Fürchterliches und Schreckliches sein müßte! Gerschom Danziger, das dritte Mitglied der Deputation, der bisher geschwiegen, fühlte jetzt auch das Bedürfniß, in die Verhandlung einzugreifen und er sagte ziemlich schüchtern; — den für Budweiser erhofften Chower, im Vornherein escomptrrend: „Reb Mosche, Ihr mußtlö) das Gabboes 16) annehmen, .... alle Bne hachewre17) haben Euch aufgegeben 18). „Allefrug Budweiser, angenehm überrascht. „Law dafke19) — Alle bis auf einen einzigen," entgegnete Reb Aron. „Wer war das?" „Jakow Schneider," beeilte sich Gerschom Danziger dienstfertig zu sagen; „bereute aber sofort sein vorschnelles Wort, erschrack und ward bluthroth." „Schtt!^ rief Reb Wolf würdevoll „Lo selech rochil beamecho2"). „Der Untam!" stieß Budweiser unwillkürlich, nur seiner Frau und Tochter verständlich, zwischen den Lippen hervor. (Forts, folgt.) 11) Ein Ausdruck, der im Prager Ghetto etwa für „liebe Leute" gebraucht wurde. 12) Ihr- 13) und. 14) auch. 15) müßt. 16) die Vorsteherstelle. 17) BereinSmitglieder. 18) Ein eigenthümlicher, durch den Wahlmodus bei der Beerdigungsbrüderschast im Prager Ghetto eingebürgerter Ausdruck für wählen 19) nicht buchstäblich 20) Du sollst kein Zwischenträger (Anbringer) fein in Deinem Volke!

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