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Der Israelit · 1875-11-24 · Heft 47 (24.11.1875) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 47 (24.11.1875)
Date
1875-11-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1044 Menschen, von zwei Paaren, die sich — das müßt Ihr wohl gestehen, in wunderbarster Weise gefunden haben.Muß man in diesem Falle fest an dem Buchstaben deS rabbinischen Gesetzes halten? - läßt sich da gar nichts ändern — ich frage Euch nur Eins! ist die Abstammung Alfreds vom Stamm der Cohanim mit apodiktischer Gewißheit erwiesen? bestimmt nicht! — Es war ja eine offenbare Fügung Gottes, die es uns möglich Machte, das Unrecht, das an Eleonore Borberg, an ihre» Kindern — vielleicht ist auch Alfred Cohen schweres Unrecht verübt worden — gleichzeitig auch an Alfred wieder gut zu machen. Die Kinder Eleonorens wären als Töchter in unser Haus gekommen! Ich wollte, da ich zunächst das Lebensglück meiner beiden Neffen und dieser beiden liebenswürdigen, bewunderungswerthen Frauen ins Auge fasse, gar nicht von den unendlichen Schwierigkeiten sprechen, die die Auflösung dieser Bande für unser Geschäftshaus mit sich führt. Susanne und Clara sind Erbinnen unseres Vaters, nach der testamentarischen Bestimmung, fällt ihnen ein Fünftel deS elterlichen Vermögens, also ungefähr eine Million zu ... . Susanne ist überdies gesetzlich, theilweise Erbin nach dem verstorbenen Gustav ... wenn sich die beiden Paare heirathen, so bietet das Arrangement gar keine Schwierigkeiten. Heinrich ist und bleibt Compagnon des Stammhauses, und Alfred kann entweder gleichfalls mit seinem ganzen Geschäfte als Gesellschafter bei uns eintreten .... oder .... ah! das hätte wahrhaftig keine Difficultäten gemacht.... aber so! ... . ich weiß nicht wie die Sache enden soll! .... Ich bewundere die Resignation, mit der sich die beiden jungen Männer in ihr — ich muß es unumwunden aussprechen, — hartes, unverdientes Schicksal fügen — ich — wäre ich an ihrer Stelle — ich spreche es offen aus — ich ließe mich durch dieses Bedenken, durch rabbinische Bestimmungen, die ganz gewiß nicht für diese oder ähnliche Falle gelten sollten, nicht abhalten, in der That nicht! .... „Mach Dich nicht schlechter als Du bist/' unterbrach ihn Robert, mit einem matten Lächeln „mich schmerzt dies . . . furchtbare Unglück muß ich's nennen; — ich kann nichts anderes als die Wahrheit sprechen; — so wie Dich, es beugt mich nieder, tief, so tief .... daß ich lieber ins Grab gesunken wäre, als das zu erleben.aber. Bruder Carl, die Enkel JonaL Ebers, die gläubigen, pflichttreuen Juden, die Enkel jenes Mannes. der sich sterbend, noch von seinen Kindern geloben ließ, daß sie alle Pflichten ihrer angestammten, altererbten Religion, sowohl jene der schriftlichen als jene der mündlichen Ueberlieferung. die biblischen sowohl als die rabbinischen, fest und treu halten werden, — diese Männer dürfen, können und werden nicht anders handeln. Zwei Jahrtausende fast lebt unser Glaube in dieser Form .... und nur diese Form konnte den Geist, konnte den Inhalt reiten. In sturmbewegten Zeiten, in Jahrhunderten blutiger Verfolgungen, in Jahrhunderten namenlosen Druckes, hatten unsere Ahnen, zu schwerem Leid von Außen, selbstauferlegte Beschränkungen, starken Herzens ertragen; sollen wir jetzt in den Zeiten hellen Lichtes, an dem Gebäude zu rütteln beginnen? — Reiß' Du nur einen Stein heraus aus dem alten Riesenbau — so ist das, der erste Beginn der Zerstörung .... wenn jeder nur den Stein loslöst, der ihm mißfällt — der ihn behindert.so stürzt in kurzer Zeit der ganze Bau, dröhnend, zusammen. Mein Bruder Carl .... das darf nicht geschehen. Ich habe heute mit unfern beiden Neffen gesprochen. Ach, sie sind so edel, so charaktervoll. Ein Ein Leben, ein volles Leben lang, in dem Verhältnisse, das das schönste, das edelste im Menschthume sein sollte .... in der Ehe ein fortwährendes, fortdauerndes Vergehen gegen die religiösen Bestimmungen und seien es rabbinische Bestimmungen zu begehen — eine Ehe zu schließen unter Umständen, die ihre Väter, ihr Großvater, entschieden gemißbilligt hätte, — das kann Alfred Cohen, das kann Heinrich Eberstein nicht thun. . . Ein Klopfen an der Thüre unterbrach das Gespräch, auf Frankes „Herein" trat Susanne in das Zimmer. „Ah! mein theures Kind," rief Franke! Susanne setzte sich nieder und die beiden Eberstein, welche es fühlten, daß sie mit ihrem Großonkel Wichtiges zu sprechen habe, verabschiedeten sich, nachdem einige gewöhnliche, gesellschaftliche Redensarten gewechselt worden waren. (Forts, folgt.) Hierzu drei Beilage«. Verantwortliche Redaetion: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger.)

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