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Der Israelit · 1875-11-24 · Heft 47 (24.11.1875) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 47 (24.11.1875)
Date
1875-11-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1043 Amerika. Boston. „Hazofeh" berichtet, daß oft in den größten Gemeinden Amerika'- kein po zufammengebracht werden kann. Man ist daher häufig genöthigt, jenen Leuten, welche zu „po" gehen, für den jedesmaligen Besuch der Synagoge eine gewisse Taxe zu zahlen. Merkwürdig ist es, daß selbst Leute, die Tausende von Dollars besitzen, sich nicht schämen, dieses „Minjangeld" anzunehmen. In der Gemeinde Boston ging jüngst der Vorsänger an den Betplatz und wollte das NiZ-Gebet anfangen, aber es waren nicht mehr als 9 Leute da. Der Gemeindediener stellte sich auf die Straße, um Jemanden aufzufinden, der für 7* Stunde in der Synagoge verbleiben wollte. Doch eS gelang ihm dies nicht. Nun verließ der Vorbeter den Betplatz, um endlich einen Minjanmann aufzutreiben. Und siehe, dieser war glücklicher als der Gemeindediener. ,Kommen Sie doch y4 Stunde zu pv", redete er den Vorübergehenden bittend an, .,Sie thun hierdurch eine große msödoch der Mann schaute dem Vorbeter lachend ins Gesicht und sagte: „Glauben Sie denn, ich sei ein Fremder, daß Sie mich betrügen wollen? Ich bin ein Hiesiger und kenne die Ordnung. Ich gehe zu po nur gegen baare Bezahlung." Und man mußte ihn sofort bezahlen! Feuilleton. Haus (Ebers. Erzählung von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel". (Fortsetzung.) » Achtes Kapitel. Einige Tage später waren die beiden Ebersteins in Frankes Wohnung bei diesem zu Besuche. — Er saß in einem Lehnstuhl. Die wenigen Tage hatten den Greis um ein Jahrzehnt gealtert. Sein mildes, sonst leicht geröthetes Gesicht war bleich und eingefallen. Seine schönen braunen Augen waren tief eingesunken und von violetten Ringen umzogen . . er war ungewöhnlich nervös und aufgeregt. „Ich hatte" sprach Franke unmuthig „nicht erwartet, daß ich am Ende noch so Bitteres erfahren werde.sich so wunderbar zu finden .... um sich für ewig zu verlieren.das bricht mir das Herz. zerreißt meine Seele! . . . ." „Ich will Dir'S offen gestehen" unterbrach ihn Carl Eberstein, „ich habe heute reiflich darüber nachgedacht; bin mit mir darüber reiflich zu Rathe gegangen.Sage was Du willst; vier edle Menschen unglücklich zu machen um einer rein menschlichen Satzung, um eines nur rabbinischen, talmudifchen Gebotes willen .... das scheint mir doch entschieden zu weit gegangen! — Ich bin kein Talmudgelehrter; aber ich habe mich auch lange mit diesem Studium beschäftigt .... also fassen wir den Gegenstand fest ins Auge: Susanne ist Gustav Ebers Wittwe. die Ehe war kinderlos; bevor sie zu einer zweiten Ehe schreitet, muß dir Ceremonie derChaliza*) vorgenommen werden. Nach biblischen Gesetzen ist es einem Aroniden, einem Abkömmling des Priesterstammes verboten eine Geruscho, eine von ihrem Gatten durch einen Scheidebrief getrennte Frau zu ehelichen. — Die Rabbinen haben das Gesetz dieses Verbotes erweitert und aus Gründen, die zu jener Zeit gewiß vollkommen grechtfertigt waren, den Aroniden oder Cohanim verboten , auch eine Chaluza — die Wittwe eines Kinderlosen, die von ihrem Schwager, durch die erwähnte Ceremonie, ihrer Pflicht, ihn zu ehelichen, losgelöst wurde, zu heirathen. — Also eine Ehe zwischen Alfred Cohen, — der dem Stamm der Aroniden angehört — und Susanne, wäre, so lange Heinrich von Eberstein lebt, unmöglich. Betrachten wir die zweite Complication. Die Thora lehrt: Ein Mann darf bei Lebzeiten seiner Frau nicht deren Schwester ehelichen. — Die SRabbinex erweiterten auch dieses Gesetz dahin, daß er auch nicht die Schwester der Wittwe eines kinderlosen Bruders heirathen dürfe. Nun ist Susanne die Wittwe eines kinderlosen BrudersHeinrichs, und Heinrich darf deren Schwester Clara nicht heirathen, so lange Susanne lebt . . . . und diese zwei rein rabbinische Gesetze zerstören erbarmungslos das Lebensglück von vier edlen *) Ein biblisches Gesetz bestimmt, daß die Wittwe eines Kinderlosen dem Bruder des verstorbenen Gatten als Ehesrau zufällt, oder daß er sie durch die Ceremonie der „Chaliza" von der Schwagerehe entbindet. Später wurde aus Nothwendigkeitsrücksichten sestbcstimmt, daß eine solche ^chwagerehe nicht stattfinden dürfe und daß jeder die o^attiu seines kinderlosen Bruders, bevor diese eine neue Ehe cingcht, von der Schwagerehe, durch die Chaliza befreie.

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