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Der Israelit · 1875-11-24 · Heft 47 (24.11.1875) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 47 (24.11.1875)
Date
1875-11-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nacht beendet wurde und somit Thür und Thor geöffnet war zu Eon"r ^n. Freilich hat die isr. Gemeinde in Hch. in socialer Beziehung manchen Fortschritt gemacht. So hat sie es durchgesetzt, eine Piece des allgemeinen Friedhofes für sich zu erhalten. Allein, leine Mauer, kein Zaum scheidet zwischen jüdischen und christlichen Gräbern, und in einer Reihe von Jahren können die jüdischen Gräber von Symbolen nichtjüdischer Religionsgebräuche umgeben sein und den Besuchern der jüd. Gräber das Beten auf den Gräbern ihrer Angehörigen unmöglich machen. Bis jetzt birgt dieser jüdische Friedhof nur erst einige Kinder. Denn bei einigen erwachsenen Personen kam es vor, daß sie ausdrücklich testirten nicht in Schweinfurt zur Erde bestattet sein zu wollen. So geschah dies namentlich von Seiten eines auch in diesen Blättern unter den jüdischen Wohlthätern oft genannten Mannes, Namens David Ehrlich. Derselbe, durch To? desfälle in seiner Familie allein stehend, zog von Lohrhaupten hinweg zu seinen Kindern nach Sch., woselbst er aber schon nach einigen Monaten verstarb. Dieser biedere Mann, zü feiner Ehre sei's gesagt, hat die Orgelsynagoge nicht betreten und stets lieber sein Gebet nrvrva verrichtet. Darum aber hatte seine irdischeHülle beim Verbringen in einen auswärtigen Friedhof, sich nicht der Ehre einer großen Begleitung zu erfreuen!*) Ja, solch' ein wahrhaft frommer Jehudi hätte in Sch. noch viel des Guten stiften können, und namentlich hätte derselbe sicherlich seinen Vorsatz, sich ein Privat- Minjan, wo nach und mo gebetet worden wäre, noch zur Ausführung gebracht, wenn der himmlische Wille ihn nicht so rasch abberufen hätte. — Möchten doch die übrigen conservativen Elemente in dieser und anderer Beziehung erstarken, damit es auch dem wahren Jehudi möglich werde seinen Wohnsitz nach der handelsreichen und wahrhaft liberalen Stadt Schweinfurt zu verlegen. — Weiteres über manche religiöse Institutionen Schweinfurts für einen späteren Artikel vorbehaltend , sei für heute nur noch eines interessanten Processes erwähnt, der nächstens vor sich gehen soll: Der Metzger einer benachbarten, nicht zum Schweinfurter Rabbinate gehörenden Gemeinde nahm zur Befriedigung seiner Kunden Fleisch in Schweinfurt. Als dies zur Kenntniß des betreffenden Rabbiners kam, that derselbe Schritte, *) Ob die mir gewordene Mittheilung, wonach eine gewisse Persönlichkeit in Schweinfurt bei dem Tode Ehrlich's geäußert haben soll; „Hat doch sterben müssen, wenn er die Orgelsynagoge auch nicht besucht hat." wahr oder nicht, soll hier nicht untersucht werden. welcher der Ehre des Schweinfurter an?» so nahe gingen, daß er mit einer Klage auf Ehrenkränkung drohte. Sollte derselbe zur Verherrlichung seiner eigenen Ehre sich nicht noch eines Besseren besonnen haben, so dürfte man sich jedenfalls auf eine cause celebre gefaßt machen. Osnabrütk. Es ist allbekannt, daß der iSr. Lehrer in manchen Dorfgemeinden eine unwürdige, oft bis in'S Lächerliche kleinliche Behandlung findet. Ein solches Factum, das seiner Seltenheit wegen an die Oeffentlichkeit gezogen zu werden verdient, will ich Ihnen kurz Berichten. Der isr. Lehrer zu Langen (?) hatte in seiner Amtswohnung keinen Ofen; alle Bemühungen, die Gemeinde zur Stellung eines solchen zu veranlassen, blieben fruchtlos. Der Lehrer war wegen dieser Kleinigkeit gezwungen, um zu seinem Rechte zu gelangen, sich in einer Beschwerde an das Land- Rabbinat Emden und die Königl. Landdrostei Osnabrück zu wenden. Kurze Zeit darauf ward auf Veranlassung der Behörde der Ofen gesetzt. Stratzburg. Im Landeshanshalt für Elsaß- Lothringen sind als fortdauernde Ausgaben für den israel. Cultus 13.^,880 Mark angesetzt. Oester r. - Ungar. Monarchie. Pefth In St. Peter hat ein Jude, Namens Moses Jzik. in der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober in seiner Sukoh geschlafen. Gegen Mitternacht kamen zwei Bauernjungen und zündeten die trockene Sukoh an, worauf sie sich flüchteten. In einem Augenblicke war die Sukoh in Flammen und der darin befindliche Jude verbrannte. Der verbrannte Jude hinterläßt eine Wittwe mit 3 unerzogenen Kindern. Die Bauernjungen wurden bereits' ausfindig gemacht und verhaftet. So meldet die hiesige „Ungarische Zeitung." Wir glauben, daß das ganze Glück bei dieser Geschichte ist, daß sie von Anfang bis zu Ende erlogen; denn erstens hatten wir bei diesen regnerischen Tagen keine trockenen sukohS und zweitens bezeichnet der Herr Zeitungsschreiber nicht, in welchem St. Peter dieses Ereigniß vorgekommen sein soll. In Ungarn existiren 27 Ortschaften, welche St. Peter heißen. (Auch die „Frankfurter Zeitung" brachte am jüngsten Laubhüttenfeste die falsche Nachricht, daß in Frankfurt a. M. ein Jude in einer Sukoh vrbrannt sei. Wer sich nur solche Lügen ausdenkt. Red.) (Pefth. j. Zeit.)

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