Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1875)
- Date
- 1875-11-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1038 werden? Sie werden aufwachsen ohne Religion, ohne Sitte, ohne moralischen Halt. Man wird zwar entgegnen, daß es den Kindern, die den Ehen bei unfern modernen Glaubensgenossen oder vielmehr StammeSgenossen entstammen, auch nicht anders ergeht, daß Kinder, die einem Mischen Ehepaare entsprießen, das Gottes Gebote nicht halt, ebenfalls nichts von der Religion der Väter erfahren und im Leben weder Halt noch Stütze haben werden; allein es ist doch ein wesentlicher Unterschied. Der moderne Jude kann in jedem Augenblicke zum Glauben und zum Gesetze der Väter zurückkehren, seine Kinder können Juden im wahrsten Sinne des Wortes werden, können Männer und Frauen werden, die dem Judenthume zur Ehre uud zum Ruhme gereichen; nicht also kann es so leicht bei einer Mischehe geschehen. Wir haben Männer gekannt, die die Verirrungen ihrer Jugend tief und schmerzlich bereuten — aber die nichtjüdische Frau und die mit ihr erzeugten Kinder hingen gleichsam wie Bleigewichte an ihren Füßen und machten die Rückkehr unmöglich. Und erst das unglückliche. Mische Mädchen, das sich einem Nichtjuden vermählt — sein ganzes Leben wird nichts sein als eine Reihe von Kränkungen und schmerzvoller Duldung; und wenn sie sich auch taufen ließe (liegt doch dieser Schritt dem vorausgegangenen so nahe), für ihren Mann und dessen Familie bliebe sie immer die „Jüdin" und bei der geringsten Disharmonie muß das „Judenweib" den Vorwurf seiner jüdischen Abkunft ertragen; selbst die eigenen Kinder werden, wie zahlreiche Beispiele es erweisen, der Mutter es nicht verzeihen, daß sie eine Jüdin gewesen, und es ihr immer zum Vorwurfe machen. Daß bei solchen Mischehen das Judenthum seine Angehörigen verliert, das Christenthum aber nichts gewinnt, liegt auf der Hand; es wird darin ein Geschlecht erzeugt, daS völlig religionslos ist und zu der heutzutage schon so großen Verwilderung des Vo kes nicht wenig beiträgt. Die Statistik weist nach, daß die Zahl der groben Verbrechen in erschreckender Weise sich mehrt. Ja, man braucht nur die Localnachrichten aus großen Städten in den Zeitungen zu lesen und man wird darin eine grelle Beleuchtung unserer Civilisation finden; Mord, Todtschlag, Unzucht sind an der Tagesordnung. Und wir Juden, die wir den Beruf haben, Träger des göttlichen Namens zu sein to iihd-dji pxn "n, der ganzen Welt zum Segen zu gereichen — auch die Söhne und Töchter unseres Volkes lassen sich vielfach von der herrschenden Zeitströmung fortreißen. Darum Ihr, denen es Ernst ist um die Zukunft Israels, gebet Acht, gebet gedoppet Acht auf die Erziehung' der Kinder. Lasset sie * nicht Auswachsen, ohne daß sie die hohen Wahrheiten des Jhrdenthums erkennen, ohne daß sie an die Erfüllung unsrer heiligen Religionsgesetze gewöhnt Werders Ihr sorget für Euch selbst, für ein glückliches und frohes Alter, wenn Ihr Eure Kinder gut, wenn Ihr sie jüdisch erzieht; Euch selbst ersparet Ihr Gram und Kummer und Herzleid und unzählige Thränen, wenn Ihr dafür Sorge traget, daß Eure Kinder bewahren und erhalten Dasjenige, für das unsere Väter einst freudig und gern ihr Leben Hingaben, die Scheiterhaufen bestiegen oder das nasse Grab in de» Fluthen der Ströme suchten. Wir brauchen nicht mehr zu sterben für unsere heilige Religion; so laßt uns denn dafür leben und für sie unsere Kinder erziehen. U'8' "piw u”n x'.-i o! Zeltuttgsnachrichterr & Corresporrdenzeit. Deutschland. Würzbrrrg. (Offener Brief an den Herrn Oberkirchenrath Dr. Wassermann, Rabbiner zu Stuttgart.) In der ersten Beilage zu Nr. 43 des „Israelit" wird über eine von Ihnen am ersten Tage noD gehaltene Predigt referirt, die peinliches Aufsehen und Entrüstung hervorgerufen habe. Sie sollen sich geäußert haben: „Von Allen, die hier versammelt sind, hat wohl nicht einer eine .->2D" und sollen etwaige Gewissensbisse Ihrer Zuhörer über totale Sukohlostgkeit dadurch zu beschwichtigen gesucht haben, daß in unserer Zeit das Darandenken an den Grund, Zweck und die Bedeutung der roia und des ,-isiv-Festes vollkommen genüge. Noch schlimmer als die denkbare 11210 sei der arme Feststrauß o\rn weggekommen, indem Sie sich etwa folgendermaßen ausließen: „Es gibt noch Manche, die sich mit großen Kosten einen solchen Festftrauß verschaffen, in der Meinung hiedurch ein löbliches Werk zu vollbringen", und Sie sollen behauptet haben, daß durch solches Gebahren, d. h. durch das Nehmen und Tragen eines solchen Feststraußes eher dazu beigetragen werde, das Judenthum und die jüdische Religion zur Carrikatur herabzuwürdigen, ja in den Koth zu ziehen, lächerlich und gemein zu machen. Es wird Ihnen, Herr Doktor, wohl bekannt sein, daß ich Ihren Vorgänger in einem Artikel, „Stuttgart und Jerusalem" angegriffen habe wegen