Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1875)
- Date
- 1875-11-17
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447603-2447638--11974-2467780- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Mohel 1× ep/1006163
OCR text
1031 in dieser langen Zeit diesen Ihren Beruf als mit der ankopfernng-vollsten Hingebung und in der uneigennützigsten Weise erfüllt und stehen heute an Ihrem hohen Ehrentage in jugendlicher Frische mit ungebrochener Kraft da, um noch lange, lauge Jahre, so Gott will, als würdiger Altmeister und als nachahmungSwürdigeS Borbild für die vielen Jünger, die Sie herangebildet, zu wirken. Es gibt wohl kaum eine jüdische Familie hier, in welcher Sie nicht mindestenein Mitglied in den Bund de- Judenthums eingeführt und nicht nur hier allein, sondern weit, weit über unsere Stadt hinaus waren Sie thätig in der Ausübung der heil. Pflicht, der Sie sich geweiht. Verehrter Jubilar! diese Thatsache würde genügen, um Ihnen den redlich verdienten Lorbeerkranz der höchsten Anerkennung und Verehrung zu reichen und Ihren Jubeltag von all' Ihren jüd. Mitbrüdern mit Freude und inniger Theilnahme begrüßen zu lassen. Doch Sie begnügten sich nicht, Ihr Wirken diesem herrlichen Berufe allein hinzugeben, sondern Sie leuchteten stets als Vorbild voran, wo es galt, die reinste, edelste Menschenliebe zu üben. In hingebendster Weise, unbekümmert um die eigene Gesundheit, übten und üben Sie die reinste und edelste Menschlichkeit, wo das Wesen, an dem sie vollbracht, Ihnen weder Dank noch Anerkennung mehr zollen könnte. Um nun heute, an dem Tage, an welchem 50 Jahre verflossen sind, seit dem Sie, hochverehrter Jubilar, Ihr ganzes Streben den 3 Weltsäulen riinp mm onon n’-'iDJi geweiht, den Gefühlen des Dankes, der Anerkennung, der Liebe und der Verehrung für Sie einen wenn auch nur schwachen Ansdruck zu geben, hat sich ein Kreis Ihrer Verehrer veranlaßt gefühlt, Ihnen neben dieser, gewiß von der Gesammtheit aller jüd. Mitbrüder mitemvfundenen Dankbarkeit, auch ein Zeichen der Aufmerksamkeit, bestehend in einem Ehrengeschenke, zur immerwährenden Erinnerung an diesen weihevollen Tag darzubringen. Möge es Ihnen vom Allmächtigen vergönnt sein, noch lange, lange Jahre im Vollbesitze aller irdischen Güter mit ungeschwächter Kraft auch ferner die Werke zu üben, für die der Mensch dem Menschen wohl Dank und Anerkennung zollen kann, für die den vollen ungeschmälerten Lohn zu geben nur Gott allein die Macht hat. Möge sich an Ihnen erfüllen die Verheißung unseres dieSwöchentlichen Prophetenwortes: Ml rarp Dn«eo3 -o« iby* ro 'n ’ipi .1SJ/” Mi Mit diesem Wunsche verharren in hochachtungsvoller Anerkennung Ihre Freunde und Verehrer." Mögen die dem Jubilar in so reichem Maße gebrachten Wünsche alle in Erfüllung gehen und der von ihm gestreute Samen (ein Sohn und zwei Schwiegersöhne, die bereits praktische o^mo sind, zählen auch zu dessen Schülern) reichlich Früchte tragen und möge auch in andern jüd. Gemeinden der Jubilar als leuchtendes Vorbild Nachahmung finden, damit diese die heilige Handlung der.id'v überall solchen Männern übertragen, die alle Gebote unserer heiligen Thora Hochhalten. (Nachbemerkung der Redaktion: Indem auch wir dem hochverehrten Jubilar unsere besten Glückwünsche hiemit öffentlich aussprechen, haben wir noch auf ein besonders wichtiges Moment aufmerksam zu machen, das der großartigen Feier des in Rede stehenden Jubiläumein eigenthümlicheS Relief verleiht. Vielen geehrten Lesern wird eS neu sein, daß in Frankfurt a. M. vor circa 33 Jahren ein Anti - BeschneidungS- Verein begründet wurde, dessen Mitglieder sich nicht allein verpflichteten, die Beschneidung bei ihren Kindern zu unterlassen, sondern auch mit aller Energie bei Andern derselben entgegenzutreten. So groß war die Agitation, daß der damalige Rabbiner zu Fr., Rabbi Salomon Trier y'sri, sich veranlaßt fühlte, von den meisten Rabbinen Deutschlands Gutachten über die Nothwendigkeit der Beschneidung einzüfordern! Damals dachten wohl die Entrepreneure jenes Vereins, daß nach dreißig Jahren keine Beschneidung mehr existiren würde — und heute, nach 33 Jahren, feiert da§ ganze isr. Frankfurt, alt und neu, das Jubiläum eines Mohel! Das ist ein Triumpa der guten Sache, den besonders hervorzuheben wir uns verpflichtet fühlen.) Oesterr.-Ungarische Monarchie. Lemberg. Die hiesige Bevölkerung ist in Folge Ablebens des wegen Betrugs beinzichtigen Mendel Frenkel in hohem Grade aufgeregt. „Justizmord" rufen die Einen, „mittelalterliche Procedur," behaupten die Anderen, „führten diesen schrecklichen Abschluß des Processes herbei. Der Sachverhalt ist folgender: Im Monat Februar l. I. wurde ein gewisser Mendel Frenkel aus Lubaczow wegen angeblich begangenen Betruges bei dem hiesigen Strafgerichte verhaftet, nachdem einige Zeit früher die „Gazeta Narodowa" förmliche Brandartikel voller Angriffe gegen den Mann vom Stapel gelassen. Die Haft wurde auf die denkbar strengste Art in Vollzug gesetzt, als ob es sich um einen der gefährlichsten Verbrecher handeln möchte. Nur über unzählige Bitten und Beschwerden der Verwandten wurde nach mehrwöchentlicher Hast gestattet, demselben rituell zubereitete Speisen zu bringen. Bis dieses geschah, war der Mann, der wegen seiner Strenggläubigkeit die Gefüvgnißkost nicht genießen konnte, auf tr« cknes Brod und Wasser