Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1875)
- Date
- 1875-11-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1020 widerte Robert Eberstein, „ich wollte Ihnen nur sagen, daß Sie und Ihre Schwester diese» HauS, in des Wortes wahrster Bedeutung, als Ihr eigeues betrachte» können, weil nach dem Testamente unseres Vater» siobrono liwrocho#) Eleonore Vorberg, oder deren Erben, einen KindeStheil aus seinem Vermögen zu erhalten haben, weil Eleonore Vorberg mit seinen Kindern zu gleichen Theilen zu erben hatte." „Allmächtiger Gott, Du bist unendlich groß!" ries Franke, die Hände faltend, und seinen Blick nach oben wendend .... Alfred, der so Gott will, der Gatte meiner Susanne werden wird, tritt in den Besitz jenes Vermögens, um das fein Vater — ich bin jetzt davon inniger überzeugt als je, mit Unrecht verkürzt wurde .... Deine Fügungen sind wunderbar unerforschlich!" «Gottes Fügungen find wunderbar, unerforschlich!" wiederholte Susanne, tief Athem hohlend, .... und da wir schon Alle so aufgeregt sind, daß eine Steigerung wohl nicht mehr möglich ist, so will ich eL Ihnen auch sofort bei meinem Eintritte in dieses Haus mittheilen . . . * . ich bin Ihnen, Sie sind mir nicht fremd ... der Mann," ihre Stimme bebte, und ihr dunkles Auge blickte stnster .... „der Man«, dem ich in Breslau getraut wurde, dessen Name ich trage und, der sich Gustav Beer nannte, war .... Gustav Ebers, der Sohn Ihres Bruders;" sie wandten sich andre beiden älteren Eberstein — „Joses; .... Ihr Zwillingsbruder, Herr Heinrich von Eberstein .... ich bin seit sechs Wochen Wittwe, seine irdische Hülle liegt in Hamburg begraben!" Ein solches Zusammentreffen, so ungewöhnlicher eigenthümlicher Umstände; eine so offenbare Fügung Gottes, mußte auch das ungläubigste Gemüth, in seinen Grundvesten erschüttern. „Mir scywindelt; mir fcheints ein Traum," rief Carl Ederstein, sich erregt den Schweiß von der Stirne wischend .... „traumeich nicht? . . . wache ich? das ist eine Verwickelung, wie sie in der That die üppigste Fantasie des begabtesten, originellsten Dichters nicht complicirter, nicht unglaublicher erfinden konnte!" In der leichtbegreiflichen, vollkommen berechtigten Aufregung hatte es Niemand bemerkt, daß Löwenstamm und seine Tochter noch immer in der Mitte des Zimmers standen, daß man ihnen keinen Sitz angeboten hatte. *) Gesegneten Andenkens. „Aber so setzt Euch doch, meine theure Lieben," rief Franke, der rasch die kindliche Gemüthlichkeit seines Wesens wiedergefunden hatte.„wir haben noch so unendlich viel, des Wunderbaren von Euch zu erfahren .... Gustav gestorben . . . . sprach er dann ernst, nachdem sich alle gesetzt hatten. Boruch Dajin hoemes*)!" „Mein Bruder Gustav tobt!" wiederholte Heinrich, tief ergriffen, sich an Susanne wendend, „also sind Sie mir doppelt Schwägerin! Sie müssen mir, sobald Sie gesammelt sind, eine Stunde schenken, um mir von meinem armen Gustav zu erzählen .. ." Die Gesellschaft löste sich nun in kleine Gruppen auf, deren Mittelpunkt stets ein Mitglied der Löwenstamm'schen Familie bildete, des lebhaften Her- und Hinfragen- War kein Ende, das Material, über das man sich Aufschluß zu erbitten hatte, war ein zu gewaltiges, ein zu riesiges, um dieses kurzgefaßt zu erschöpfen, die Worte flogen geflügelt hin und her. Plötzlich trat Franke rasch an Susanne heran. Die Aufregung ließ ihn einen Augenblick keine Worte finden; er blickte ihr mit einer so ängstlichen Spannung ins Gesicht; in seinen Zügen war der Ausdruck einer so qualvollen Erwartung ausgeprägt; — als wenn der nächste Moment über sein Lebensglück entscheiden sollte; dann rief er mit bebender Stimme: „Susanne, meine Tochter .... hast Du.... ein Kind?" Susannens Gesicht überzog Purpurröthe .... Sie blickte zuerst verwundert auf, dann schüttelte sie verneinend den Kopf. „Du Haft kein Kind? .... gar keins .... nicht ein einziges kleines Kind?!" schrie Franke aus. „Onkel Franke!" „Nicht?! armer Alfred, armer Heinrich! arme Kinder." Alle blickten erstaunt ans Franke, es schien ihnen einen Augenblick, als hätte er den Verstand verloren. Er brach ohnmächtig in einem Sessel zusammen. (Forts, folgt.) *) Gelobt jeist Du gerechter Richter! — Eine Benediktion, die bei dem Empfange einer bösen Nachricht oder eines Todesfalles gesprochen wird. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction.' Dr. Lehmann. — Verlag der Sc R oux'schen Hosbuchhandlung Z. Gvttsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger.)