Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1875)
- Date
- 1875-11-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1019 „Sie begrüßen uns mit einem untheuren Namen, mit dem Namen unserer verewigten Mutier!" „Oh! ich habe mich nicht getäuscht" rief Franke jubelnd „ja, Du bist Eleonorens Tochter, ich sehe mein theures Schwesterkind wieder vor mir! . . . . Gott fei tausendfach gepriesen! .... Ja, theure Kinder, Ihr tragt beide die Züge Euerer, mir ewig unvergeßlichen Mutter... die man von mir riß .... das ist ihre Gestalt, ihr Aug', ibx lieb Gesicht, das ist ihre Stimme, die stets schmeichelnd in mein Herz drang .... ich Hab' Dich wieder, langvermißte Eleonore , in Deinen Kindern, die Dein Abbild sind.und Dir auch gleichen werden, an Geist, Gemüth und Herz! ..." „Unsere Mutter hieß Eleonore .... ihr Mädchenname war Vorberg, ja, Sie haben uns gleich erkannt, Onkel Franke," sprach Clara mit einem wehmüthigen Lächeln, so unbefangen, als Ware dies die alltägliche Begebenheit des Lebens; — als hätte sie, von Kindheit an, den alten, lieben Mann, Onkel genannt. „Schon Ihr Anblick, liebe Clara! hatte dunkle Erinnerungen in mir geweckt" . . . meinte Robert Eberstein. „Ah!" rief Franke auf die Kapsel deutend, die an Claras Halse, an einem schmalen, schwarzen Sammtbande hing, .... „das ist das goldne Herz, das ich Euerer Mutter zu ihrem fünfzehnten Geburtstage geschenkt .... hier ist eine Feder." er drückte die Kapsel auf ... . „seht Jhr's eingravirt?" .... Seiner lieben Nichte, Jacob Franke. „Meine Mutter hatte diesem Schmucke unendlich viel Werth beigelegt, — noch sterbend hatte sie mit erkaltender Hand an ihrem Halse nach diesem getastet .... nicht wahr Heinrich?" „Sie hat also im Sterben noch meiner mit Liebe und Dankbarkeit gedacht?!" rief Franke wehmüthig bewegt. „Ich erfuhr die Vergangenheit meiner Mutter," sprach Clara weiter, „aus ihrem Tagebuche, das sie von ihrem fünfzehnten Jahre bis an ihr Lebensende sorgfältig fortgeführt .... es gab mir Aufschluß über die Familie meiner guten theuren Mutter. — Als wir in tiefster Noth, von aller Welt verlassen waren, und sie ihr Lebensende herannahen fühlte, beschloß sie, zu Ihnen, Onkel Franke, zu gehen, für mich bei Ihnen ein Asyl zu erbitten. Sie wußte nicht, wie Sie sie nach so langen Jahren tiefen Schweigens empfangen würden, .... Sie wußte nicht einmal ob jener Schändliche vor Ihnen entlarvt wurde .... ob Sie, Onkel Franke, von ihrer Unschuld überzeugt waren!" „O! Gott!" stöhnte Franke tief auf „welch unseliges, entsetzliches Mißverständniß, ich hatte Lärchen ja gekannt, wer durfte an dem Mädchen zweifeln?! .... Kam ihr denn meine Aufforderung zur Heimkehr nicht zu Gesicht? ich hatte sie doch in den gelesensten, größten Blättern Europas und Amerikas lange Zeit inserirt." „Unsere Mutter lebte abgeschieden von aller Welt — wie sollten diese Zeitungen in ihre Hände kommen?" „Wie so erfuhr Eleonore," frug Franke, „daß er, der Schurke, den Bubenstreich ersann?" „Er begegnete ihr, als sie das Haus, in dem sie ihre Jugendzeit verlebt hatte, für immer verließ. Er triumphirte, er sagte, er wisse Alles; aber er liebe sie mit heißer Gluth, er wäre bereit, ihre Ehre zu retten, ihr seinen Namen zu geben .es wäre dies der einzige Ausweg, der ihr noch bliebe .... und so errieth unser kluges liebes Mütterchen den Zusammenhang, sie erkannte sofort, daß der böse leidenschaftliche Mann, die zufällige frappante Ähnlichkeit irgend eines Mädchens mit ihr, zu der furchtbaren Verläumdung benützt; hierdurch seine Zwecke zu erreichen versucht hatte.sie stieß den Unhold von sich .und floh — Aus ihrem Tagebuch erkannte ich auch, mit welch' unendlicher Liebe ihr armes Herz noch an Ihnen, Onkel! hing, wie sie täglich Gebete für Ihr Wohlergehen zum Himmel sandte .... wie sie sich stets, wenn es ihr nur irgend wie möglich war, nach Ihnen erkundigte .... in welch' furchtbarer Aufregung der Gedanke sie versetzte, sie könne hier in Prag anlangen .... und Sie unversöhnt .... oder nicht mehr unter den Lebenden finden!" „Unser Vater hat unserer Mutter versprochen, nie ihre Familie aufzusuchen, nie ihre Familie zu nennen" eriff Susanne jetzt das Wort.wir haben uns auch nicht genannt.Sie, Onkel Franke, haben uns gleich erkannt .... Gott hat uns nach unsäglich' schwerem Leide, unendliche Gnadenfülle erwiesen. Eine wunderbare Fügung führt uns in das Haus, in welchem unsere Mutter ihre Jugendzeit verlebt — aus dem sie mit dem bittersten Schmerze schied." „Sie treten in ein Haus" sprach Robert Eberstein tief bewegt, sich an die beiden Damen wendend, „das Sie auch das Ihrige zu nennen berechtigt sind." Susanne blickte verwundert aus, brennende Scharlachröthe überflog ihre Wangen. * „Sind Sie allwissend?" frug sie. Jetzt war wieder die Reihe des Erstaunens an die Andern gekommen. „Ich verstehe Sie nicht, gnädige Frau!" er-