Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1875)
- Date
- 1875-11-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1018 Frankreich. Paris. (Monatsbericht (Oktobers der „All. Jsr. Univ.") Herr Baron v. Hirsch, der neulich die Knaben- und Mädchenschule von Rustschuk besucht und sich über diese Anstalten einen Bericht hat znschickeu lassen, übersandte dem C. - Comit« eine Summe von 12,650 Frs. zum Ankauf und Ausbau der Häuser, in denen dieselben untergebracht sind, und wird außerdem während der nächsten 3 Jahre zur Unterhaltung derselben eine Summe von 2100 Frs. ausgeben, indem er hofft, daß nach Ablauf dieser Zeit die dortige Gemeinde die Ausgaben ihres Schulbudgets selbst wird bestreiten können. Die Herren von Camondo haben für die Schule von Ga lata (Constantinopel) eine jähr- Subscription von l(O0Frs. versprochen, und Herr Alex. Sidi in Smyrna hat mehr als l.OOOFrs zur Bekleidung der armen Schulkinder daselbst beigetragen. (Die Israeliten der Türkei.) Herr Graf v. Camondo überreicht ein Schreiben des Comite's von Constantinopel, das über die von dem Vice- Präsidenten desselben, H. S. Fernande;, bei Sr. H. dem Großvezier in Angelegenheit der, im Monatsbericht August erwähnten Affaire von Melasso (Profanirung einer Synagoge) gethanen Schritte berichtet; die beiden Hauptschuldigen wurden, der Eine zu I V» Jahren und der Andere zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt. — Der Mörder des in der Nähe der Dörfer Spilia und Dracona ermordeten Israel. Colporteurs ist noch nicht gefunden worden, man glaubt, daß er landesflüchtig geworden sei. Solche Verbrechen sind in Candia nicht selten, aber die Schuldigen wissen sich meistens den Nachstellungen zu entziehen. (Schluß folgt.) Feuilleton. Ham Ebers. Erzählung von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel". (Fortsetzung.) Siebentes Kapitel. Alfred halte seiner Mutter mitgetheilt, daß er ein Mädchen geliebt, mit unverlöschlich inniger Liebe, daß er sie zu seinem tiefsten Schmerze verloren, daß sie die Gattin eines Andern geworden .... daß sie jetzt frei geworden, jetzt Wittwe sei, — und daß er hoffe, daß sich ihre Gefühle gegen ihn nicht geändert hätten. — Jeanette Cohen hätte gewünscht, daß Alfreds Wahl auf die Tochter eines großen Hauses, auf eine reiche Erbin gefallen wäre. Die Verhältnisse der Firma, der er mit umsichtiger Leitung Vorstand, die Familie, deren Haupt und Stütze er war, hätten bei der eigenthümlichen Lage, in die Jeanette und ihre Kinder durch unerwartete Umstände versetzt worden waren, eines Capitalzufluffes dringend bedürft; aber Jeanette liebte ihren Sohn, mehr noch, sie achtete und verehrte ihn und sie willigte ohne Widerspruch ein und ertheilte ihm ihren mütterlichen Segen. Susannens Gatte war gestorben, es hielt sie nichts mehr in der Ferne, sie wollte zu ihrem Bater, und dieser sah ihrer Ankunft in Prag entgegen. Zufällig traf Franke fast gleichzeitig mit Susanne in Prag an. Die Ankunft der Gäste sollte bei Robert Eberstein, bei einem Souper gefeiert werden. Franke sollte bei dieser Gelegenheit nicht nur die Neuangekommenen, sondern auch Lüwenftamm und Clara kennen lernen. Die Mitglieder der Eberstein'schen Familie, die beiden Brüder, Jeanette, Alfred, Heinrich und Franke waren versammelt, als Löwenstamm und seine beiden Töchter gemeldet wurden und sofort eintraten. Der Eintritt der drei Personen bracht einen unbeschreiblichen Eindruck hervor. Susanne war eine Schönheit wunderbarster Art. Sie sah ihrer jüngern Schwester zwar ähnlich, unterschied sich aber trotzdem — wie dies bei Geschwistern oft vorzukommen pflegt — in einzelnen Zügen von dieser. Alfred stürzte in überströmender Empflndung Susannen entgegen; dann führte er sie zu seiner Mutter und sprach: „Segne uns, mein liebes, liebes Mütterchen!" Heinrich trat zu Clara, die ihm freundlich und anmuihig die Hand reichte. Robert hatte sich erhoben, den Ankommenden entgegen zu gehen, aber sein Blick streifte zufällig Franke und er blieb betroffen stehen. Der Anblick der beiden Damen, namentlich Susannens hatte auf Franke sichtlich in der eigenthümlichsten Weise eingewirkt und seine Bewegung hatte sich auch Robert rasch mitgetheilt. Franke hatte sich, wie die ganze Gesellschaft beim Eintritte der Löwenstamm'schen Familie erhoben; aber der sonst so rüstige Greis mußte sich an der Tischplatte festhalten, um nicht zusammenzubrechen; .... zuerst überzog Blässe, dann in jähem Wechsel eine brennende Röthe seine würdigen wohlwollenden Züge, seine Lippen bebten, Thränen rollten über seine Wangen. Alle blickten in höchster Spannung, erwartungsvoll aus Franke, der in Susannens Anblick ganz versunken war. Endlich streckte er Susannen die Hand entgegen und rief mit zitternder Stimme: „Eleonore! meine Eleonore!" „Eleonore!" wiederholten beide Brüder Eberstein, mit einem Rufe der Ueberraschung, „ja, eS sind Eleonorens Züge . . . ."