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Der Israelit · 1875-11-17 · Heft 46 (17.11.1875) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 46 (17.11.1875)
Date
1875-11-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1017 Pr." entnehmen, am 25. September 1825 in Waag- Neustadt im Neutraer Comitate von jüdischen Eltern geboren. Er wendete sich zunächst dem Studium der jüdischen Theologie zu, erwarb das Rabbiner-Diplom, gastirte 1847 in Ofen als Prediger und wurde 1848 von der Pesther Reformgemeinde zum Rabbiner und Prediger ernannt. Durch mehrere Journalartikel lenkte er in jener leidenschaftlich bewegten Zeit die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich; aber gerade diese Artikel veranlaßten ihn, als Windischgrätz in Pesth einrückte, nach Szegedin und von da nach der Katastrophe von Vilagos nach Komorn zu fliehen. Hier ernannte ihn Klapka zum isr. Feldprediger, und der Hauptmannsrang, den er dadurch erhielt, sicherte ihm die Einbeziehung in die Capitulation. Die Verfolgungen, die ihn nichtsdestoweniger bedrohten, nöthigten ihn zur Flucht nach Leipzig, wo er im März 1850 ankam. Dort erschien seine Flugschrift über „Arthur Görgey", welche sich einer so günstigen Aufnahme seitens des Publikums erfreute, daß der Verleger Herbig sofort eine neue Schrift Horn's, „Zur ungarisch - österreichischen Centralisationsfrage," herausgab und die weltberühmte Firma Brockhaus Horn als stehenden Mitarbeiter für ihr periodisches Werk „Die Gegenwart" , sowie für das ConversationS-Lexicon engagirte. Während Horn durch diese literarischen Arbeiten seine Existenz zu fristen bemüht war, arbeitete er zugleich unablässig an seiner eigenen Ausbildung, hörte unter Roscher Nationialökonomie, trieb' nebenbei Philosophie und legte 1852 die Früchte dieser Studien in einer sehr bemerkenswerthen Schrift, „Spinozas Staatslehre, zum erstenmale dargestellt," dem Publikum vor. Sein etwas früher erschienenes und auch sofort confiscirtes Buch über Ludwig Kossuth hatte jedoch neuerdings die Augen der österreichischen Polizei auf ihn gelenkt, und da diese durch ihren Generalkonsul Grüner in Leipzig und durch Herrn v. Beust in Dresden auch auf sächsischem Boden ziemlich allmächtig war, sah sich Horn alsbald von der Auslieferung an Oesterreich bedroht. So war ihm denn auch der Aufenthalt in Sachsen verleidet und er mußte wieder zum Wanderstabe greifen; weiter und immer weiter hinweg ging's von der Heimath. Mit bewunderungswürdigem Fleiße oblag er in Brüssel dem Studium der französischen und englischen Sprache, knüpfte — um mittlerweile leben zu können — Verbindungen mit deutschen Blättern, wie dem „Bremer Handelsblatt" und den „Blättern für literarische Unterhaltung" an, studirte dabei mit gespanntester Aufmerksamkeit die belgischen Zustände und schrieb in den Jahren 1-53 und 1854 zwei Werke: „Statistisches Gemälde des Königreichs Belgien" und i „BevölkerungSwiffenschaftliche Studie» aus Belgien", welche ihrer Trefflichkeit wegen allseitig unbedingt Anerkennnung fanden. Diesen Schriften hatte er es wohl zu danken, daß ihm bald darauf die Redaktion eines der bedeutendsten belgischen Blätter angeboten wurde. Verlockender als diesen Antrag fand jedoch Horn jenen deutscher Blätter, für sie als Correfpondent zur Weltausstellung nach Paris zu gehen. Dort gewann ihn Michael Chevalier für das Jounal des Debats, dem er bis 1863 als Hauptmitarbeiter angehörte, um sich dann an der Gründung des Avenir National zu betheiligen. Horn's Aufenthalt in Paris bildet den Glanzpunkt seiner literarischen und wissenschaftlichen Thätigkeit. 1866 erschien sein Buch: „La liberte des banques“, 1867 das mit dem großen Akademiepreise gekrönte Werk: „L’economie politique avant les Physiocrates“ und 1868 seine „Bilanz des Kaiserreiches." 1867 kehrte er nach der anläßlich der Krönung erfolgten Amnestie nach Ungarn zurück und bewarb sich um den Posten des Chef-Redacteurs des Pesther Lloyd. Die Unterhandlungen scheiterten und Horn kehrte wieder nach Paris zurück. Vor den Wahlen des Jahres 1869 richteten Mitglieder des linken Centrums, namentlich Moriz Jokai an ihn die Aufforderung zur Rückkehr nach Ungarn und stellten ihm ein Mandat in Aussicht. Horn kehrte zurück, wurde in Preßburg gewählt und gründete den „Neuen Freien Lloyd", der aber nach kurzem Bestände einging. Seine politische Thätigkeit seit seiner Rückkehr ist bekannt. Er gehörte dem linken Centrum an, trug sich aber schon früh mit Fusions-Gedanken und gründete im Jahre 1873 mit Ghyezy die Centrumspartei, welche den staatsrechtlichen Ausgleich anerkannte. Unstreitig gebührt Horn das Verdienst, einer der Ersten zu sein, die die Mißwirthschaft aufgedeckt und gegeißelt haben. Das Ministerium Tisza-Wenckheirn brachte dem alten Parteigenossen Tisza's die Ernennung zum Staats-Secretär, welchen Posten er nur sechs Monate bekleiden sollte. Horn hinterläßt seine Familie vollständig mittellos; das Vermögen, welches er aus Paris mitbrachte, haben der „Neue Freie Lloyd" und seine Betheiligung an verschiedenen unglücklichen Unternehmungen verschlungen. Der Tod, der Horn im kräftigsten Mannesalter ereilte, hat alle jene freundlichen Hoffnungen zu nichte gemacht, welche seine politischen Freunde an seine bedeutenden Sachkenntnisse und seinen klaren wissenschaftlich gebildeten Geist geknüpft hatten und zu deren praktischen Bethätigung ihm die Stellung als Staatssekretär im Handels-Ministerium, die er erst vor wenigen Monaten eingenommen hatte, den geeigneten Spielraum eröffnete.

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