Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1875)
- Date
- 1875-11-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1016 wir ausstiegen, um die Quellen der Donau zu besuchen. Daselbst quillt der mächtige Strom, der Deutschland mit dem schwarzen Meere verbindet, als ein großgeborenes Kind aus der Erde. Mit Macht sprudelt da- Wasser hervor und bildet sofort einen ganz respektablen Bach, der seine Gewässer durch Baden, Würtemberg, Bayern, Oesterreich, Ungarn und die Türkei dem Meere zuführt, welches dem Orient zugezählt wird. Bekanntlich wohnten am Ausflusse der Donau die Seythen, rmd der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtet, daß dieses wilde Volk zur Zeit des medischen Königs Kyaxares, also während der Regierung des jüdischen Königs Josias, in Syrien und Palästina eingebrochen sei; man vermuthet, daß bei dieser Gelegenheit die Stadt Beth Schean nu , den Namen Scythopolis (Scythenstadt) erhalten habe. Auch soll sich auf die, wilden Thieren ähnlichen Scythen die Weissagung des Propheten Joel (1,6) beziehen: ’sn« *y my 'U '2 n'yvriOi nn»x vjv, iLOv pxi oiay „Denn ein Volk zog über mein Land mächtig und ohne Zahl; seine Zähne gleich Löwenzähnen und wie die Löwin sein Gebiß." So verbindet dieses Wasser, das da vor unseren Augen aus der der Erde quoll, den Occident mit dem Orient und verknüpfte in unserm Denken Donaueschingen mit jva, einer Stadt, die Josua dem Stamme Menascheh zutheilte (Josua c. 17 c. 11 u. 16), an deren Mauern die Philister die Leichen Schaul'S und seiner Söhne aufknüpften (1. B. Sam. c. 31 v. 10 u. 12) und wo Rabbenu Jehuda, der Heilige, einst eine wichtige, halachische Entscheidung traf (jnv n'3 nx »an -pnn Cholin 6a). Aus dieser zuletzt angeführtenStelle geht jedoch hervor, daß Beth Schean nach der Rückkehr der Juden aus der babylonischen Gefangenschaft dem heiligen Lande nicht einverleibt wurde, uno mag daher der Name Scythopolis (die Stadt der Scythen, soviel als Barbaren) sich herschreiben. Von Donaueschingen aus erklimmt die Bahn die Höhe des Schwarzwaldes, um von Villingen — an den Triberger Wasserfällen vorüber — in das Thal hinunter zu führen. Diese Bahnstrecke ist eine der schönsten, die ich kenne. Tunnel reiht sich an Tunnel, und von Minute zu Minute gibt es andersgestaltige, schöne Aussichtspunkte. In Offenburg mündet die Schwarzwaldbahn in die große Heerstraße Basel - Cöln ein. Mit Windesschnelle führte uns von da der Kurierzug! an Baden (Oos), an dem den Geburtstag seines j Großherzogs feiernden hellerleuchteten Carlsruhe,? an Heidelberg und Darmstadt vorüber, bis uns § am Bahnhofe in Mainz unsere Lieben empfingen. I Gelebt sei Gott, der uns wohlbehalten in I die Heimath zurückgeführt hat. ' Zeitung-nachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt «*. M. Ohne jede Feierlichkeit wurde gestern das von der Baronin Louise v. Rothschild am Landwehr-Weg zur Heilung und Pflege von leidenden Mädchen ohne Unterschied der Confesfion erbaute und ausgestattete Clementinen-Mädchen-Hospital eröffnet und wird bis zum 11. d. M. den Freunden der Krankenpflege zur Besichtigung der Einrichtungen zugänglich bleiben. Dasselbe trägt die Aufschrift: „Der Herr verwundet und verbindet — Er schlägt und seine Hände heilen." Daß die Menschen-Freundlichkeit der Stifterin die Anstalt würdig und entsprechend ausrüsten werde, konnte man mit Sicherheit voraussetzen; aber selbst weitgehende Erwartungen sind übertroffen worden. Selbstverständlich ist allen Anforderungen der Heilkunde an Erwärmung, Ventilation und Desinfeetion nicht nur bezüglich der Kranken - Tale selbst, sondern des ganzen Hauses volle Rechnung getragen worden, und zwar nach dem Rath und selbst nach den Wünschen von den bedeutendsten Autoritäten der hygienischen Wissenschaften. Aber nicht nur allem Notwendigen für die Pflege, auch dem Comfort der Leidenden ist überall Rücksicht geschenkt worden. Das Hospital ist vorerst n.it 16 Kranken- und zwei sogen. Reserve-Betten versehen. Die ärztliche Leitung wird Herrn Dr. med. de Bary übertragen. Für die häusliche Verwaltung hat sich die Stifterin selbst die Ober-Aufsicht Vorbehalten. Das stattliche Gebäude wurde nach den Plänen des Herrn Architekten Bluntschly von Herrn Maurer- Meister Corn el in Bornheim ausgeführt und liegt in einem geräumigen luftigen Garten mit schöner Aussicht nach der 'Mittagsseite. Frankfurt a. M., 14. Nov. Eine der jüngsten Nummern Ihrer w. Zeitschrift, „der JSraelit," berichtete .über die Stiftung meines leider inzwischen verstorbenen Vaters n"y und erwähnte, daß die Zinsen zur Aussteuer isr. Bräute bestimmt seien, Ich erlaube mir Ew. Ehrwürden mitzutheilen, daß nur Vs der Zinsen für diesen Zweck bestimmt und zwar für hiesige Bräute; ferner ist Y3 für Schulgelder und Vz für Wohuungsmiethe an hiesige verschämte Arme zu verwenden. Indem ich Ew. Ehrwürden höflichft bitte, dies gefäll. berichtigend mittheilen zu wollen, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung. R. M. Kirchheim. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Pesth, 3. Nov. Mit Eduard Horn, dessen Tod gemeldet wird, ist einer der hervorragendsten Nationalökonomen Ungarns aus dem Leben geschieden. Eduard Horn wurde, wie wir der „N. Fr.