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Der Israelit · 1875-11-17 · Heft 46 (17.11.1875) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 46 (17.11.1875)
Date
1875-11-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1014 ligiösen Vorschriften vernachlässigen, und zum kleineren Theile aus Jehudim, denen eS um die Erhaltung des Judenthums Ernst ist. Sogenannte Reformer, fanatische Neuerer sind in Cöln nicht vorhanden. Seit dem leider so früh erfolgten Ableben des seligen Dr. Schwarz, war es die Wiederbesetzung des vacanten Postens, welche die Gemeinde in Athem hielt. Es machten sich zwei Parteien geltend: die sogenannte conservative, die einen der Richtung des Breslauer Seminars huldigenden Rabbiner wünschte, und die orthodoxe. Leider waren die Anhänger des wahrhaften Judenthums unter sich nicht genug einig, wenigstens fehlte es an gemeinsamem, energischem Vorgehen, so hat denn die andere Partei den Sieg davon getragen. Es wurde ein ehemaliger Schüler des Breslauer Seminars zum Rabbiner ere'irt. Glücklicherweise wurden noch vor der Berufung des Herrn Dr. Frank aus Linz an der Donau Dinge entdeckt, die ein eigentbümliches Licht auf dessen bisheriges rabbinisches Wirken werfen. Erörtern wir zunächst, welches der eigentliche Beruf eines Rabbinen ist. Die Predigt und die sogenannte Seelsorge müssen wir, wiewohl wir ihre Bedeutung nicht unterschätzen, als Nebendinge bezeichnen. Wir Juden haben nicht Priester und Geistliche wie anöere Religionen. Weder Salböl noch anderes Derartiges weiht den Rabbinen, Seine Befähigung erlangt er durch ein Rabbinats. diplom. Nur Gottesfurcht und das nothige Wissen sind nach jüdischem Religionsgesetze die beiden Erfordernisse, um das Amt eines Rabbinen zu bekleiden , das ihm das Vertrauen der Gemeinde überträgt. Welches ist nun die Hauptaufgabe, die einem solchen Gemeindebeamten obliegt? Der Rabbiner soll sein ThorakunÜiger, Thoralehrer , Thorawächter. Er hat vor Allem dafür zu sorgen, daß es seinen Gemeindegliedern möglich ist, in der Gemeinde als Juden zu leben und Gottes Gebote zu beobachten; er hat also für die gesetzmäßige Errichtung oder Erhaltung der Gemeindeinstitutionen zu sorgen. Die wichtigsten dieser Institutionen sind die Schechitah und die Mikwah, weil diese beiden ein religionsgemäßes Leben bedingen. Daß Jemand, der die jüdischen Ssteisegesetze und die jüdischen Reinheitsgesetze nicht beobachtet, weder befähigt, noch würdig ist, Rabbiner zu sein, ist selbstverständlich. Es liegen uns zwei Briefe (in wortgetreuer Abschrift) vor, in welchen Herr Dr. Frank es zugefteht, daß das rituelle Frauenbad seiner bisherigen Gemeinde Linz an der Donau, den Anforderungen des jüdischen ReligionSgesetzes nicht entspricht: „Ich fand die Mikwah nicht in Ordnung," schreibt er, und dennoch fungirte er in dieser Gemeinde drei volle Jahre ohne in dieser Angelegenheit eine Aenderung zu schaffen!! Von seinem Lehrer, dem Seminardirector Frankel rry, ließ er sich einen Auszug aus den bezüglichen B'j'i kommen; dabei hatte es sein Bewenden. „Ich habe mir oft darüber Borwürfe gemacht," schreibt Herr Dr. Frank. Allein der Wiener Krach, behauptet er, habe die Instandsetzung der Mikwah verhindert, trotzdem diese, wie uns von glaubwürdiger Seite versichert wird, für 25 Gulden hätte geschehen können. „Ich bin kein ttd (muthwilliger Sünder), sondern dum (soll heißen dun, gezwungen) *ööö wom djw (soll heißen doki, und den Gezwungenen spricht Gott frei)." Doch alles 'Dies tritt in den Hintergrund gegen die mysteriöse Art, wie Herr F. über sein eigenes Verhalten in dieser Beziehung spricht. Im Sommer, sagte er dem Deputirten der Cölner Gemeinde , ersetze der Fluß die Mikwah. „Und im Winter?" fragte der Abgesandte. Da blieb Herr Dr. F. die Antwort schuldig. In einem der uns vorliegenden Briefen, schreibt er in Bezug darauf: u'-rv-r ‘nb nnnDJn „Verborgene Dinge gehen nur Gott an." Ja, wenn Herr Dr. F. nicht Rabbiner in Cöln werden wollte, so hätten die Cölner allerdings nicht das Recht, über sein reliöses Leben Aufklärung zu verlangen. Doch'lassen wir Herrn Dr. Frank; er wird wohl nach Cöln kommen, Gehalt beziehen, Trauungen vornehmen, predigen rc., aber Rabbiner, wirklicher Rabbiner kann er nach solchen Antecedentien weder sein, noch werden. Diejenigen, welche ihn berufen haben, brauchen keinen Rabbinen, und iejenigen, welche für ihr religiöses Leben eines Rabbinen bedürfen, werden Herrn F. nicht in Anspruch nehmen. Diese Letzteren müssen eine orthodoxe Separatgemeinde gründen, und zu diesem Zwecke müssen sie einig, einig, einig sein. Nach einem orthodoxen Rabbinen brauchen sie nicht lange zu suchen. Siebrauchen nur dafür zu sorgen, daß das unter Dr. Platons Leitung in Ehrenfeld bei Cöln stehende Lehrerseminar nach Cöln verlegt werde. Herr Dr. Plato, der sieben Jahre lang ein vorzüglicher Schüler des berühmten Gaon Rabbi Sanwel Eger gewesen, ist ein durch Gelehrsamkeit und Frömmigkeit hervorragender Mann; er soll auch ein ausgezeichneter Redner sein und ist ein bewährter Pädagoge. Hoffentlich werden wir bald vernehmen, daß Herr Dr. Plato die Säulen der Welt: Thorah, Abodah und Gemiluth Chaßadim in Cöln so zur Blüthe bringt wie vor Jahrhunderten in Rabbi Amram's Zeit, der in Cöln Rabbiner war und dessen Gebeine in Mainz ruhen.

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