Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1875)
- Date
- 1875-11-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1004 spricht oder verliest, müssen sämmtliche Synagogen- Besucher stehen; bei Kadi sch und Keduschah aber ist das in dieser Synagogenordnung nicht vorgeschrieben. „Jede Verletzung dieser Synagogen- Ordnung soll unnachsichtlich der Behörde zur Bestrafung angezeigt werden," droht § 14! — Ruft einmal schnell den Polizeidiener! Da ist ein Mann, der sich unterfangen hat zu sitzen, während Herrn Wedell's ehrwürdige Stimme ertönte! Vier Wochen Gefängniß ist wohl eine gelinde Strafe für solch' ein Verbrechen. Und da ist noch Einer, der ist mit einem hellen Hut — uach § 4 streng verpönt — in die Synagoge gekommen! Und die armen Düsseldorfer Damen, die — nach § 11 — nicht mit hellen Hüten oder Mützen in die Synagoge kommen dürfen, was werden die beginnen? Und die Soldaten, die dort nur im Ordonnanz-Anzüge erscheinen dürfen, werden die im Zuwiderhandlungsfalle ihren Vorgesetzten denuncirt und nach der Strenge der Militär-Gerichte bestraft werden? — Moderne Weisheit! Die schönsten und heiligsten Gebete werden abgeschafft oder verstümmelt und allerhand draconische Verordnungen sollen den abhanden gekommenen Geist wahrhafter Andacht durch Polizeigewalt wieder Herstellen!! Italien. Derona. Wir lesen in der „Arena" von Verona: „Ein sonderbarer Proceß ist jetzt vor unserer Pratur in der Schwebe. Vergangenen Samstag war, wie bekannt, der große Fasttag der Israeliten. Daher erklärte eine Schauspielerin der hier gastirenden Kunstgesellschaft Scalvini, daß ste am vorhergehenden Abend (Freitag) nicht auf der Bühne erscheinen werde. Der Direktor Scalvini hingegen wollte den dazu geforderten Urlaub durchaus nicht ertheilen. Indessen diese Schauspielerin trat an diesem Abend trotzdem nicht auf, und der Herr Direktor fordert nun, da die Bedingungen der Vertrages ihn dazu berechtigen, einen Schadenersatz von 1000 Lire." fffiitlltteit. Jilifr sbi im «ltt» Prag kr Vhetta. Erzählungen von S. Kohn, Vers, de- „Gabriel". (Fortsetzung.) „Ester, mein Kind, Du kannst Dir die Simche denken, wie ich nach Haus komm' und leg' der Mutter oleho hafcholom zwei Taufender auf das Bett, „da- Hab' ich ehrlicherweis bekommen, sag', ist mir dies nit tausendmal lieber, als wenn ich mir zwanzigtausend behalten hätt', die nti mir gehört haben — und das Kidusch Haschern*) extra." „Ah! das war prächtig. Du lieber, guter Vater!" rief Ester, den Vater umfassend und herzhaft küssend, — „da fingst Du ja ein ganz neues Leben an, nicht wahr? . * . . und schau! doch war Jakow Schneider unmittelbar an Deinem Glücke schuld, wie Du'S selbst gesagt hat, siehst Du! — da kann er doch ja kein so übler Mensch sein, wenn Gott bestimmt hat, daß Dir durch ihn eine solche Jeschuo1 2 3 4 5 6 7 8 9) werden soll! — Aber von der Zeit, bis er Dein HauSnachbar wurde, haben sich Eure Wege wohl nicht mehr gekreuzt?" Budweiser lachte. „Was fällt Dir ein, die Meo alofimer soll ich haben, waS wir einander noch für Schewerlew') angethan haben! hör' nur weiter! Ich bin noch ein paar Jahre im Geschäft bei Reb Selig Kallmus geblieben, Hab' manchmal for mich ein klein' Geschäft! gemacht, Gott boruchhu hat mir Massel*) gegeben — endlich war ich schon sechsundzwanzig Jahre alt geworden, Hab' baare dreitausend Gulden gehabt; da Hab' ich mir mit vieler Müh' und mit viel Geldkosten das Handlungsrecht verschafft, mir einen kleinen Laden am Tandelmarkt gekauft, und ein Geschäft angefangen. Einmal komm' ich SchabbeS aus Schul', sagt meine Mutter oleho hascholom: hör' an, Mosche, jetzt bist Du e Szocher^). ein frommer, braver Mensch, kein Amhorez«) — ich Hab' nämlich immer SchabbeS , und im Winter alle Nacht bei einem Redbe gelernt — kannst gut deutsch reden, lesen, schreiben, rechnen; ein hübscher Mensch bist Du auch, jetzt fehlen Dir nur noch drei Sachen: E schöne Kalle'), e Nummer8) und e Häusl, driun' wohnen. Lach' ich dazu. Sagt die Mam' weiter: Was ist da zu lachen? Soll Dir Deine Mutter leben und gesund sein — jetzt war Reb Efrvjim Kisch, der große Schadchen8), da und sagt, er hat 1) HeligUNg de§ göttlichen Namens. Ein Ausdruck, der; früher oft da angewendet wurde, wo durch die schöne Handlungs-! weise eines BekennerS des Judenthums dieses, selbst glorificirt! wurde. 2) Hilfe. 3) Herzlcid. 4) Glück 5) Kaufmann. 6) Unwissender Mann. 7) Braut. 8) Familie, um Heirathsbewilligung zu erlangen. 9) Heirathsvermittler.