Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1875)
- Date
- 1875-11-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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1005 ein prächtig Madl vor Dir10), JicheS "), ein Peßel Ponim12), ein großer Baldower ”), e gute Wirthin"), e gute Köchin, hat auch Geld achthundert Gulden, und e halb* Gewölb* am MarktJ — kur-, nix iS vergeffen!" „Wenn man sechsundzwanzig Jahre." Budweiser wollte etwasagen, waS vor seiner Tochter besser ungesagt bleiben sollte; er besann sich noch rechtzeitig und machte daher plötzlich eine kleine Pause, die er schlau durch eine Prise Tabak maSkirte, die er sich ganz umständlich anncctirte, und fuhr dann, seiner Rede in der That mit diplomatischer Feinheit eine geschickte Wendung gebend, fort, — „wenn man sechsundzwanzig Jahre lang Vater und Mutter gefolgt hat, so gibt eS keinen Grund, auf einmal etwas Anderes zu thu« .... Ich Hab* gesehen, die Mutter hält'- gerne gesehen, wenn ich heirath*, sag* ich: Mutterleben, wenn Du meinst, daß ich heirathen soll, und Dir das Mädel recht ist, wird sie mir ewadde auch recht sein " Budweiser unterbrach sich; er sah eS an der ernsten Wolke, die das liebliche Gesicht seiner Tochter überzog, daß diese nüchterne, poesielose Anschauung nicht Esters Sinnen entsprach, und er sagte, indem er seinem Kinde liebevoll unter da- Kinn griff und ihren Kopf sanft erhob: „D a S gefällt Dir nicht, Du wärst keine Kalle geworden, wenn Du nit bis über Deine kleinen rofenfarbenen Ohren in Deinen Choson ") verliebt gewesen wärst, nicht wahr, Ester, mein Kind? — aber damals hat*s nicht so sein können; eS war ganz anders — und »aS willst Du? ich Hab* doch erst recht einen verliebten Schiduch *•) gethan! — ich Hab* mich in Deine Mutter verliebt, sie war ei« armes Madel, ich ein wohlhabender Jung*; — und doch war i ch glücklich, daß sie ja gesagt hat!" „Haßt geplaudert," rief Bele, ihrem Gatten einen kleinen Klaps versetzend, und eine feine Rothe, der Abglanz innerer Zufriedenheit und ehelichen Glücks überzog ihr noch immer schönes, freundliches Gesicht: „Wenn Du so fort derzählst, kommst Du zu kar keinen Szoff — damals war ja nit von mir, war von Zerl DuscheneS die Red*. „Ah!" sagte Ester .... ist daL nicht unsere Schochente1T), Zerl Wodolka , . . freilich, die muß 10) für Dich. 11) gute Herkunft. 12) eine Schönheit. 13) eine tüchtige Person. 14) Hauswirthin. 15) Bräutigam. 16) Partie, Heirath aus Neigung. 17) Nachbarin. einmal sehr schön gewesen sein!" „E pagatelle!" entgegnete Budweiser, die Achsel geriugschätzend in die Höhe schiebend, „Dein Mutter — leben soll sie — war tauscnmal schöner als sie — es gibt jetzt gar kein so e Mädel in der Gaff*2) wie Deine Mutter war." BeleS mütterliche Eitelkeit war verletzt, sie machte, den Kopf leicht nach Ester wendend, ein so böseS Gesicht, als eS ihre gutmüthigen Züge eben aufzubringen vermochten. Ein sechSundzwanzigjahrigeS Zusammenleben ließen Budweiser jeden Gedanken, der in seiner Gattin auftanchte, sofort in ihren Zügen erkennen, und er sagte: „Oser"), ich weiß wirklich nit, ob Du nit noch schöner warst, alS unser Esterleben!" „Also, wie war daS mit Zerl DuscheneS?" frug Ester ungeduldig, vielleicht auch um das Gespräch von ihrer Person abzulenken. „Ich," fuhr Budweiser iu seiner Erzählung fort, „Hab* daS Mädel gar nit gekannt — und andere Mädlech2") auch nit — woher, ich bitt* Dich? Die ganze Woch* war ich im Geschäft. Schabbes, wenn ich nit in Schul* war, Hab* ich Schiur2*) gehört, oder beim Rebbe gelernt — damals war es noch nit, wie ich es jetzt anfangt . . kein Spazierengehen, kein Theater, kein Tanz, kein Nix. — Selten, daß ein junger Mensch ein Mädel gekannt hat; manchmal hat der Choson^2), wenn er vergessig war, die erste ZBt gar nit seine eigene Kalle d'erkannt .... fallt mir da auf einmal e spaßige alte Maißr ein — aber lachen muß ich noch immer, wenn ich daran denk* . . . Bon Reb Schimmon Klopper, dem Mocher Sforim22), der Ded hat auch Reb Schimmon geheißen — ist zehn Tag lang schon r Choffon gewesen. — Freilich, damals ist man nur Schabbes und Roschchodesch **) zur Kalle gegangen — kommt er zu Reb Lipmann Tewels, den Goldschmied, in der Breitgaff', und will dort etwafür seine Kalle kaufen . . . steht e Mädel drinn* und gibt sich Ohrringe zum Auöbessern. Die beiden jungen Leute stehen vielleicht eine gute Viertelstunde nebeneinander und reden kein Wort miteinander. Endlich geht das Mädchen weg. Fragt ihn Reb Lipmann: Schimmon, kennt Ihr das Frauenzimmer nit? — Woher soll ich sie kennen? fragt der — Beheme^)! Das ist doch 18) Judenstadt. 19) wahrhaftig. 20) Mädchen 2t) Vorträge. 22) Bräutigam. 23) Buchhändler 24) Neumond, den ersten des Monates. 25) dummer Mensch!