Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1875)
- Date
- 1875-11-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1002 doch können wir uns hier nicht lange aufhalten, denn wir eilen sehnsuchtsvoll der Heimath zu. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten <& Correspondenzen. Deutschland. Nürnberg. Nach langer Pause müssen wir doch auch wieder einmal zeigen, daß der nunmehr über einJahr hier bestehenderelig.Verein nicht abgenommen hat, sondern sogar einen verhältnißmäßig großen Zuwachs erhalten hat. Allerdings haben wir leider den Abgang einiger thatkräftiger Mitglieder zu beklagen, welche feit einigen Monaten uns entrissen wurden n"y, aber feit btot find wieder 5—6 neue hinzugetreten und ist gegründete Hoffnung n"’"N, daß die Zahl sich bald wieder steigern wird. Das Wichtigste, das wir heute mitzutheilen haben, ist, daß, als man sich genöthigt sah, ein anderes Local zu miethen, die hochl. Administration den alten Vorschlag erneuerte, uns den Werktagbetsaal zu überlassen, nur sollte die Kleinigkeit einer toiy mpn in Bezug auf nachgegeben werden, damit die Herren jenseits der Pegnitz — Minjan bekommen, denn daran toiß’fi immer noch fehlen. Eine außerordentliche Generalversammlung am run'bOi 'n dv beschloß einstimmig, nicht von dem üblichen Ritus abzuweichen und so wurden nirnto, rnbsn, wie üblich, verrichtet. Freilich duftet'S immer dabei ein wenig nach Neuerung, so z. B. waren n"-> nur die beiden Vorbeter mit dem sogenannten Sargenes (Kittel) versehen, da man's nicht gewöhnt war, und vielleicht fürchtete, gegen den hiesigen arm zu handeln, als aber der 3"rp kam, waren schon einige mehr weißgekleidet ltnd selbst der früher ad acta gelegte nu wurde wieder eingeführt. Am nnD gab'S einige deren Zweck allerdings ziemlich materieller Natur ist, um etwas früher Frühstück nehmen zu können, aber es klingt doch wenigstens gar nicht nürnbergerisch, cy uns mso zu halten. nrrn mso mso, es wurde auch am noiD Alles nach altem Ritus gehalten, N:n nsymn Nachts gelernt, des Morgens wjwin abgeschlagen, kurz eS war uns wohlthuend, diese D’ma hier wieder aufleben zu sehen. Um nun aber auch auf den Hauptpunkt zu kommen, muß erwähnt werden, daß es mit Mühe und Opfer gelungen ist, den Besitzer des Betfaals zu bestimmen, denselben auf drei Jahre laut Vertrag dem Vereine weiter zu überlassen, ein Umstand, der für die Existenz des Vereins von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit P. Wir wollen die efch. Leser deS „Israelit" mit der Rechtfertigung iefer unserer Aeußerung verschonen, da nur der, der die localen Verhältniffe N.'s kennt, die Richtigkeit derselben zu begreifen vermag. Zunächst wünschen wir dem Vereine ein rasches Gedeihen, damit das alte Nürnberg, dessen jhjd vor Jahrhunderten Tausenden zur Richtschnur diente, allmählich wieder zur Geltung gelange. Nürnberg. Bei dem Abbruch eines HauseS in der Königsstraße dahier wurden zwei gefunden und dem Germanischen Museum übergeben; die eine rührt aus dem Jahre 1464, die andere aus dem Jahre 1477 her; beide sind ganz gut erhalten. Auf der Rückseite der einen ist der Reichs- Wappen undeine Jahreszahl, welche beweist, daß der Stein kurz nach seiner ersten Verwendung, in Folge der Austreibung der Juden, schon wieder verwendet worden war. Berlin. Die „Tribüne" erzählt nachstehende Geschichte als „verbürgt": „Ein Kaufmann in Cöln war vor einigen Monaten, gedrängt durch unglückliche Familienverhältnisse, in'S Ausland gegangen und hatte seine Familie in bitterster Noth zurückgelassen. Die Verwandten nahmen sich derselben nach Kräften insoweit an, als die zurückgebliebenen Kinder einzeln in die Familien ausgenommen wurden, um je nach den Verhältnissen erzogen zu werden. Ein Mädchen von 41 Jahren, Sarah, kam in das Hans ihres Onkels, des Kaufmanns S. in Cöln. Der Letztere war nicht wenig erstaunt, als er eines Tages zum Regierungspräsidenten beschieden und mit der Frage empfangen wurde, ob er in seinem Hause ein kleines Mädchen Namens Sarah habe, und wie daS Kind sich führe, ob es brav, fleißig und befähigt sei u. s. w. Mit gutem Gewissen bejahte der erstaunte Onkel die Fragen und erfuhr nun, daß die Kleine vor einigen Wochen heimlich an Se. Maj. den Kaiser geschrieben und unter der Anrede „Lieber Herr Kaiser" in kindlicher Weise ihre Verhältnisse vorgestellt und gebeten habe, ihr die Mittel zu einer Erziehung zu gewähren, welche die Erfüllung ihres Lieblings- Wunsches, Lehrerin zu werden, ermögliche. Als die kleine Bittstellerin in acht Tagen noch keine Antwort erhielt, schrieb sie noch einmal an den „lieben Herrn Kaiser" und erzielte auf diese Weise, daß höheren Orts Erkundigungen eingezogen wurden. Vor einigen Tagen nun hat der Präsident Herrn S. abermals zu sich rufen lassen und ihm eröffnet, daß der Kaiser vorläufig 1500 Mark zur Erziehung des Mädchens angewiesen und befohlen habe, daß