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Der Israelit · 1875-11-10 · Heft 45 (10.11.1875) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 45 (10.11.1875)
Date
1875-11-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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994 sondern auch für beschämend, daß wenn auch nicht die ganze officielle Vertretung der preußischen Juden, so doch ein großer Theil derselben den Schutz des Staates anruft und den Steuerexecutor nicht entbehren zu können glaubt und die jüdische Religion gefährdet erblickt, wenn die staatliche Hilfe zurückgezogen wird- Die südische Religion, die Jahrtausende herab nicht allein keines Hilfe seitens des Staates erhielt, sondern auch die Angrisfe, ja die Verfolgungen desselben mit Ausdauer und siegreicheni'Erfosg ertrug, die jüdische Religion kann nicht von der Staa'tZhilfe abhängig sein, schon der Gedanke ist demüthigend und beschämend. Auch muß cs sehr schlimm mit der Mehrheit stehen, welche diese officielle Vertretung gewählt, wenn, um sie zusammenzuhalten, es des Zwanges, des staatlichen Zwanges bedarf. Auf der Seite des Herrn Dr. Lasker dürfte aber nicht allein Herr Rabbiner Hirsch, sondern auch alle Diejenigen stehen, die in der officiellen Vertretung der jüdischen Gemeinden sehr wenig Jüdisches erblicken und deren Herzen noch warm für die unverfälschten Lehren ihrer alten heiligen Religion schlagen, ihre Zahl dürste wohl eine größere sein, als der Herr Rabbiner glaubt oder glauben machen will. Und was die Privatgemeinde in Frankfurt betrifft, fo*| ist solche gar nicht so unbedeutend: ihre Anstalten können getrost mit denen der größten officiellen Gemeinden rivalisircn; ihre Unterrichtsaustalt leistet auf allen Gebieten des Wissens soviel, daß ihr seitens der Preußischen Negierung das Recht zur Ausstellung von Zeugnissen für den einjährig-freiwilligen Dienst bewilligt wurde; ihre Synagoge, die nach 2ujährigcm Bestehen auf die doppelte Größe, auf U 00 Sitzplätze gebracht werden mußte, besitzt abgesehen von ihrer architektonischer Schönheit einen Schmuck, der nicht hoch genug angeschlagen werden kann, und dieser Schmuck besteht aus einem Publikum, das durchdrungen vom Worte * Gottes mit Inbrunst und Verständniß sein Gebet, die alten jüdischen Gebete verrichtet; ihre Jugend verbindet mit der allgemeinen Bildung eine Kenntniß des Wo tes Gottes und eine Belesenheit in den Religionsschriften, die manchmal Fachmänner kaum besitzen; kurz diese Gemeinde erfüllt ihren Beruf mit Hingebung und Erfolg und soll'genöthigt sein, entweder' der reformistischen Hauptgecheinde beizusteuern und sich dadurch als Theilnehmerin ihrer reformistischen Bestrebungen zu bekennen oder aus dem Judenthuwe cmszuscheiden. Und in der gleichen Lage wie diese Sepäratgemeinde befinden sich die Separatgemeinden in Kerlin, Mainz, Wiesbaden, Carlsruhe, Darmstadt, Bingen rc rc. Und in fast allen Gemeinden fut* den sich Männer , die, Gesinnungsgenossen dieser Privatgemeinden, nur aus Mangel an den erforderlichen, sehr bedeutenden Mitteln keine solche zu gründen im Stande sind. Zudem führt die officielle Gemeindevertretung nur ihre eigne Sache, kämpft im Vereine mit dem verbündeten Rabbiner nur pro domo, für ihre eigene Stellung und Gerechtsamen, für die Aufrechterhaltung ihrer Macht. Wenn wir daher die beiden Theile auf ihre wahre Bedeutung zurückführen, schwindet das niederschmetternde Größenverhältniß wie es der. Herr Rabbiner darzustellen beliebt. Es bleibt noch eine Mehrheit, welche eine Minderheit in Abhängigkeit und Zinspflicht erhalten will, woggeen diese Letztere, die sich in ihren heiligsten Gefühlen, in ihrer religiösen Ueberzeugung verletzt fühlt, mit aller Kraft, die die Entrüstung zu geben vermag, sich zur Wehre setzt. Herr Eduard Lasker hat sich dieser Minderheit, dieser Schwachen angenommen und ihre Sache zu der seinigen gemacht, er ist Richter, nicht Partei, und das ganze Abgeordnetenhaus mit alleiniger Ausnahme der Ultramontanen hat sich seiner, nur auf die Beschützung des Rechtes gerichteten Ueberzeugung angeschlossen. Dies zur Nectificirung der von dem Herrn Rabbiner gegebenen Skizzirung der Parteien. ^Gehen wir nun zu dessen Beweisführung, die ergeben soll, daß die Lasker'sche. Resolution 1. rechtlich unhaltbar und moralisch bedenklich ist, 2. den kirchenpolitischen Grundsätzen unserer Staatsregierung schnurgrade zuwiderläuft, über und versuchen wir gerade das Gegentheil aus seinen eingnen Sätzen darzulegen. Was will Herr Dr. Lasker? fragt der Herr Rabbiner und antwortet darauf, Herr Dr. Lasker wolle den Juden ein größeres Recht, ein Privilegium verschaffen, das Judenthum habe keine Consessionen im staatsrechtlich bestimmten Sinne, Herr Dr. Lasker brauche aber welche, er beschaffe sie, indem er jede einzelne jüdische Gemeinde zu einer Confesston stemple und auf diese Weise fast 800 jüdische Confessionen in Preußen gewinne. Diese Gemeinden feien zwar bis auf vier ununterscheidbar gleich und auch , diese vier unterschieden sich nur durch cultuell verschiedene Gepflogenheit, aber sie sollen sich unterscheiden, wolle der Herr Dr. Lasker, warum, weil derselbe, für die Gesetzgebung das Nebengeschäft betreibe, die jüdische Confessionsbildung in Preußen zu erzeugen, die Juden in Preußen zu atomisiren. Das ist des Pudels Kern und wird daher dem Herrn Dr. Lasker der Mündliche'Räth ertheilt, der Regierung seine gesetzgeberisch e'Kra st zu Gebote zu stellen, ihr zu folge» oder ihr voranzugehen,- jedoch nur in . denselben

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