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Der Israelit · 1875-11-03 · Heft 44 (3.11.1875) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 44 (3.11.1875)
Date
1875-11-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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983 ken Sie Gott auf denKnieen, daß ich zu Ihnen komme und mich für Ihre infamen Beleidigungen und boshaften Schädigungen von Nachmittag mich nicht rächen will!" „Der Major will auf mich losstürzen wie ein Rasender, aber ich fasst seinen Arm mir der linken Hand und halt' ihn wie mit einem Schraubenstock und sag': „Haben Sie nichts verloren?" „Verloren?" wiederholt der und sieht mich wie verrückt an „freilich Hab' ich zwanzigtausend baare Gulden verloren — das ganze Legat von der Tante Gräfin, o Gott! ich unglücklicher Mensch, meine arme Frau, meine armen Kinder!" „Das Geld befand sich in einem blauen Porrefcuille, nicht wahr?" „Ja!" stammelte er. „Also, Herr Baron Godin!" schrie ich, „der Jude Moses Budweiser, von dem Sie glauben, er wolle Sie mit ein paar lumpigen Ellen Tuch betrügen . . . bringt Ihnen zwanzigtausend Gulden zurück ... Es ist nichts als Schuldigkeit, es ist wahr; und ich verlange keinen Dank; — ich will nur, daß Sie von uns Juden im Allgemeinen besser oder auch vernünftiger denken — und wie ich das sag', werf' ich dar Portefeuille auf den Tisch, daß es auffällt und die Bancozettel nur so im Zimmer wie die Schmetterlinge herumfliegen." „Erft wird mit einemmale Alles todtenstitt im Zimmer, ich Hab' geglaubt, die Flieg', die auf'der Wand kriecht, hören zu können. Der Baron aber fällt wie ohnmächtig auf den Stuhl und kann ein paar Minuten gar nicht sprechen. Dr. $ablon8ty kommt zu mir her, drückt mir die Hand und sagt: Sie sind ein sehr braver junger Mann! wo und wie sind Sie zu diesem Funde gelangt? — Ich erzähl' ihm die ganze Geschichte? Während dem hat sich der Baron wieder erholt, der Graf Lazini red't in ihn hinein und endlich kommt der Major Godin auf mich zu und sagt: Hören Sie, ich bin Ihnen wirklich großen Dank schuldig! — Dank! sag' ich lachend, nicht — das hat ja sein müssen — ich werd' mir ja nicht fremdes Geld behalten — aber vier dreiviertel Ellen feines holländisches, blaues Tuch, die Elle zu siebenundeinviertel Gulden — nicht einen Kreuzer lasst ich nach, und dann . . . zwei Groschen Sperrgeld für Auf- und Zumachen der Thore in der Judenstadt." „Wie ich das sag', sieht mich Graf Lazini, ein braver bechoweter9) Herr, erstaunt an und fragt: „Weiter verlangen Sie nichts?" — Was 8) Advocat. 9) würdiger. soll ich noch verlangen? sag' ich. Jetzt steht der i)r. Jablonsky auf und sagt: „Herr Baron, dem Herrn" — Herrn hat er zu dem Tuchmessasit gesagt — „Budweiser kommen zweitausend Gulden als zehn Procent Finderlohn, die kommen ibm gesetzlich zu;" und der Graf sagt auch, „ja, ja. ganz in der Ordnung" . . . nun denkt Euch, Ihr guten, lieben Leut', wandte sich Budweiser an fein zweiköpfiges Auditorium, zweitausendGulden soll ein Mensch auf einmal verdienen! und mit vielem Kowed 'os und ehrlich verdienen . . . Ich kann Euch gar nit sagen, wie wohl mir zu Muthe war . . . zum Glück erinnere ich mich und mach'schnell leise Broche hatow wehametif." n) „Wenn es die gesetzliche Vorschrift ist, muß ich's nehmen, sag' ich ganz in der Ordnung: Dine demalchusfo Dine, sagt der Talmud." „Was heißt das auf deutsch?" fragt der Advocat, „Dem Landesgesetz muh Folge geleistet werden". „Saperlot," sagt der Meliz daraus, „das sagt Euer vielverschriener Talmud?' „Aber, Herr Baron, Sie haben das Geld noch nicht gezählt, sag' ich." „Der zählt's wirklich e paarmal, guckt dann in's Portefeuille, wendet's hin und her, und sagt dann verdrießlich halb laut, so daß ich's hören kann, Jud' bleibt halt doch Jud' .... hundert Gulden hat er sich schon a Conto Finderlohn genommen, nicht wahr. . ich Hab'ja noch hundert Gulden extra in der Brieftasch' gehabt . . . nun 's ist eigentlich kein Gegenstand." „Herr Baron," sag' ich wieder ganz hochdeutsch, „ich bewundere Ihre Kühnheit, und ich muß es auch sagen, meine Ruhe — wenn ich es nicht Ihrer Aufregung und der überstandenen Angst zu Gute halten würde, ich möchte Ihnen eine Antwort ertheilen, wie Sie sie verdienen." „Ich finde die Reizbarkeit des Herrn Budweiser vollkommen berechtigt," sagt der Doctor ganz ernst, „Herr Budweiser ist ein Ehrenmann durch und durch. Wenn sich in der Brieftasche auch noch andere hundert Gulden befunden haben, so sind sie entweder bei dem Herausfallen des Portefeuilles aus dem Reisewagen hinausgeworfen worden oder Sie haben sie ausgegeben, ohne sich jetzt daran erinnern zu können." „Ja, das glaub' ich auch," hat sich der Graf in's Gespräch gemischt. „Lieber Kamerad, Du bist ja recht unzuverlässig . . .bistja, nimmmir'snicht 10) vieler Ehre. 11) Ein Segensspruch bei dem Eintritte eines glücklichen Ereignisses.

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