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Der Israelit · 1875-11-03 · Heft 44 (3.11.1875) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 44 (3.11.1875)
Date
1875-11-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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982 Oesterr.- Ungarische Monarchie. Wien. Die isr. Volksküche in bet Leopoldstadt hat vom 6. Oct. 1874 (Tag der Eröffnung) bis 5. Oktober d. I. 57,578 große Portionen, 275,421 kleine Portionen und 129,992 Brove verabreicht. R u h l a n d. — Einem englischen Blatt zufolge hat die englische Gesellschaft für die Bekehrung von Juden zum Christenthum, nachdem sie von der russischen Regierung die Erlaubniß erhalten, ihre Thätigkeit auf das Königreich Polen ausdehnen zu können, bereits viele Missionäre nach Warschau geschickt. Die Lokalbehörden haben aus St. Petersburg die Weisung erhalten, den Engländern jeden möglichen Schutz und Beistand angedeihen zu lassen. Mögen unsere Glaubensgenossen sich vor den ausgestellten Schlingen hüten! Feuilleton. Hitder aus dem alte« Prager Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Verf. des „Gabriel". (Fortsetzung.) „Wie die Mam' so red't, brennt's mich im Herzen . . . nit, daß ich e Minut' in Sofek war, was ich thun soll, aber daß ich der Mutter, die schon gehofft hat, ich werd' auf einmal glücklich werden, den großen Schewer lew thun soll, das hat mir am Herzen gefressen. Ich schieb', wie ich's noch immer zu thun pfleg', die Achsel in die Höh' und sag': Mutterleben, wenn Major Godin e Lump is . . . . brauch' deshalb Mosche Budweiser noch keiner zu sein . . . und — Du kannst's glauben, die Reschoim *) sind nicht immer schlechte Menschen, manchmal sind sie nur Ochsen, Behenreser*) . . . . sie können nix davor, sie kennen den Juden nicht recht, und glauben wirklich alles Schlechte von ihm . . . und dann, Mutterleben, wenn der Tat olof hascholom lebet, der saget auch: Mosche, trag' das Geld hinüber . . . Wie ich gesagt Hab', der Vater hatt' mir recht gegeben, hat nebbich die Mutter ka Wort mehr gered't, nur gesiffitztb) hat sie und gesagt: So geh' gesund und glücklich, Moscheleben, mein Kind, und alle Melochim von hakodesch bo» ruchhu*) sollen mit Dir fein heute und immer!" Budweiser machte zwar tiefbewegt eine Pause und wischte sich die aufsteigenden Thränen aus dem Gesichte — aber er blickte auch suchend im Zimmer umher. Ester war gewohnt, seine Wünsche aus seinen Mienen zu lesen; sie ging in die Küche und brachte ein Glas Bier, aus einer Kanne, die dort an einem möglichst kühlen Orte stand. Budweiser machte Broche^) — und — wir wollen es unfern geehrten Lesern nicht verhehlen — mit einem Zuge war das volle Glas geleert. — Die lange Erzählung am heißen Sommertage wirkt erfahrungsgemäß sehr austrocknend auf die menschliche Kehle, namentlich, wenn diese — wie dies bei Mosche Budweiser der Fall war — an eine zeitweilige ausgiebige Auffrischung durch Gerstensaft gewöhnt ist. Er wischte sich nun mit dem Rücken der Hand den Mund ab, rückte sein Käppchen, das ihm in seinem rhetorischen Eifer und bei seinen lebhaften Bewegungen vom Kopfe herabzurutschen drohte, zurecht, und fuhr eifrig fort: „Ich komm' auf die Kleinseite zu meinem lieben Baron Godin. Kodem koll^) hat es eine Viertelstunde gedauert, bis etwas e schlemodriger^) Bedienter aüfmacht, — der hat den Spektakel von früher mit angehört, und wie er m.ich sieht, will er mir geradezu die Thüre wieder vor der Nase zuschlagen, ich aber dräng' mich mit Gewalt hinein, und da mich der Schlingel von Bedienten nit melden will, und sich vor die Zimmerthür stellt, geb' ich ihm einen Wurf, daß er wegfliegt wie eine Feder. — Wie ich die Thüre vom zweiten Zimmer aufreiß', seh' ich zwei Herren am Tisch sitzen, und der B?ron läuft mit einem käseweißen Gesicht wie ein tolles Thier im Zimmer herum. — Die beiden Herren Hab' ich gekannt, einer war der Graf Lazini, der zweite der größte Meliz°) in Prag, vr. Jablonsky. Wie mich der Baron erblickt, fährt er auf mich los wie ein Fleischerhund." „Wie untersteht er sich, er vermaledeiter Racker, nur noch einmal vor die Augen zu treten!? Hinaus!" „Jetzt hat sich mir die Galle tüchtig gerührt; ich will ihn rechtschaffen glücklich machen, und bring' ihm sein Geld und — er, er ist ein solcher Heuochs . . . . ein solcher Flegel! — Auf einmal fang' ich an mit einer Stimme , daß er zusammengefahren is und red' ganz fein und hochdeutsch: Still! dan-- 4) Engel Gottes. 5) sprach den Scgensspruch über das Bier. 6) Bor Allem. 7) ungeschickter, tölpelhafter. t) Judenfeinde. 2) Biehcher. 8) gescusg.

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