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Der Israelit · 1875-11-03 · Heft 44 (3.11.1875) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 44 (3.11.1875)
Date
1875-11-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XVI Jahrgang. Erste Leilllge )u Kr. 44 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Wesel, im Tischri. Es wird vielleicht manchem Leser des „Israelit" angenehm sein, etwas von unseren Gemeindeverhältnissen zu vernehmen, umsomehr als unsere Gemeinde, wenn auch mit Unrecht, nicht gerade den Ruf einer religiösen genießt. Es mag dies allerdings darin seinen Grund finden, daß vor ca. 20 Jahren auch hier die Reformsucht ihr Wesen getrieben und leider manches Neue, mit unserer heil. Religion im Gegensatz stehende, zu Wege gebracht. So hatten wir eine Zeit lang gemischten Chor, das Leinen geschah ohne „Trop", viele Gebete, als pp^no non, mopn d-ös, waren gestrichen, kurz, wir waren auf gutem oder vielmehr schlechtem Wege zur Reform in optima forma. Gott sei Dank bildet nun unsere Gemeinde in dieser Beziehung einen guten Gegensatz zu vielen anderen. Durch einen gesunden Sinn, der bei ihr mit der Zeit wieder eingezogen, und durch die Gunst des Geschickes, welches gerade die Neuerer unseren Mauern entführte, ferner durch den Zuzug orthodoxer Jehudim und die Wahl eines solchen Vorstandes wurde fast allen diesen Neuerungen der Garaus gemacht und geht es, wie man zu sagen pflegt, bei uns wieder echt jüdisch zu. Eine einzige Reform hat sich leider nur erhalten, doch hoffe' ich, daß diese Zeilen dazu beitragen werden, auch diese zu ändern, da es wahrscheinlich ein alter Schlendrian ist, der diese noch beläßt. Es besteht diese nämlich darin, daß otw n'rsn und vv 'n fast ganz mit Ausnahme des letzten k'V'n gestrichen ist Hält man diese vielleicht für nicht wichig genug? In diesem Falle wäre es zu wünschen, daß der hochgeschätzte Redacteur dieser Blätter, dem auch unser resp. Vorstand große Autorität beimißt, sein Gutachten durch eine Anerkennung anbei zu äußern die Güte haben würde.*) Was die Wohlthätigkeit anbetrifft, braucht r\"2 unsere Gemeinde auch vor keiner andern zurückzustehen. Go wurde am vergangenen V'n ein Aufruf aus Memel für eine durch Brand heimgesuchte Stadt vor dem „Leinen" verlesen, mit der Bitte der beiden Vorsteher, Herren E. Benjamin *) Anm. der Red.: Wie schön und erhaben diese Gebetstücke sin-, davon kann sich auch der Ungelehrte überzeugen, wenn er > sich mit dem Inhalte derselben durch die Sachs'sche Uebersetzung > bekannt macht.! und L. Plaat, sämmtliche Gaben während heute und der drei folgenden Tage zu diesem Zwecke zu „schnobern", welchem auch nach Verhältnissen der Gemeindemit lieber auf's Freigebigste entsprochen wurde, so daß ein erkleckliches Sümmchen zusammengebracht wurde. Möge di-se Idee, das wünschen wir, bei ähnlichen Gelegenheiten, die Gott verhüten möge, in anderen Gemeinden Nachahmung finden. Schließlich wollen wir noch einer andern rühmenswerthen Thai eines unserer Mitglieder erwähnen; Herr Bernhard Günther, gebürtig aus Rhense bei Coblenz, nebst Frau, verehrten unserer Synagoge zu den n^v-Tagen ein prachtvoll seidengewirktes n:nD sowie ."iddd für den mw. Möge Gott denselben hierfür Segen und unserer Gemeinde Gedeihen schenken. F.r. Aachen, 24 Oct. „Der Israelit" hat vor zwei Jahren die Beschränkung des SchofarblasenS Seitens des Vorstandes zu Aachen auf 10 rr^p und die daraus entstandenen Opposition einer nicht unbedeutenden Gemeindeglieder-Anzahl eingehend besprochen. Damit der Vorstand von dieser unerhörten Einrichtung in diesem Jahre Abstand nehmen möge, wandten sich über 100 Gemeinde- Mitglieder durch eine Petition an denselben, der hierdurch Veranlassung nahm, die Repräsentanten (!) darüber Beschluß fassen zu lasten, welcher denn auch im Sinne des Vorstandes ausfiel. Der Antrag der Petenten, die mVip c»an*?» wieder einzuführen, wurde abgewiesen. Die in ihrem Gewissen sich gekränkt fühlenden Petenten nebst Familien genügten ihrem religiösen Bedürfniß dadurch, daß sie während der O'inun d’ö* im Hotel Hirsch einen Gottesdienst nach altherkömmlicher Weise abhielten. Danzig. Gestern am tpsna 's nzup hielt unser verehrter Rabbiner Hr. Dr. Grünfeld in der Langefuhrschen Synagoge zu Danzig seine Abschieds-- rede um einem Rufe als Rabbiner, Prediger und Religionslehrer nach Königsberg zu folgen. Die oothodoxe Gemeinde daselbst hat ihn zu ihrem Rabbiner ernannt. Sein edler Charakter, seine gediegenen gottesdienstlichen Vorträge, seine ungeheuchclte Frömmigkeit und sein ausdauernder Fleiß im Unterrichten in unserer heiligen Religion sichert ihm die Liebe aller Derer, die hier in persönlicher Beziehung zu ihm standen. Möge ihm Gottes Segen in seinem neuen Wirkungskreise folgen. ,

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