Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1875)
- Date
- 1875-11-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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980 einer, Premierlieutenant von Ulloden-Mergentheim hatte sich sogar, in Folge dessen, erschossen, obwohl Fallenberg sowohl als die Familie des Selbstmörders eifrig die Nachricht verbreiteten, der Lieutenant hatte sich unerwiderter Liebe wegen erschossen; — aber es war Vielen bekannt, daß Ulloden höchst zerüttete Vermögensverhältnisse hinterlassen. — Man begann auf Fallenberg aufmerksam zu werden, aber noch immer gelang es ihm durch feinen Reichthum und seinen Witz und Geist, der jede Gesellschaft belebte, sich in den Kreisen, in die er sich eingeschlichen, zu erhalten, seine zahlreichen Freunde und Genossen erklärten, die über ihn umlaufenden, ungünstigen Gerüchte für Uebertreibnngen und Verleumdungen. Die Ansichten über ihn blieben noch immer gelheilt, er war, wie ich so eben erwähnte, bei Vielen noch immer ein beliebter, gerne gesehener Gesellschafter." — „Vor einigen Wochen war Fallenverg mit mehreren Cavalieren beim Grafen Amberg zur Jagd geladen. Nach derselben schlug einer der Herren ein kleines jeu vor, ein Vorschlag, der von der Majorität der Anwesenden mit Jubel angenommen wurde. Tondern vermied seit meinem unglückseligen Prozesse, jeden Umgang mit Fallenberg und zog es vor, statt an dem Spiele theilzunehmen. mit dem alten Baron Brinken, einem Obrist außer Dienst, in einem Nebenzimmer, eine Cigarre rauchend, gemüthlich zu plaudern. Tondern, dem ich diese Mittheilung danke, erzählte mir das Nachfolgende mit der größten Ausführlichkeit; gestatten Sie es mir, daß ich mich genau seiner Worte bediene.ich habe sie meinem Gedächtnisse zu tief eingeprägt, um auch nur eines je zu vergessen." „Die jüngern Herren im Spielzimmer hatten zuerst lachend und lärmend gesprochen, bis das Spiel nach und nach ihre Aufmerksamkeit völlig absorbirte, und die beiden unbetheiligten Herren Tondern und Brinkeu im Nebenzimmer hörten bald nichts als die ermüdenden Worte: Teufel noch einmal! .... der verfluchte Carobub .... heute habe ich entschiedenes Pech . . . und dergleichen kurz rasch ausgestoßene Redensarten mehr . . . . Nach Verlauf einer Stunde etwa trat der Hausherr bleich, mit verstörter Miene, in das Cabinet zu den beiden Herren." „Meine Freunde! sprach er, mit vor Erregung zitternder Stimme, ich befinde mich in der außerordentlichsten Verlegenheit und muß Sie herzlichst bitten, mich in der Ausübung meiner schweren Pflicht zu unterstützen .... daß das in meinem Hause geschehen mußte!" „Womit können wir dienen? frug Oberst Brinken." „Sie wissen, sprach der Hausherr, daß Fallenberg seit längerer Zeit ungewönlicheS Glück im Spiele hat, sein großer.Reichthum ließ bisher jeden Verdacht geradezu lächerlich erscheinen . . . . aber heute, seitdem er die Bank hält, gewinnt er immense Summen in auffallendster Weise — Belkow und Rekuitz haben Beträge an ihm verloren, die über ihre Kräfte gehen .... es thut mir leid, daß eS bei mir geschieht; — aber mehr noch, eS taucht bei mir die Bermuthung auf, daß Fallenberg falsch spielt, ich beobachte ihn fett einigen Minuten — aber ich traue mir nicht die nothige Ruhe zur Beurtheilung zu ... . sonst würde ich mit Entschiedenheit behaupten, daß Fallenberg .... Karten verschwinden läßt. Sie, Herr Obrist, sind der älteste in unserem Kreise, sind ein welterfahrener Mann, Sie, Herr Baron Tondern, sind ein scharfer, feiner Beobachter .... ich bitte Sie, meine Herren, inftändigst, in das Spielzimmer zu treten und Fallenbergs Gebühren genau zu verfolgen." „Es ward bestimmt, daß, um Auffälligkeit zu vermeiden, zuerst der Hausherr in das Spielzimmer zurückkehren, dann die beiden unbetheiligten Herren eintreten sollten. Diese sahen einige sehr mißmuthige Gesichter." „Ich muß den Herren Revanche geben, sprach Fallenberg eben, ich gebe, wenn Sie eS erlauben, nochmals die Bank und halte jeden Satz . . . ." „Obrist Brinken hatte sich dem Spieltisch genährt, Tondern und der Hausherr hatten sich, scheinbar im Gespräch vertieft, auf einem Divan gesetzt. Das Spiel nahm feinen Fortgang." „Hundert Louisd'or auf die Dame, rief Belkow. Verloren, sagt kurz darauf Fallenberg und Will den Einsatz einscharren, als sich die mächtige breite Hand Brinkens auf das Gold legte." „Sie wünschen? frug Fallenberg." „Pardon .... sprach Brinken, indem er gleichzeitig den linken Arm Fallenbergs mit eiserner Faust festhielt .... Sie spielen falsch!" (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redacttvn: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofhuchhandlung I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger.)