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Der Israelit · 1875-11-03 · Heft 44 (3.11.1875) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 44 (3.11.1875)
Date
1875-11-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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979 Gattin auf offener Straße ertheilt — der Prinz sollte in den nächsten Tagen reisen, es war Gefahr in jedem Verzüge, — meine energische geisteSkraftige Frau entschloß sich rasch, — ohne sich zu umzukleiden. fuhr sie mit meiner jüngeren Tochter Clara sofort zum Bahnhofe, um schon den nächsten Berliner Zug zu benützen .... Susanne kam heim — und fand nur meine alte Magd Dina in meinem verödeten Hause .... sie fürchtete Mutter und Schwester waren der Verzweiflung erlegen, hätten ihrem dornenreichen, furchtbar zerstörten Leben in begreiflichem Ueberdrusse ein Ende gemacht und, sie allein zurückgelassen .... eine unendliche Bitterkeit, ein namenloser Schmerz, die unsäglichste Verzweiflung hatte ihr armes Herz erfaßt .... Sie kam am Abende meiner Verurtheilung an die Pforte meiner Kerkerzelle" — ich frug nach Eleonoren und Clara. — Susanne gestand mir zitternd, sie wisse nicht wo sie seien. — Beer flehte vor Aufregung zitternd um Susannens Hand — er schwur alle Eide sie glücklich machen zu wollen .... Susanne stand allein der Verfolgung meines Todfeindes, des elendesten verworfensten Menschen, auf Gottes weiter Erde, preisgegeben; mein Herz war gebrochen, mein Geist erlahmt, meine Seele in den Staub gedrückt, meine Vernunft umdunkelt — ich war jedes Urtheils unfähig — ich war über alle Beschreibung unglücklich — unsagbar elend .... ich wollte Susanne weg — weit weg von Breslau, unter dem Schutze irgend eines Mannes wissen — ich beschwor das Mädchen, Beer die Hand zu reichen — und Susanne gehorfamte meinem Wunsche mit gebrochenem Herzen!" Thränen erstickten Löwenstamms Stimme, es war wieder eine jener oft wiederkehrenden Pausen entstanden.Robert fühlte daS Bedürfniß die tiefe Stille zu unterbrechen. „Die Reise Ihrer Gattin nach der Residenz war damals wohl erfolglos geblieben?" frug er. „Der Prinz hatte Berlin einen halben Tag vor Ankunft meiner Gattin verlassen. — Meine Frau und Tochter folgten ihm zur Seestadt, aus deren Hafen die wissenschaftliche Expedition, die dieser gelehrte Prinz leitete, abgehen sollte, .... sie kamen auch da um vier Stunden zu spät; die Fregatte hatte um acht Uhr, Morgens, die Anker gelichtet, während meine Gattin mit ihrem Kinde mit dem Mittagszug anlangte . . . j „Ich war zum Ersätze des Schadens verur-! theilt worden und dieser absorbirte einen großen! Theil meines redlich erworbenen Vermögens. Die Prozeßkosten hatten den Rest desselben auf einen kleinen Betrag herabgemindert. Meiner Gattin war der Aufenthalt in Breslau verleidet.... aber doch wollte sie dort bleiben — das edle, liebe, volle Herz wollte mit mir nur dieselbe Luft einathmen — aber als nach drei Jahren auch der allerletzte Rest unseres Vermögens aufgezehrt war, als fie krank und leidend wurde und befürchten mußte, Clara schutzlos und allein zu lasten — entschloß sie sich für ihr Kind ein Asyl zu suchen. Sie kam in meine Kerkerzelle. Ich gehe, unserem Kinde eine Heimath suchen. Clara kennt noch nicht das Ziel unserer Reise. — Wozu Hoffnungen erwecken, die vielleicht nicht erfüllt werden? Lebe wohl, mein Herrmann, sollten wir uns in diesem Leben nicht wieder sehen .... so finden wir uns in einem schöner» wieder . . . . eS war das letzte Wort, daS ich von ihrem Munde hörte .... sie sank in meine Arme .... dannn riß sie sich schmerzlich los.ich habe sie in diesem Leben nicht mehr gesehen! . . . . wie diese Reise geendet, wissen Sie." Löwenstamm preßte beide Hände vor sein Gesicht, zwischen seinen Fingern quollen heiße Thranen und auch die beiden Eberstein waren tief erschüttert. Robert trat an Löwenstamm heran und legte seine Hand auf seinen Arm. „Sie haben unendlich Schmerzliches erlebt . . . . ich fühle es mit Ihnen .... aber Gott hat Sie auch wunderbar gerettet .... plötzlich und zur einer Zeit, wo Sie wohl schon alle Hoffnung aufgegeben hatten." „Ja" fuhr Löwenstamm aus seinen Träumereien auf . . . „es kam eigentlich unerwartet . . . . Fallenberg hatte in Breslau eine glänzende Rolle gespielt.... aber nach und nach tauchten Gerüchte auf, die seinem Rufe höchst abträglich wurden. Seine Lebensweise war eine höchst unmoralische und er war sogar einigemal wegen Verletzung der Sittlichkeit mit den Behörden in Conflict gerathen, aber stets gelang es seinen reichen Mitteln die Kläger auf gütlichem Wege zu befriedigen. — Auch spielte er stark und leidenschaftlich, er hatte, so hieß cs allgemein, eine glückliche Hand .... einer jener unsinnigen Ausdrücke, die sich in der Regel spater als Bezeichnungen für Betrügereien entpuppen. Fallenberg war, darüber lag kein Zweifel vor — ein reicher Mann und betrieb das Falschspielen nicht als Gewerbe, aber der Grundton dieser verderbten Seele war instinctiv Böses thun, ihn reizte es, seine Geschicklichkeit zu zeigen, mit seinen Erfolgen groß zu thun . .-V. ihn lockte der ergenthümliche Reiz auf gefährliche, aber leichte Art Geld zu gewinnen. — Er hatte schon mehreren, zumeist jungen Leuten, namentlich Officieren, große Summen im Hazardspiele'abgewonnen; einige der letzteren mußten quütiren

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