Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1875)
- Date
- 1875-11-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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977 Nerli« Die große Judenhetze, welche die „Germaniaim frommen Verein mit der „Kreuzzeitnng" in Scene zu setzen für gut befunden, Hai auf der andern Seite eine Statistik veranlaßt, deren einzelne Punkte manches Interessante bieten. Zuerst wird darin die Behauptung widerlegt, daß 90 PCL. der Gründer von 1870/73 Juden seien. Der Berliner Courszettel zählt ca. 310 hier und auswärts in den letzten Jahren gegründete Industrie. Gesellschaften auf, bei denen am meisten gesündigt ist. Die Statistik hat nun für 297 Gesellschaften mit rund 265 Millionen Thaler Kapital aus den Eintragungen in's Handelsregister, den Prospekten rc. das Material zusammengetragen rrnd es ergibt sich daraus, daß sich an den Gründungen betheiligten: 1) jüdische Hauser nach der Zahl mit 23pCt., nach dem Werth mit 16 pCt., 2) christliche Häuser mit 40 resp. 42 pCt., 3) gemeinschaftliche Gründungen jüdischer und christlicher Hauser nach der Zahl 37 pCt., nach dem Werthe 42 pCt. Vertheilt man die letzte Categorie je zur Hälfte auf die beiden ersten, so kommen aus die Juden 41,50 resp. 37pCt., auf die Christen 58,50 resp. 63 pCt. — Als ebenso unrichtig wird die Behauptung bezeichnet, daß sich von den Rückkaufs- und Pfandleihgeschäften hier in Berlin 902/z pCt. in den Händen der Juden befinden, vielmehr weist der Statistiker schon aus dem Adreßbuch nach, daß von 140 Pfandleih- und RückkaufSgefchäften nur 27 oder 19 pCt. von Juden betrieben werden. Ferner ergibt sich aus Schadens Berliner Jahrbuch, daß die Juden sich keineswegs einer „unerhörten Fruchtbarkeit" erfreuen, denn hier in Berlin kommen z. B. auf die evangelische Bevölkerung 4,40 pCt. Kinder, auf die katholische 3,28 pCt. und auf die Juden nur 2,93 pCt. — Dagegen beweist andererseits die Statistik unwiderruflich, daß Ober- und Nieder- Baiern, das Eldorado und die eigentliche Domäne der Ultramontaneu ä 1a „Germania" fortgesetzt die höchste relative Verbrecherfrequenz zeigt. Hierin, so schließt der Statistiker der „Ztg. d. Jud." seine sorgfältig gesichteten Erhebungen, offenbaren sich die Früchte der Volkserziehung nach dem Herzen der Germania! (B. Ztg.) Ehrerrfeld-Köln, im September. Einem seitens des Vorstandes versandten Circular über die Verhältnisse der Bildungs - Anstalt für israel. Lehrer entnehmen wir: Unsere vor acht Jahren in Düsseldorf errichtete Bildungs-Anstalt für isr. Lehrer besteht seit ihrer Gründung in ununterbrochener segensreicher Wirksamkeit und es ist eine für die kurze Zeit ihres Bestehens große Anzahl von kenntnißreichen, geschickten und gewissenhaften Lehrern aus derselben hervorgegangen. Unsere äußeren Verhältnisse haben sich in so fern günstig gestaltet, als wir durch eine höchst dankenswerthe Schenkung des Herrn Julius Harff in Köln in den Besitz von zwei neuerbauten Häusern in Ehreufeld gelangt sind, in welchen wir neben der Lehrer - Bildungs - Anstalt und für dieselbe eine von etwa dreißig Kindern besuchte Uebungsschule errichten konnten, an welcher unsere Seminar-Zöglinge unter der bewährten Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Plato und des Seminarlehrers Herrn Schwarzschild eine höchst schätzenswerthe Lehrgeschicklichkeit sich aneignen können. Dieses hochherzige Anerbieten des Herrn Harff, verbunden mit der, ihrer baldigen Erfüllung entgegensetzende Zusage, für die gottesdienstlichen Zwecke des Seminars eine Synagoge Herrichten zu wollen, hat uns bewogen, unsere Anstalt im Angust v. I. von Düsseldorf nach Ehrenfeld zu verlegen, um durch die Erwerbung von Grundbesitz eine neue Gewähr für den gesicherten Fortbestand derselben zu gewinnen. Trotz dieser günstigen Wendung in der Lebensgeschichte unserer Anstalt stehen wir heute bittend, hoffend und wünschend an den Pforten der Zukunft und müssen die Opferwilligkeit unserer Glaubensbrüder nah und fern für eines unserer höchsten und heiligsten religiösen Anliegen von Neuem und zwar in ausgiebigerem Maaße als bisher, in Anspruch nehmen. Wir dürfen unsere Zöglinge nicht, wie dies bisher geschehen, vor zurückgelegtem zwanzigsten Lebensjahre entlassen; wir müssen den Seminar- Cursus verlängern, damit die jungen Lehrer sofort nach ihrem Austritte zur staatlichen Prüfung zugelassen werden und ihrer Anstellung als Volksschullehrer ein staatsgesetzliches Hinderniß nicht entgegen stehe. Es muß ferner die Aufnahme in die Anstalt und damit Wohnung, Beköstigung und wissenschaftliche Ausbildung einer größeren Anzahl von Aspiranten unentgeltlich gewährt werden, wenn wir der Nachfrage der Gemeinden genügen und dem herrschenden Lehrermangel in ausreichendem Maaße abhelfen wollen. Mit den bislang uns zufließenden Mittel« kommen wir nicht aus, wenn die Anstalt sich gedeihlich fortentwickeln soll. Ungleich günstiger als die äußeren Verhältnisse, gestalten sich die inneren Zustände der gottgeweihten Pflanzstätte unserer Jugendlehrer. Wir haben die freudige Geuugthuung, über das Ergebniß einer am 17. und 18. v. Mts. vor-