Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1875)
- Date
- 1875-11-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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976 „Der durch Sein Wort das Firmament erschaffen und durch den Hauch Seines Mundes der Schöpfung unzähliges Heer." Doch nun, gute Nacht, lieber Leser! Schon herrscht im Gasthofe, in welchem mehr als 300 Gäste wohnen, tiefe Ruhe; denn Alles begibt sich hier frühzeitig zu Bette, um morgen den Sonnen- Aufgang nicht zu versäumen. (Forts, folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 28. Oct. Vor allen höheren Fest, tagen macht der Herausgeber dieser Blätter beim hiesigen Kaiser!. Königl. Festungsgouvernement die Anzeige, auf welche Tage die Feier fällt, und es werden dann die isr. Soldaten durch Gouvernements-Befehl vom Dienste dispensirt. Da es nun am verflossenen Neujahrsfeste vorgekommen, daß trotz deS ergangenen Befehls isr. Soldaten zum Dienste waren angehalten worden, so richteten wir eine Beschwerde an Se. Excellenz, den Gouverneur General von Doyen, welcher in Folge dessen eine strenge Untersuchung einleiten ließ; am Versöh- »ungStage und am Laubhüttenfefte wurden dann kein iSr. Soldat zu irgendwelcher Dienstleistung beordert. Brrttenwiefe«. Ich erfülle hiemit die traurige Pflicht, einem Ehrenmanne den verdienten Nachruf zu widmen. Herr Bernhard Leiter, unser seit 26 Jahren würdiger Cultusvorftand, hat unsere ganze Gemeinde durch seinen Hintritt in tiefste Trauer versetzt. Seltene Eigenschaften zieritn diesen Mann. Er war ein Lei» im wahren Sinne des Wortes, was er nicht blos durch sein Agenes Leben bethätigte, sondern auch durch die echt-jüdische Erziehung seiner Kinder. Zu dieser großen Eigenschaft, die er mit unserem Stammvater Abraham gemein hatte, kommt noch eine andere, die ihn ganz besonders zu seinem Amte als Cultusvorftand befähigte und ihn so Großes leisten ließ; er war ein rpni am# ein Frieden liebender und Frieden erstrebender Mann, der sich die Liebe und Achtung nicht nur der ganzen Gemeinde, sondern auch Aller, die mit ihm in nähere Berührung kamen, erworben hatte. Wir haben in ihm auch noch einen vorzüglichen pya verloren, der eS verstand durch seinen innigen, herzlichen Vortrag auch die harten Herzen zu rühren; Jeder empfand, daß dieser Mann mit Gott sprach, daß ihm das Gebet aus tiefstem Herzen kam. Auch die politische Gemeinde verliert in ihm ein tüchtiges, ehrenwerthes Verwaltungsmitglied, ja, wohin wir blicken, fühlen wir den herben Verlust, und in bitterem Schmerze müssen wir klagen, daß eine Zierde unserer Gemeinde, eine Zierde des Judenthums, ein selten edler Mann uns entrissen worden. Für unsere Gemeinde ist er unersetzlich. Möge der Vater der Waisen und Wittwen seiner verwaisten Familie, seiner verwaisten Gemeinde Trost schicken und die Zurückgebliebenen in dem Vorsatze bestärken, dem edlen Todten nachzueifern und zur Kräftigung und Erhaltung unserer Gemeinde gleich ihm durch Gottesfurcht und Friedliebe beizutragen! Bädigheim in Baden. Die isr. Gemeinde zu Bödigheim hat jüngst auf eine erfreuliche Weise kundgegeben, wie sie treue Pflichterfüllung, so wie tüchtige Leistungen im Unterrichtsfache, zu würdigen und anzuerkennen versteht. Dorten wirkt seit 26 Jahren mit unermüdetem Eifer Herr Samuel Steinhardt als Lehrer. Die Gemeinde wollte ihrem Lehrer auch durch ein äußeres Zeichen ihre Liebe und Verehrung für sein langjähriges, verdienstliches Wirken beweisen. Am 13. dss. versammelte sich der Synagogenvorstand, an ihrer Spitze Herr Elias Lindheimer, um Herrn Steinhardt im Namen der Gemeinde ihre Anerkennung auszusprechen, bei welcher Gelegenheit ihm ein schöner silberner Pokal aus Dankbarkeit überreicht wurde. Berlin. An den Schwurgerichtshof des hiesigen Stadtgerichts hatten sich vier isr. Geschworene mit der Bitte gewendet, sie von der Theilnahme an den Sitzungen während der jüdischen Feiertage zu dispensiren. Am vorigen Mittwoch hat der Gerichtshof über den Antrag Beschluß gefaßt und dem Gesuche in bereitwilliger Weise stattgegeben. Einer der Herren nur wurde dahin beschieden, daß er, weil sonst nicht die gesetzlich vorgeschriebene Anzahl von auszuloosenden Geschworenen erscheinen könne, also erst neue Ersatzgeschworene designirt werden müßten, zur AuSloosung mit zur Stelle komme, daß er aber gleichzeitig mit Bestimmtheit darauf rechnen könne, im Falle der AuSloosung abgelehnt zu werden. — Der zum außerordentlichen Professor in der hiesigen medizinischen Fakultät ernannte Privatdocent Dr. Senator ist derselbe, der vor einiger Zeit zum Director der Klinik in Jena designirt war. Die mit ihm eingeleiteten Verhandlungen wurden damals abgebrochen, als es der betr. thüringischen Behörde bekannt wurde, daß Senator ein Jude sei. (I. Pr.)