Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1875)
- Date
- 1875-10-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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957 die Probe empfohlen, ist ein HenochS .... und damit Sie nit meinen, gnädiger Herr, ich prahl mich, werde ich Ihnen gleich einen Beweis meiner Kraft geben, S i e sind mir zu kostbar dazu — aber an dem, ich zeig' auf Jakow, dem Untam — der mit offenem Maul und Augen dasteht, wie vom Himmel heruntergeschneit — und nahm den mit der linken Hand bei den Füßen und heb ihn wie eine Feder in die Höhe .... Sehen Sie, gnädiger Herr, sag' ich, das kann in der ganzen Welt Gott Lob kein zweiter Mensch außer Moses Budweiser .... Mein Vater war Synagogendiener und hat auf einer Leiter stehend einen dritthalb Centner schweren Messingleuchter allein heruntergehoben. .... dann setzt ich meinen lieben Jakow — den Untam — wieder auf die Erde.Sie sehen, sag' ich, mit Ihren beiden Bedienten und mit Ihnen, gnädiger Herr — und im ärgsten Fall mit noch einem ganzen Dutzend solcher Herren, werde ich ganz allein fertig.dann packte ich meine Tuche zusammen. — Der Baron hat großen Respekt vor meiner Gewure 3) bekommen, hat seine zwei alten Bedienten nit gerufen und nur mole Chemo4) gefragt: Komm' er mir nie wieder vor die Augen; betret' er nie wieder die Schwelle meines Hauses. — Ich werd' mich hüten, antwortete ich.solche Kunden, die nichts kaufen und noch Tuch verbrennen, einem armen Diener aus Muthwillen Schahen machen, kann ich so nit brauchen . . . ." „Geh er nur/' schreit der Major, „schau er jetzt nur, daß er fortkommt" .... ich geh fort — und wirst Du's glauben, Ester, daß ich — Moses Budweiser — in zwei Stunden wieder in das Haus zurückgekehrt bin?" „Nein, — das möchte ich nicht glauben," meinte Ester erstaunt. Die Mutter lächelte, sie kannte ja die merkwürdige Geschichte dieses Tages, der ihres Gatten bescheidenes Lebensglück begründete. „Hör' nur aus, Esterleben," sagte sie. . „Du wirft Dich staunen!" fuhr Budweiser fort. „Wie wir aus dem Haus gehen, zankt sich noch Jakow, der oben wie Loth's Weib — wie e Salzstang' gestanden, und mir nit mit e Wort geholfen hat, den Rosche3) abzuwehren — daß ich dem Baron das Vitriolöl auf den Rock geschüttet; sein Vetter wird dadurch Graf Lazin's Kundschaft verlieren! Liegt mir auch nit viel auf, sag' ich in der 3) Kraft, Stärke. 4) Voll Zorn. 5) Judenfeind. Rigse8). Du ließest Dir Port in Ponim werfen*)! . . . komm jetzt schnell, meine Mutter und Schwester werden schon zu Haus mit dem Frühstück warten; ich geh' nicht mehr im Markt hinaus, ich geh* gleich nach »Hause .... da sagt der . . . Untam ru mir: ich Hab' da zweihundert Gülden bei mir, die muß ich noch zu einer Kundschaft von uns tragen; sie wohnt am hohlen Weg8), Du mußt mich begleiten; allein trau' ich mich nit bei Nacht mit so viel Geld zu gehen! . . . hungrig wie ein Wolf, abgejacht8) von den Mischpotim") bei dem Baron, voller Sorg' die Mam und die Schwester zu Haus, werden nit wissen, warum ich so lang' ausbleib', werden glauben, ich bin in'S Wasser gefallen; — soll ich mit Jakow noch in der Nacht spazieren gehen. Laß es bis morgen, sag' ich . . . Nein, gibt mir Jakow Tschuwo, der Beamte, dem ich's bringen soll, braucht's notwendig morgen früh. —Im Grund bin ich ja doch ein guter Mensch . . . geh* ich mit. . . aber das sag' ich ihm gleich, warten thu' ich nit auf ihn . . . er gibt ja das Geld ab . . . was kann dann weiter passiven? . . . endlich leniasel tow")! wir kommen zur Wohnung des Beamten, Jakow geht hinauf, und ich lauf* waS ich kann durch die Spornergaff' nach Hause . . . bei all' dem Laufen, müßt Ihr wissen, Hab' ich noch die zwei Stücke Tuch ans der Schulter! . . . Wie ich da so durch die Spornergaff' geh', kommt auf einmal der Mnd prächtig aus den Wolken heraus — fällt mir ein, ich Hab' ja noch nicht die Lewone mekadesch gewesen") — das darf man doch nicht versäumen, ich leg' die Tuche neben mich auf die Erde und bin die Lewone mekadesch^). Wie ich da so steh' und pläple kommt auf einmal — besser soll ich von Frad ") wissen, als ich noch heut' weiß, wer es war — entweder war'S e Schickerer") oder poschit") ein Rosche"), der sich den Spaß macht, einen Juden in e Grub' zu stoßen — aber eigentlich war's doch ein Schliach ") Gottes boruch hu^)! — Also kurz, etwas e langer Mensch kommt und stoßt mit aller Gewalt in 6) int Hörne. 7) Builve (Stroh oder Abfälle) in's Gesicht werfen. 8) Straße auf der Prager Klein'eite. 9) geärgert. 10) Streitigkeiten. 11) zum güten Glück! 12) Benediction über den Neumond gebrochen. 13) spreche das Gebet bei Anblick des Neumondes. 14) flüsternd die Lippen bewege. 1b) Freuden. 16) Betrunkener. 17) geradezu. 18) böser Mensch, Judenfeind. ]9) Bote. 20) Gelobt sei Er.