Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1875)
- Date
- 1875-10-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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O daß daS logische Verfahren des Herrn vr. Wassermann nicht hinter seiner classischen Predigt zurücksteht. (Und noch immer keine Trennung in Württemberg? Noch immer eine Gesetzgebung, die das ganze Württembergische Judenthum einem solchen — Kirchenrath unterstellt? Ihr Schläfer, wann, wann werdet Ihr erwachen? Was ist gegen diese Wasser- Mann-) Predigt des verstorbenen Maier Stuttgart-Jerusalem? — Red.) Stolp, 25. Sept. In der jüngsten Stadtverordneten-Sitzung erklärte sich die Versammlung damit einverstanden, daß vom 1 Oktober d. I. ab der jüdische Religionsunterricht im hiesigen Gymnasium obligatorisch eingeführt und dem betreffenden Lehrer eine jährliche Remuneration von 300 Mark gezahlt werde. (N. St. Z.) Berlin. Ein Herr vr. Schwerin war zum Localinspector der 4. Gemeindeschule designirt worden. Als indessen das wohllöbliche Provinzial- Schulcollegium in Erfahrung brachte, daß vr. Schwerin ein Jude sei, verweigerte dasselbe rundweg dessen Bestätigung. Die Schuldeputation des Magistrats hat gegen diese Verfügung Recurs eingelegt. England. London. Man wird sich erinnern, daß der verstorbene Alderman Sir David Salomons dem Stadtrath von London zur Aufbewahrung in der Gxildhall-Bibliothek den Silberschmuck vermachte, welcher ihm von den Juden, bei Gelegenheit der Erlangung des Sherifsamtes, zum Dank für seine Bemühungen zur Beförderung der Religionsfreiheit überreicht worden war. Er übergab ferner dem Stadtrath die Summe von L. 1000 „als Anerkennung für ihre beständigen Bemühungen zur Verbreitung der religiösen Toleranz, welche einen so günstigen Einfluß auf die Lage der Juden ausgeübt haben". Der Verwaltungsrath der Bibliothek hat sich vor Kvzem mit der Frage beschäftigt, wie diese Summe zu verwenden sei, und hat beschlossen, L. 300 zum Ankäufe der jüngern Werke der jüdischen Wissenschaft zu bestimmen. Zu diesem Entschluß bewog ihn die Thatsache, daß bereits durch ein Vermächtniß des Herrn Philipp Salomons, Bruder des obengenannten Aldermans, bestehend in ungefähr 400 Bänden, der Anfang zu einer Bibliothek der jüd. Wissenschaften gemacht ist. Man beschloß ferner, außer der obigen Summe L. 600 zur Anschaffung von Büchern anderer Wissenschaften zu verwenden. (I. L. N.) 956 Rumänien. Bukarest, 10. Oct. Eine wichtige Streitfrage ist dieser Tage prineipiell entschieden worden. Nachdem nämlich den Israeliten das politische Wahlrecht durch die Verfassung ausdrücklich vorenthalten wird, so waren viele der Meinung, daß ihnen wenigstens das kommunale Wahlrecht in den Städten, wo sie Häuser besitzen dürfen, nicht bestritten werden kann. Diese Meinung ist nun von dem hiesigen Cassationshofe verworfen worden. Anläßlich des speciellen Falles nämlich, daß die jüdischen Hausbesitzer in Jassy ihre Aufnahme in die Gemeinde-Wählerlisten forderten, kam diese Streitfrage im Zuge der Instanzen bis vor den Cassationshof in Bukarest, und dieser erklärte in letzter Instanz, daß dem Israeliten auch keine kommunalen Wahlrechte zustehen. Rußland. Odessa, 13. Oct. Es wird als bemerkenSwerthes Ereigniß bezeichnet, daß der Kaiser einen vort ä'ep66-Junker Israel. Confession zum Offizier ernannt hat. Thatsächlich haben wir es bei der Beförderung des Herrn Freymann mit einem Novum zu thun, da bis jetzt kein Jude in Rußland Offizier werden konnte. Feuilleton. Iildcr aus dem alte« Prager Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Berf. des „Gabriel". (Fortsetzung.) „Nun weißt Du, Esterleben, daß ich boruch Haschern*) ein Gibor^) bin und damals war ich zwanzig Jahre alt. Ich sag' daher ganz ruhig: Gnädiger Herr Baron, bemühen Sie Ihre zwei Bedienten nicht — das sind zwei alte Menschen, denen der Hunger aus dem Gesichte sieht — mit der einen Hand — ich meine die linke, werfe ich alle beide zum Fenster hinaus ..... Sie dürfen mir'S glauben, Herr Baron, ich heiße Moses Budweiser und sage nie eine Lüge, auch nicht wenn ich sag: daS Blau ist echt, und der Herr, der Ihnen 1) Gott Lob. 2) Kraftmensch.