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Der Israelit · 1875-10-27 · Heft 43 (27.10.1875) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 43 (27.10.1875)
Date
1875-10-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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952 gelegt, daß es in der Kanzlei ausgebrochen. Der Brandstifter konnte nichts Anderes beabsichtigen, als die darin befindlichen Schriften zu vernichten; ein Act der Rache hätte leichter und sicherer — etwa durch einen Waldbrand — ausgeführt werden können Den Einwand, daß es mir bei meinem intimen Verhältniß zu Baron Tondern leicht geworden wäre, den mir gefährlichen Schlußschein zu entfernen, widerlegte er dadurch, daß er behauptete , meine späte unerwartete Ankunft auf Schloß Kaltberg hatte eben diesen Zweck gehabt, nachdem aber der Kanzleischlüssel in Verlust gerathen, und er — Fallenberg — mir zuvorgekommen, hatte ich rasch meinen Plan geändert, und mich zur Brandlegung entschlossen. Selbst die mit eigener Lebensgefahr bewerkstelligte Lebensrettung der drei Kinder mußte Fallenberg als eine Regung meines schuldbeladenen Gewissens, als das fieberhafte Bestreben, mich durch eine außergewöhnliche That jedem Verdachte zu entziehen, darzustellen, namentlich die Rettung des dritten Kindes zu einer Zeit, wo eine große Zahl von Menschen, darunter der eigene Vater, schon an der Brandstätte anwesend waren, und ich vor Ermattung erschöpft zusammengebrochen war. Zu meinem größten Unglücke war eS durch Zeugen erwiesen, daß ich diese Nacht das Schloß nach zehn Uhr verlassen und erst spät um Mitternacht zurückgekehrt sei, was ich selbstredend nicht leugnete. Was konnte ich zu so außergewöhnlicher Zeit anderes gethan haben, als mir die Mittel zur Brandlegung zu verschaffen? Meine wahrheitsgetreue Erzählung der Begebenheiten dieses Abends, des Gespräches Fallenbergs mit dem Oberdrescher Olbig, das ich behorcht, fand keinen Glauben , und beide stellten dies auch entschieden in Abrede ... wie ich schon erwähnt habe, sprachen alle Umstände gegen mich! . . „In der ersten Zeit war die allgemeine Stimmung für mich. Den gegen mich zeugenden Umständen gegenüber warf man meine vollkommen makellose Vergangenheit in die Wagschale .... aber später änderte sich auch das. . . . Meine Freunde, lassen Sie mich rasch über diesen fürchterlichen Zeitraum meines Lebens hinwegeilen . . . Sie kennen das schreckliche Resultat ... ich wurde der Fälschung, des Betruges, der Brandlegung in Folge übereinstimmender Thatsachen für schuldig erklärt — und zu zehnjähriger Kettenstrafe und Ersatz des Schadens und der Kosten verurtheilt. Als mildernd wurde meine Unbescholtenheit, die Lebensrettung der drei Kinder bei dem Strafausmaße berücksichtigt; als erschwerend meine Sellunj als beeideter Makler, meine freundschaftlichen Beziehungen zu Baron Tondern, meine geordneten BermögenSverhältnisse, welche die verbrecherische Handlung um eines so relativ geringen Betrages, als es die Maklergebühren waren, um so strafbarer erscheinen ließen." „Was ich während Weser Zeit gelitten, kann ich Ihnen wahrhaftig nicht schildern.... das Schicksal meiner unglücklichen Familie zerriß meine Seele, folterte meinen Geist, erfüllte mich mit unbeschreiblicher, unsäglicher Qual!" Löwenstamm hielt wieder erschöpft inne, seinen Augen entstürzten Thränen. „Versuchten Sie es nicht, Fallenberg der Fälschung zu bezichtigen?" frug Robert, sich die Augen trockend. „Ich that dies . . . aber ich fand keinen Glauben. Es war nicht möglich nachzuweisen, daß Fallenberg ein Interesse habe, dieselbe vorzunehmen. Mir mangelte sowohl ein thalsachlicher als ein moralischer Stützpunkt für meine Behauptung." „Sie hätten dem Gerichte miltheilen sollen, daß Fallenberg uw Ihre Tochter geworben, daß Sie ihm ihre Hand verweigert, und daß ihn Rache zu dieser entsetzlichen Anklage veranlaßt hatte," meinte Carl nach einigem Nachdenken. „Der Gedanke lag so nahe, daß er gleich bei dem ersten Verhöre in mir aufstieg, aber ich wollte mein armes unglückliches Kind nicht nutzlos in diese unselige Angelegenheit verflechten, um so weniger als ich gewiß keinen Glauben gefunden hätte — aber Susanne hatte sich zu der öffentlichen Schlußverhandlung als Entlastungszeuge gemeldet, sic sprach mit schwunghafter Rede, mit überzeugender Kraft und Wärme — aber sie konnte keine entkräftenden Fakta anführen. — Sie erregte allgemeine Anerkennung und Bewunderung — mein Schicksal vermochte sie nicht zu ändern!" Bei der Schlußverhandlung hatte sie auch ein junger Schauspieler, Namens Beer, kennen und lieben gelernt — er wurde der Gatte meiner Susanne , die sich von Alfred verlassen glaubte, die dem Fremden, Unbekannten nur deßhalb — widerstrebend — die Hand reichte, um mich über ihr Schicksal, ihre Zukunft zu beruhigen. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Rcdaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger.)

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