Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1875)
- Date
- 1875-10-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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951 „Das Eine ist durch Gottes Hilfe geschehen, man braucht das Andere nicht zu lassen, replicirte ich." „Ich stellte mich an die Spitze der Löschenden, außer der Schloßspritze waren mittlerweile auch aus der benachbarten Fabrik Löschapparate angelangt ... es kostete große Mühe, erst nach zwei Stunden war man vollkommen Herr des Feuers geworden. Dieses hatte furchtbar gewüthet, e8 waren alle Heu- und Getreidtztzorräthe auf dem Boden zu Grunde gegangen, fämmtlicheKanzleirequifiten waren ein Raub der Flammen, der ganze Flügel war zerstört. Es war noch ein Glück für den Baron, daß der feuerfeste eiserne Geldschrank, trotzdem er einen Stock hoch herabfiel, unversehrt und der Inhalt unbeschädigt blieb ..." Löwenstamm hielt wieder inne. Sein geistiges Auge schweifte in die Vergangenheit zurück, die von dem Zeitpunkte dieser Begebenheit bis vor Kurzem eine unendlich traurige gewesen war. „Der Brand war," fuhr Löwenstamm fort, — „das schien außer Zweifel zu sein, in der Kanzlei ausgebrochen, das Wie? blieb vorerst unermittelt. Ich hatte mich den weitern Danksagungen der glück lichen Eltern durch meine Abreise entzogen und kehrte nach Breslau zurück." „Die Erlebnisse, die ich und Tondern erfahren, waren von so hervorragendem Einflüsse gewesen, daß alles Andere und daher auch die Oellieferungs- und Schlußzettelangelegenheit für eine Zeit in den Hintergrund trat; — aber als Fallenberg mit seiner Forderung auf weitere Lieferung des strittigen Quantums Raps beharrte, als er behauptete, ein zehnmal größeres Quantum geschlossen, einen Schlußbrief darüber in Händen zu haben, mußten Baron Tondern und ich diesem Gegenstand wieder unsere vollste Aufmerksamkeit zuwenden. Die Bücher des Barons hatten in der eisernen Spinde gelegen und waren daher unversehrt geblieben. Diese wiesen nach, daß Baron Tondern nur dreitausend Centner verkauft und nur eine Angabe von dreitausend Thaler erhalten hatte. Fallenberg forderte, es möge ihm von Tondern sein Gegenschein vorgewiesen werden, aus diesem würde sich die Richtigkeit seiner Behauptung ergeben. Dieser war aber verbrannt. Einer alten unpraktischen und unzweckmäßigen Uebung des Baron Tondern zufolge wurden die Schlußzettel in einer Mappe, die an der Wand hing, aufbewahrt. Fallenberg schüttelte bei dieser Mittheilung bedenklich den Kopf. Die von der Assecuranz entsendete Commission hatte die, wie sich später herausstellte, vollkommen richtige Behauptung aufgestellt, der Brand sei angelegt gewesen, und sei in der Kanzlei ausgebrochen. Man hatte dort Klumpen, offenbar von geschmolzenen Schwefelfaden herrührend, gefunden. Fallenberg erkundigte sich, wer bei Ausbruch des Feuers in der Nähe gewesen, wer es entdeckt hatte, und erfuhr, — allerdings unter Anpreisung meiner heldenmüthigen Rettung der drei Kinder, daß ich es gewesen; — und auf dieses unleugbare Factum bastrte er seine furchtbare Anklage gegen mich auf Betrug» Fälschung und Brandlegung." „Seine Anschuldigung war im ersten Augenblicke von Jedermann als eine niederträchtige, als eine lügenhafte verdammt worden, aber, meine theuern Freunde, bei einer näheren Beleuchtung sprachen merkwürdigerweise alle Umstände entscheidend gegen mich." „Bedenken Sie wohl, meine theuern Freunde, Fallenberg hatte einen Schlußzettel des Baron Tondern über das zehnfache Quantum, das in der That geschloffen worden war, in Händen, die Bücher des Letztern aber wiesen ein geringeres Quantum und den Empfang von nur dreitausend Thalern nach. Der Schlußzettel Tonderns, den Fallenberg in Händen hatte, war offenbar gefälscht. Fallenberg hatte Zeugen, daß ich ihm einen Schein überbracht hatte. Ich stellte nicht in Abrede, dem Baron Tondern nur dreitausend Thaler Angabe gebracht zu haben, — Fallenberg wies eine Quittung über den zehnfachen Betrag aus, und wies in seinem Cassabuche nach, einen dem größer« Quantum entsprechenden Maklerlohn gezahlt zu haben. Ich forderte die Vorlage der Fabriksbücher, aber diese brachten kein Licht in diese Angelegenheit, da die geschlossenen Quantitäten erst nach deren Ablieferung in den Fabrikbüchern zu erscheinen hatten, die von Fallenberg — der zugleich der Banquier der Actienfabrik war — geleisteten Vorschüsse wurden demselben am Schluffe der Campagne mit Zinsen zurückgezahlt. Kein anderer als ich hätte an der Fälschung des Schlußscheines ein Interesse haben können. Die Preise der Oelsaaten hatten sich vom Abschluß bis zur Ablieferung kaum verändert und das mehrgeforderte Quantum Wäre mit einem sehr mäßigen Verluste zu beschaffen gewesen, ich aber hatte nach Fallenbergs Angabe einen zehnfach größeren Maklerlohn erlangt. Der Gegenschlußschein, der zu meinen Gunsten hätte sprechen können, war verbrannt, der mitunterfertigte Fabriksdirector mittlerweile gestorben. Tondern selbst mußte einräumen, daß er im vollsten Vertrauen zu mir die Schlußscheine, die ich ihm brachte, nicht aufmerksam geprüft hatte, daß er moralisch vollkommen von der Richtigkeit meiner Angaben überzeugt, aber allerdings einen Eid hierüber nicht ableqen könnte. Fallenberg wußte in scharfsinnigster Weise Alles zu meinen Ungunsten darzustellen. Es war erwiesen, daß das Feuer an-