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Der Israelit · 1875-10-27 · Heft 43 (27.10.1875) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 43 (27.10.1875)
Date
1875-10-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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950 in das Judenthum. Der Convertit war ein junger Jude aus Jaffa, Namens Joseph Hazan, der vor drei Jahren zum Christenthume üb erlrat, sich aber darin nicht glücklich fühlte. Er bestieg die Tebah (die Tribüne des VorbeterS) und dort recitirte er mit gefalteten Händen und thränenerfüllten Augen das hebräische Glaubensbekenntniß, erkannte feine große Sünde an und bat Gott ernstlich ihm zu verzeihen. Dann redete ihn der Oberrabbiner der Gemeinde, Dr. Artom, u. A. wie folgt an: „Sie haben in der That eine fürchterliche Sünde begangen — eine Sünde, der unsere glorreichen Vorväter tausendfache Foltern und Tod vorzogen. Außer Stande, die Bürde der Armuth zu ertragen, ließen Sie sich verleiten, Ihre Religion zu verlassen , Ihre Seele für eine Handvoll Geldes zu verkaufen. Aber Sie haben tiefe und aufrichtige Reue bezeigt; Sie haben Ihren unerschütterlichen Glauben an die Doktrinen -es Judenthums versichert. Sie haben mich gebeten, Sie wieder unter ihre früheren Brüder aufzunehmen. Als Diener einer Religion des Erbarmens gewähre ich Ihr Gesuch." Feuilleton. Ha«» Eber». Erzählung von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel". (Fortsetzung.) „Ich mußte rasch bedenken, was jetzt das Zweckmäßigste sei. Der Rauch belästigte mich schon im hohen Grade, und ich mußte befürchten, daß die Kinder bei längerem Verweilen in dieser Atmossphäre ersticken müßten. Die zwei Mägde waren, der ersten instinctiven Eingebung der Selbsterhaltung folgend, von dem hahen Gange heruntergesprungen und hatten mich mit den Kindern allein zurückgelassen. Eine war glücklich aus einen Heuhaufen gefallen, die zweite hatte, wie ich später erfuhr, einen Fuß gebrochen . . . man hatte die Feuerspritze aufgefahren und wollte zu löschen versuchen, aber jede versäumte Minute war kostbar, konnte unwiderbringlich verloren gehen . . . Endlich rief ich den Knechten zu, rasch eine Leiter zu bringen, gleichzeitig rief ich mit einer Donnerstimme, die das unheimliche Geprassel des zusammenstürzenden Dachgebälkes übertönte, man solle Bettstücke und Decken auf den Hof legen ... ehe man die Leiter herbeischaffen konnte, hatte man rasch Federpolster, die bei der Hand waren, auf den Hof geworfen . . . ES war vielleicht der letzte Augenblick, der mir übrig blieb . . . Ich empfahl meine Seele dem allmächtigen Gotte, einen Segensspruch für meine Familie . . . dann wagte ich in Gottes Namen den Sprung! meine Freunde, einen Sprung, wohl drei Klafter tief, mit zwei Kindern am Arm, während ringsum die Flammen unheimlich knisterten und ich befürchtete, das Haus würde über mich zusammenftürzen! . . . Der kühne Sprung gelang durch Gottes Hilfe — ich fiel, vom Schrecken und vor Aufregung betäubt, vom Luftdrucke fast erstickt, zu Boden, ober ich hielt beide Kinder fest, unversehrt an meine Brust gedrückt ... sie waren gerettet!" „Zu meinem furchtbaren Entsetzen bemerkte ich jetzt, daß die Amme das dritte Kind nicht gerettet hatte. Es war jetzt eine große Zahl von Leuten am Hofe versammelt, die wohl mit frischer Kraft den Rettungsversuch hatten wagen können, in erster Linie war Tondern selbst hierzu verpflichtet — aber die ungeheure Aufregung des Momentes ließ keine Ueberlegung in mir aufkommen; dem eigenthümlichen Gesetze geistiger und moralischer Trägheit folgend, das bei entflammtem Enthusiasmus den Menschen gebieterisch, ihm selbst unbewußt, auf guter Bahn fortbewegt, einer vernünftigen Ueberlegung unfähig, nur dem Drange, der blinden Eingebung meines Herzens folgend, bedenke ich nicht, daß auch mein Leben ein theures Gut, daß ich die Stütze nieiner Familie sei; ersteige die mittlerweile herbeigeschaffte Leiter, dringe nochmals in die brennende Kammer.und durch GotteS Hilfe gelingt es mir, auch das dritte Kind dem sichern Flammentode zu entreißen ... es war die höchste Zeit — als ich, dieses am Arme, den Boden erreicht hatte, brach der ganze Dachstuhl krachend und prasselnd zusammen. Baron Tondern und seine Frau waren fast wahnsinnig vor Entzücken. Sie fielen mir in lautem Jubel um den Hals, küßten Mick und Tondern rief: So wahr Gott lebt, daS Will ich Ihnen in der letzten Stunde meines Lebens nicht vergessen. — Ich erholte mich rasch, die frische Luft that mir wohl, der Anblick der überglücklichen Mutter, die ihre geretteten Kinder inbrünstig an ihr Herz drückte, erfrischte mich wunderbar." „Jetzt ist zwar das Wichtigste geschehen, Freund, sprach ich zum Baron; aber wir müssen auch trachten, Ihr Eigenthum zu schützen und zu retten, soviel als möglich." „Löwenftamm, entgegnete dieser, Sie haben mir das Kostbarste auf Erden gerettet . . . lassen wir das Andere niederbrennen.... ich bin zu glücklich ..."

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