Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1875)
- Date
- 1875-10-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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949 Die Hauptursache aller Nebel ist der nsc? ^n. Wer den Sabbat entweiht, ist oft auch zu andern Thaten fähig. — Denn die Hauptursache des Mw ist der Materialismus unsereZeit, d. h. die vorherrschende Richtung der Zeitgenossen auf Erwerb und Genuß. Das Streben nach Erwerb wird vom Grade der Genußsucht bestimmt. Je größer die Genußsucht, desto größer ist das Streben nach Erwerb. Kann der Erwerb die Genußsucht nicht ganz befriedigen, so wird oft nach unerlaubten, unmoralischen Mitteln gegriffen. - Mir sind Fälle bekannt, daß ro» falsche Wechsel gemacht haben, meineidig geworden sind, von den strengen Sabbathaltern ist mir nicht ein Fall bekannt. Wie gut wäre es im Interesse des wahren Judenthums, hierüber, statistisches Material zu sammeln, um zu constatiren, daß der talmudische Grundsatz rfcia minn bzb idid rona» y?rp ioid seine volle Berechtigung hat. Wie traurig sieht es in unserer Gemeinde, mit dem rav aus. — Während in andern großen Städten (Berlin, Breslau) mehrere Geschäftslocalitäten am Sabbat geschlossen sind, ist in unserer Gemeinde auch nicht ein Geschäft geschlossen. Selbst am heiligen rutpn tcwi waren viele Geschäftslocale geöffnet. nj'N oprun p nj\NK? nsns ia »not p pyvV '21 UN Rabbi Simeon ben Jochai lehrte: „Jeder Ruin, der nicht von den Großen ausgeht, ist kein Ruin." D. h. mit andern Worten, die kleinen richten sich stets nach den großen, angesehenen Männern. Und weil eben myn wbu, hochachtbare, gebildete Männer den Ansang mit dem n"-i gemacht haben, fanden sie treue Nachahmung. — Ich weiß wohl, daß nach dem ■noton jh der Sabbat ein größerer Feiertag ist als n"i, aber das Volk denkt anders darüber. Und hier ist vielleicht auch das alte Wort anzuwenden 'in pis “m Nay na. Höre auf die Volksstimme. Vergl. übrigens Neh. Cap. 8. Auch am um dt waren zwei Geschäftslokale geöffnet. Man kann wirklich mit dem Talmud sagen: TD'ipra jnnn p’K a:nu bv 'nn'£2 P'sn Q’yun „Die Gottlosen bereuen auch im letzten Augenblicke ihre Sünden nicht." Aber n"2, daß in hiesiger Gemeinde noch einige wahre, fromme Juden vorhanden sind. Dieselben suchen mit großen Opfern das Judenthum zu erhalten. Und diese Wenigen können mit Hillel sagen tnsn UN dn" wenn wir da sind (im Tempel) ist alles (die ganze Gemeinde) da. Denn die meisten Mitglieder der Gemeinde kommen nur dreimal im Jahre nach der Synagoge. Ueber de» hiesigen Gottesdienst berichte ich ein ander Mal. Zum Schluß will ich noch bemerken, daß einem hiesigen jüdischen Schauspieler am Residenztheater, von dem humanen Direktor Dr. Müller gekündigt wurde, weil derselbe am n"i seine Mitwirkung versagt hatte, da am n"i ein frivoles französisches Stück 1a jolie parfumeuse (Schönröschen) gegeben werden sollte. Der edle, strengreligiöse Herr Mendel Cohn '“j nahm sich des Entlassenen hilfreich an. Auerbach. Bergzaber«. Den 9. September starb im &0. Lebensjahre Herr Seligmann Blum, Schwiegervater des Oberrabbinen von Frankreich, Herrn Isidore. Das war ein durch seine religiöse Gesinnung un) Wohlthätigkeit ausgezeichneter Greis. Als ^.i'a ging er oft 20 Stunden weit und dies selbstverständlich unentgeltlich, um das göttliche Gebot bei den Reichen und Armen zu erfüllen. Er war lange Zeit Vorstand der isr. Gemeinde, und seinen Bemühungen und Opfern ist die Errichtung der hiesigen Synagoge zu verdanken; ebenso war er Mitglied des Gemeinderaths zu einer Zeit, wo es noch eine Seltenheit war, daß ein Israelit zu diesem Ehrenamt zugelassen wurde. Herr Blum wurde allgemein geehrt und geliebt. (Un. iSr.) Frankreich. Paris. Mehrere Journale haben daS Reglement der von den fz. Bischöfen in Angers gegründeten freien Facultät des Rechts veröffentlicht und von welchem Artikel 44 sagt: „Die Studirenden müssen sich zur kathol. Religion bekennen und deren Pflichten erfüllen." Die Curse sind nicht öffentlich. Das nennt man „freie Facultät!" (Un. isr.) England. London. Der Graf von Shaftesbury, bekanntlich Präsident der engl. Missionsgesellschaft, hatte dem Sultan von Zanzibar eine prachtvoll eingebundene Bibel in arabischer Sprache mit der Bitte überreicht, daß er gestatten möge, daß die Bibel überhaupt in seinem Lande verbreitet werden dürfe. Der Sultan antwortete ihm darauf, es wäre sein Wunsch, daß seine Unterthanen den Vorschriften des Koran, der Bibel und des Evangeliums sich unterwerfen mögen. Wir sind, schreibt „Jew. Chr.", recht neugierig, wie der edle Lord diese Antwort ausgenommen hat! Lo«do«. In der portugiesischen Synagoge vollzog sich am vorigen Freitag, am Vorabend des jüdischen Versöhnungstages, die seltene Ceremvnie der Wiederaufnahme eines bekehrten Christen