Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1875)
- Date
- 1875-10-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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948 sind in der Arche, werden errettet. Damals hat die Fluth auch in diesem Thale die Schnee- und Eismassen hinweggeschwemmt und das nackte Gestein ossengelegt, das sich allmählich durch die von den Bergen herniederströmenden Regengüsse mit der Erde bedeckte, welche diese mit sich führten, so daß bald fruchtbares Gefilde sich auf den Steinen erhob. So wuchsen denn dort Gemüse und Fruchtbäume Jahrtausende lang, und Niemand hatte eine Ahnung von den vorsündfluthlichen Spuren, die hier eine untergegangene Welt zurückgelassen, bis dieselben vor zwei Jahren aufgedeckt wurden. Was Alles hat sich seitdem ereignet! Wieder hat sich die Welt bevölkert mit den Nachkommen der Söhne Noachs, die, wiederum übermüthig geworden, einen bis in den Himmel hineinragenden Thurm bauen wollen, um Gott zu bekämpfen. Doch ihr frevelhaftes Unternehmen mißlingt und der beabsichtigte Einigungspunkt wird zum Anlaß dauernder Trennung. Aber von den Trümmern des Thurmes zieht Abraham hinweg, welcher der Menschheit die wahrhafte, echte und rechte Einigung vorbereiten soll, die freilich heute, nach mehr als dreitausend Jahren, noch nicht erreicht ist. Aber sie wird erreicht werden, und wie dieser vorsündfluthliche Gletschergarten Zeugniß ablegt von der Wahrheit des heiligen Gotteswortes, so werden sich auch die Verheißungen erfüllen, die Israels unzerstörbarer, größter Schatz sind. Der vorsündsluthliche Gletschergarten liegt dicht neben dem Löwendenkmal. Merkwürdiges Zusammentreffen! Erinnnert doch auch das Löwendenkmal an eine Sündfluth, die über eine verdorbene Welt hereinbrach, an die große französische Revolution, welche nicht allein Frankreich, sondern fast die ganze Welt überfluthete, die verrotteten Staatenbildungen des Mittelalters zerstörte, allüberall Vorurtheile und Menschenbedrückung hinwegschwemmend! Nicht mit der Reformation, nicht mit der Entdeckung America's, erst mit der großen Revolution von 1789 fand das Mittelalter seinen Abschluß. Unter schrecklichen Wehen ward die neue Zeit geboren. Der sterbende Löwe nebenan zeigt uns die Todeswehen des Mittelalters, die Trichter und Mahlsteine des Gletschergartens weisen uns auf die vorgeschichtliche Urzeit hin und noch heute werden wir, so Gott will, eine der wunderbarsten Errungenschaften der Neuzeit sehen, wir werden mittels der Zahn-Rad-Eisenbahn den Gipfel des Rigi erklimmen. (Forts, folgt.) Zeitirngsnachrichlett & Corresponderrzerr. Deutschland. Dresden, im Oct. Seit einigen Tagen finden hier Congreßsitzungen für innere Mission der deutschen evangelischen Kirche statt. Das Haupthema der ersten Sitzungen war: „Das deutsche Volk und der Sonntag." Eingehend und mit großem religiösen Eifer, beschäftigten sich viele Redner mit den Ursachen der Entheiligung des Sonntags und den Wegen für Abhilfe. Der Raum dieses hochgeschätzten Blattes gestattet es nicht, die einzelnen Reden hier wiederzugeben. Nur einzelne Sätze der bedeutenden Rede des Herrn Prof. Dr. juris Kunze aus Leipzig, welche von der Heilighaltung des Sabbats sprechen, verdienen eine wörtliche Wiedergabe. Prof. Kunze wendet sich besonders gegen die landläufige Rede, der Ruhetag bringe Nachtheil. „Die reichsten und thätigsten Völker seien Diejenigen, welche den Sonntag am strengsten feierten, Engländer und Amerikaner, und in unserer Mitte lasse sich dasselbe sagen von den Juden, den strengsten Sabbathaltern. Pausire doch der Trubel der Leipziger Messe regelmäßig an den jüdischen Feiertagen, nicht aber am Sonntage." Ist mit solchem Ernst und Eifer auch in den Rabbinersynoden von der Heilighaltung des Sabbats gesprochen worden? Hielten die Herren Synodler es gar für wichtig zu berathschlagen, wie dem nas? bibki abzuhelfen sei? Allein sie beschäftigten sich mit wichtigeren Dingen, mit der Musiksrage, ob die Orgel, das geeignetste Instrument für'die Synagoge' sei und ob es am Sabbat gestattet ist zu spielen. — Sie stellten die Frage auf, ob am Sabbat das Fahren zu erlauben sei, wahrend sie den Tabbat ganz fahren ließen. — Die Herren Synodler scheinen vergessen zu haben, daß es im 3. B. M. Cap. 26. 2 heißt pn itrvn lKnpoi nicspn YrpJtp. Nur dann kann von gottesdienstlichen Fragen (onpon tnio) gesprochen werden, wenn ros? m»ow vorhanden ist. Das Eine bedingt das Andere. Die Synagogen sind trotz der Neuerungen leer, weil der Sabbat durch Handel und Wandel entweiht wird. — „Alles geht, wenn man nur will" sagt Dr. Kunze zuletzt in seiner Rede. Wer den Sabbat halten will, der kann es. Die Thatsachen beweisen, daß die meisten von den jüdischen Kaufleuten, welche bankerottiren, den Sabbat entweiht haben. Man sieht also, daß die Sabbatverdienste ihnen nicht genützt haben. —