Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 41-42 (13.10.1875)
- Date
- 1875-10-13
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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936 existirt in dem schon erwähnten Cocin, deren Mitglieder aber von den anderen dort wohnenden Israeliten, die meistens spanischer und arabischer Abstammung sind, auf's strengste gemieden werden. Letztere behaupten nämlich, daß Erstere nur zum Judenthume bekehrte Indier wären, während diese hingegen versichern, daß der Patriarch Jacob auch ihr Stammvater sei und sich hiebei auch auf ihre noch von den alten Königen Indiens herftammenden Privilegien berufen, in denen sie ausdrücklich „Eingewanderte aus Juda und Jerusalem" genannt werden. Leider stehen sie heute auf einer sehr niedrigen Cultursiufe und ihren Erwerb finden sie meistens darin, daß sie die niedrigsten und gemeinsten Sklavendienste verrichten. Daher das große Elend, das unter ihnen herrscht und da sie auch für die Reinlichkeit des Körpers und der Behausung nur wenig sorgen, so ist es eben kein Wunder, wenn sie von ihren spanischen oder arabischen -laubensgenossen, die in Indien zu den angesehensten Elasten der Gesellschaft gehören, nicht gesucht werden. Von den heiligen Schriften besitzen sie nur die fünf Bücher Mosis und das Buch Josua, dagegen haben sie wieder viele heilige Schriften, die den anderen Israeliten gänzlich unbekannt sind. Beschneidung, Passah-Fest und Versohnungstag halten sie noch heute sehr strenge, nicht so die Speisegesetze und den Sabbath. Als Vasco de Gama gegen das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts nach Indien kam, bewarb er sich merkwürdigerweise um die Freundschaft dieser Juden und schickte sogar eine eigene Botschaft an ihre Glaubensgenossen in der Stadt Guzurate, um ihnen seinen Gruß (Salame) entbieten zu lassen. Außer diesen wenigen Nachkommen der zehn Stämme gibt es in Indien noch einige tausend spanische und arabische Juden. Erstere sind erst um die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts daselbst eingewandert. Letztere hingegen können über die Zeit ihrer Einwanderung in Indien nicht Genaues angeben. Aller Wahrscheinlichkeit nach jedoch hat dieselbe schon um das siebente Jahrhundert der gewöhnlichen Zeitrechnung begonnen, um welche Zeit der Islam in Arabien sich auszubreiten begann und die Juden daselbst ihres Glaubens wegen viel zu leiden hatten. Biele von ihnen wanderten daher nach Indien aus, während die Zurückgebliebenen tributpflichtig und geknechtet wurden. Große jüdische Gemeinden kommen heute in Indien, mit Ausnahme der Stadt Bombay, nicht mehr vor und man kann ganze Länderftrecken daselbst durchwandern, ohne auch nur auf einen einzigen Juden zu stoßen. Im Ganzen genommen dürften im indo-britischen Reiche, das zweihundertundvierzig Millionen Einwohner hat, ungefähr zehntausend Israeliten wohnen. In den Königreichen Birma, Siam und Cambodga, dann auch im Kaiserreiche Anam und auf der Halbinsel Malacca haben nie Juden gelebt und leben auch heute nicht. Zwar existirt in der zu Frankreich gehörenden hinterindischen Stadt Saigon eine winzig kleine jüdische Gemeinde; diese'be datirt jedoch aus allerneuester Zeit und ist französischen Ursprungs. Wenden wir uns nun zu den Juden im Himmlischen Reiche. In China ist bis jetzt nur eine einzige jüdische Gemeinde bekannt, nämlich die zu Kai-fong-fu am Ho-ang-ho in der Provinz Honam. (Arabischen Geographen zufolge soll es auch in Iü-nam, das im Süden des Reiches der Mitte liegt und eine gemischte Bevölkerung von Chinesen und Mohamedanern hat, Juden geben; sichere Nachrichten jedoch fehlen noch darüber). Die Juden in Kai-fong-fu nun, deren Anzahl seit zwei Jahrhunderten bedeutend abzenommcn hat — es soll jetzt dort kaum noch zwölf jüdische Familien geben — erzählen, ihre Voreltern wären unter der Dynastie Han nach China gekommen. Diese Dynastie nun ist die fünfte unter den zweiundzwanzig Dynastien, welche bis auf den heutigen Tag in China geherrscht haben und gelangte 206 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung auf den Thron. Doch bezieht sich diese Zeitangabe nur auf ihre Niederlassung in der Stadt Kai-fong-su, während sie nach China schon ein Jahrhundert früher gekommen zu sein behaupten und zwar ungefähr um die Zeit, als Alexander der Große das Reich des Darius zertrümmerte und die Kriegsfackel beinahe bis an die Grenzen des heutigen China trug. Ihre Sprache ist heute das Chinesische, das sie aber mit altpersischen Worten vermengt — eine Folge des früheren Aufenthaltes ihrer Voreltern in Persien — sprechen. Auch ihre Tracht ist die chinesische und fehlt dabei natürlich auch der lange Zopf nicht. Früher besaßen sie auch eine herrlich gelegene Synagoge, die aber seit einigen Jahren schon ein Trümmerhaufen ist, da es der Gemeinde an den nöthigen Mitteln zur Renovirung derselben gänzlich fehlt. Nicht ohne Interesse ist die Schilderung dieses ehemaligen jüdisch-chinesischen Gotteshauses. Dasselbe lag mit der Richtung gegen Westen hin. wo die heilige Stadt Jerusalem liegt. Auf ihrer Außenseite stand mit chinesischen Lettern geschrieben, daß sie „Ti-au-van" (dem Herrn des Weltalls), der zugleich der „Be-etze" (Schöpfer aller Dinge) ist, geweiht sei. Sitze gab es in dieser Synagoge keine — auch in den Synagogen Arabiens kennt man die Sitze nicht und als vor einigen Jahren der in London, Leadenhall-Street,