Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 41-42 (13.10.1875)
- Date
- 1875-10-13
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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927 Mein älterer Bruder war verheirathet, aber er hat zwei Kinder gehabt und war ein blutarmer Mann; der hat nit viel Lhun können, ich Hab' auf mir gehabt.... genug! — Einmal bringt uns Jakow einen Kone17) ins Tuchgeschäft, einen gewissen Grafen Lazani. einen pensionirten Obersten. Der gibt mir zehn Gulden zu viel und ich lauf auf die Kleinseite hinüber und bring ihm sie zurück. „Das hätt' ich nicht geglaubt, daß ein Jud so ehrlich ist" sagt der Graf.Solche Behemeser 18) hats damals noch gegeben, die geglaubt haben, jeder Jud hält sich's, wenn man ihm zu viel gibt. Seit der Zeit hat mich der Graf sehr lieb gewonnen. Einmal schickt er nach mir und sagt: Ich Hab' einen Freund, einen Major Baron Gadin — das ist der Vater von dem Baron, der noch heute bei uns kauft — der will sich blaues Tuch auf einen Civilrock kaufen. Er war bisher ein armer Teufel, aber bringt diese Woche ein großes Legat, das er geerbt hat, herein. Uebermorgen Vormittag kommt er. Bring er ihm ein schönes feines Tuch und einen Schneider, der sauber arbeitet; aber er nehm sich zusammen, der Gadin ist ein schrecklicher Judenfeind, der redt sich ein, alle Juden sind Spitzbuben; sonst aber ist er ein sehr braver Herr. Ich Hab' ihm versprochen, ihm einen ehrlichen Juden zu schicken .... nun den will ich ausprobiren, hat Baron Gadin zu mir gesagt .... also jetzt weiß er's, er ist gewarnt, nehm er sich zusammen. — Uebermorgen such' ich mir zwei Hälfet Tuch aus, das feinste, das man sich denken kann und geh' zu CuselMeiringer. Ich soll zu e Szoren mit Tuch gehen und einen Schneider mitbringen. Ein Baldowerw) schickt mich zu ihm, es gebührt sich, daß ich zu Ihnen kommen. Meiringer schickt mir seinen Maßnehmer — das war Jakow — mit— Mir wars nit recht, denn immer, wenn der Mensch mit mir war, iS epis^), ein Schlemassel^) passirt .... indessen, ich Hab nur Gott im Herzen, meine zwei Hälft Tuch auf die Schulter genommen und geh' mit Jakow zu meinem lieben Baron Gadin. Merkwürdig, immer an e Tanis, bin ich mit dem Untam gegangen, das war wieder Assore betewes **), mitten im Winter. Um drei Uhr hätten wir gehen sollen, ich bin nit gern gangen — ich Hab mich gefürchtet Minche^) zu versäumen — und Habs 17) Käufer. 18) Dummköpfe. 19) von Euch empfohlener Kunde. 20) etwas. 21) Malheur, Unglück. 22) 10. Tag im Monat Tewet, 23) das Abendgebet. auch richtig versäumt .... was soll man aber thun.Nit vergeß ich an den Tag und wenn ich tausend Jahr alt werden sollt!" „In Schnee und Regen kommen wir auf die Kleinseite hinüber — am Waldsteinplatz hat der Major gewohnt — lassen uns anmelden, läßt uns der Szore warten, daß uns mies geworden ist. Endlich, nachdem wir in einem eiskalten Vorzimmer lang frieren — der Magen hat mir noch extra geklappert — kommt e kleiner, runder dicker Herr mit e große schwarze Schnauzt) herein. „Ah!" schreit er, bist Du der Jud, den mir der Herr Graf Lazini schickt?" „Ich war zwanzig Jahre alt und damals war der Jude vom Adel Schiffles gewohnt. Den Bürger hat er nur für einen halben Menschen gehalten. Den Bauern hat er ärger als einen Hund angesehen, der war ja noch leibeigen, sein Sclave — aber daß der Baron zu mir Du und nicht wenigstens er sagt, hat mich doch verdrossen . . . . und ich sag: ja gnädiger Herr Obristwachtmeister, der Herr GraULazini hat zu mir gesagt, Moses sei er so gut, trag er ein Stück echtfarbiges blaues Tuch zum Herrn Obristwachtmeister Baron Gadin hinüber." „Hm" knurrt der Szore, „per er redt der Graf mit ihm?" — „Bisher hat jeder feine gebildete Cavalier so mit mir gesprochen." „Er Racker!" schreit der Gadin und wird blau und braun vor Aerger — „war heißt das bisher?" „Bis heute hat jeder anständige Herr per Ihr oder er mit mir geredt .... heute wo ich die Ehre habe, Ihnen, gnädiger Herr, Tuch vorlegen zu dürfen — nennen Sie mich Du ... . nun Sie sind doch gewiß auch ein anständiger Herr!" „Baron Gadin sieht mich zornig an und weiß nicht, was er mir Tschuwo geben soll — auf einmal schreit er wie meschuge, „also wenn er Courage im Leibe hat, warum läßt' er sich von mir dutzen?" „Ich lach e klein Bißl und sag: Erstens Hab' ich Sie, gnädiger Herr Major doch gestichelt .... mit der Heugabel .... zum Beweis, Sie haben schon die Gnad mich mit „er" anzusprechen . . . * und zweitens was soll ich thun? — Nehmen wir den Fall an, die Kaiserin sagte zu Ihnen Du .was möchten Sie, gnädiger Herr, thun?" Was fällt ihm da ein? er vermaledeiter Racker! 24) Schnurrbart, 25) Erniedrigung,