Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 41-42 (13.10.1875)
- Date
- 1875-10-13
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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926 »Ganz recht, Ester," sagte Budweiser, sein breites Gesicht zu einem vergnügten Lachen ziehend. „Du bist ja bewandert in den Tekonas ha killa') als wenn Du ein Roschhakohl wärst .... ganz richtig, drei dürfen in Prag keine Chower bekommen , die Schneider, da weiß ich eigentlich nicht recht warum; — dann die Lastträger und Schalksnarren, die beiden, weil es gegen die Kowed ha Thoro*) ist. — Die Sache war aber so. Leb Wodolka hat einen Bruder gehabt, einen Schneider, aber e groß mächtigen Oscher^); Cusel Meiringer hat er geheißen, der hat ein einzig Jüngl und e ßach°) Geld gehabt. Cusel Meiringer war blank ein Meo alofim Mann das war damals — was soll ich Euch sagen — e Pinto^) und der hat nit gewollt, daß sein einzig Kind soll mit dem großen Haufen Geld nur ein Schneider werden und hat auch nit gewollt, daß sein schöner Massematten 8) in ganz fremde Hände kommen soll, denn er hat nicht nur für alle Kezinim in der Kille zu arbeiten, sondern auf for Szrores9) und Officiere; denen hat er noch extra Geld geborgt — und da hätt' das zweite Kind seiner Schwester seine Meloche") übernehmen sollen. Mein lieber Jakow ward also Schneiderbub, aber, alle fromme jüdische Kinder gesagt, wie er sich's gehabt hat, er hat nur sollen die Meloche lernen, um sie dann betreiben zu können .... Aber ich will ja erzählen wie es mir weiter ergangen ist, .... ich war erst Jüngl, dann Mißaßek") bei Reb Selig Kallmus. Manchmal wenn ich zu Cusel Meiringer in der Gaß Tuch getragen Hab, bin ich mit Jakow, der indessen Gesell geworden ist, zusammengekommen — er war ka übler Mensch — aber ich kann mir nit helfen — ein Untam war er — mehr kann ich nicht sagen! — Einmal am Schiwoser 6etanm81*) Nachmittag kommt Meiringer mit Jakow in unser Gewölb hinaus, sucht sich die drei Stücke drapp färb Tuch aus und sagt zu Jaeow: Du gehst zu Fürst Lobkowitz und nimmst allen Bedienten das Maaß, dann zeigst Du den Fürsten das Tuch. Du weißt ja, Jakow, wo Lebkowitz wohnt? Ob ich's weiß, Titel in der Synagoge zur Thora und sonst;u jeder religiösen Function angerufen und ihm auch so runeschrieben 3) Gemeindeslatutm. 4) Ehrfurcht vor der heiligen Schrift, zu deren Pflegern damals auch der Chower gerechnet wurde. 5) reicher Mann. 6) viel. 7) Ein bekannter reicher Jude in Amsterdam. 8) Geschäft. 9) hohen Herrschaften. 10) feilt Handwerk. 11) Ladendiener, Commis. 12) Ein Fasttag, der im Juli in die heißesten Tage fällt. sagt der. Ich pack mir die drei schweren Stücke am Rücken und geh mit Jakow, der mit e Staberl in der Hand wie ein blanker Graf geht. Wo wohnt der Lobkowitz? — frag ich ihm. — Komm nur mit, sagt er, wirst schon sehen. Er führt mich über die Brücke durch die Spornergaß über die ganze Kleinseite, dem Hradschin bis wir zum Palast kommen. Eine Hitz war, zum Umfallen, das glühende Feuer ist nur vom Himmel heruntergefallen, die Tücher waren schwer und dem Jakow, dem Untam, is es nit eingefallen, mir ein Stück abzunehmen.wenn ich hätt' dürfen e Tropfen Wasser trinken, wär ich glücklich gewesen .... aber Tunis war, was war zu thrn — nix als Geduld zu haben. Indessen Hab ich mich damit getröstet, ich werd' vom Szoren e gut Trinkgeld kriegen . . . ." „Nun?" frug Ester gespannt: „Wir kommen hinüber — heut lach' ich darüber, damals war mir das Weinen näher — kommt nach vielem Reden und Schiflus "), was wir haben hören müssen, heraus, daß wir nicht zum rechten Lobkowitz gekommen sind, der auf der Kleinseite war Fürst Moritz — der hat keine Livree for seine Leute gebraucht — der Chammer hätt' sollen zu Fürst Georg Lobkowitz gehen, — der wohnt in der Hyberonergasse ka fünfhundert Schritt vom Markt. Jakow hat nicht genau gefragt .... schleppt er mich am Tanis auf die Kleinseit hinüber. mit drei schwere Stück Tuch der .... Untam! .... Geschwitzt Hab' ich wie ein Bär — und kein Trinkgeld — und an ein Haar, hätt' man mich mit sammt ihm hinausgeworfen, weil dort gerad etwas ein Aufruhr war, wegen e goldenen Ring, der gefehlt hat." In EmeS15), Du hast nicht unrecht" sagte jetzt selbst die sanfte Hausfrau entrüstet „ich kann's sonst nicht leiden, wenn Du's sagst — aber Jakow Schneider ist doch ein schwerer Untam gewesen .... „Aber weißt Du" sprach Budweiser „eigentlich war er doch der Schliach^) Gottes, der mir mein Glück brachte." — „Wie so?" frug Ester. „Ja, das hätt' ich Dir eigentlich schon längst erzählen sollen .... das war wirklich merkwürdig. Mein Vater olof hascholom war gestorben, die Mutter krank geworden, ich Hab' meine Mutter und die Schwester, die bei der Kranken zur Pflege zu Hause hat bleiben müssen, ernähren müssen. 13) Fasttag. 14) Erniedrigung. 15) Wahrheit. 16) Bote.