Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 41-42 (13.10.1875)
- Date
- 1875-10-13
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447603-2447634--11871-2467673- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
928 poltert der Baron .... was redt er da fürhirnverücktes Zeug .... Die Kaiserin wird zu einem Cavalier Du sagen!" „Freilich," antwort' ich, wird sie's nit sagen — weil sichnicht schickt. — Aber nehmen wir den Fall an, Sie sagt doch zu Ihnen, gnädiger Herr Baron. Du.sie sagt doch .... helfen Sie sich! — was könnten Sie thun? .... Können Sie sie beim Salzamt verklagen?.In derselben Stellung bin ich Ihnen, gnädiger Herr, gegenüber — ich wär' nicht im Stande, mir von Ihnen Satissaction zu verschalen. Wenn Ihnen Ihr besseres Selbst nicht den richtigen Weg zeigt — ich hätte nicht die Macht, dies zu thun." „Schau, Vaterleben," benützte Ester setzt des Vaters kurzes Schweigen. „Du kannst ja schön hochdeutsch sprechen, wenn Da willst .... ich weiß das zwar schon lange.warum sprichst Du nicht immer so?" Budweiser lachte. „Das ordentliche Deutsch Hab' ich ursprünglich durch Umgang mit vornehmen Leuten gelernt und" fügte er halb verschämt hinzu — „wie es mir anfing besser zu gehen, habe ich mir ganz verstohlen einen Lehrer genommen — ich kann ganz schön sprechen; wenn es sein muß — aber in der Gaß möcht man mich nur auSlachen, da muß man — verdorben deutsch reden, ich und viele kluge fromme Männer glauben'S nicht — aber was schad't mir's? — red ich in der Gaß wie die andern! — aber Ester, mein Kind, wenn Du mir immer ins Wort fällst, werd' ich ja nit fertig — ich will ja zu Ende erzählen .... also wie ich dem Baron das sag', kaut er an seinem Schnurrbart und sagt: Er redt ja wie ein Studirter — ah was, mit ihm werd' ich nicht disputiren .... zeig er mir die Tuche." „Indessen bringen zwei Bediente — denen man den alten Dalles27) noch angesehen hat, zwei alte magere Leute — Lichter, ich leg' die Waare auf den Tisch. „Ist das Blau echt?" schnauzt mich der Major an. „Ja Euer Gnaden!" „Kann er dafür stehen?" „Ja Euer Gnaden!" „Ah! mit seinem dummen „Ja Euer Gnaden" spottet mir der Baron nach. „Soll ich „nein" sagen?" „Schwei» er und red er nit so viel! „Ich schweig .. ." Also weiß er gewiß, daß das Blau echt ist? fragt der Major wieder. „Jetzt reißt mir endlich die Geduld und ich sag: Euer Gnaden, ich habe nur eine Antwort, die Hab' ich schon gegeben. Ich glaube Euer Gnaden Zeit ist zu kostbar, um einen Menschen, der Sie gewiß nie beleidigt zum Narren zu halten — übrigens habe ich heute Fasttag gehabt, Hab noch nichts gegessen und will jetzt bald nach Hause kommen. Ich bitte ergebenst sich das Tuch anzusehen, gefällt es Ihnen, eS zu kaufen, wenn nicht, mich zu entlassen. „Wenn das Blau echt ist, kauf ich das Tuch, sagt der. Major „ich werde mich aber gleich überzeugen; und wie er so redet, nimmt er eine Flasche auS einem offenen Schranke. ..Sieht er", sagt er, „das ist Schwefelsäure, das gieß ich aufs Tuch .... ist das blau echt, bleibt's unverändert — wenn nicht, brennt sich ein Loch." „Halt! ruf ich, das ist wohl nur Spaß, Schwefelsäure brennt in jedes Zeug ein Loch — aber bevor ich das ausgesprochen, hat der dumme Mensch die Flüssigkeit auf's Tuch gespritzt und wie es zuerst gelb wird und dann Löcher hineinfallen, schreit er lachend: Sieht er, „Spitzbube, wie Ihr Juden alle, Betrüger seid!" ..Herr Baron, sag ich, Sie haben muthwilliger Weise einen großen Schaden gemacht, den ich mittelloser Mann, der eine kranke Mutter zu ernähren hat, werde tragen müssen, darüber will ich kein Wort verloren — aber das muß ich Ihnen sagen -- der, der Ihnen diese Probe gelehrt hat, ist ein Esel ... . ein rechter Esel — das können Sie mir glauben!" „Was erTausendhimmelschwernothracker" schreit der Baron. daß er kirschbraun wird, wie eine gerathene^) Kugel *9) — „das hat mir ein braver Kriegskamerad gesagt, da wird er nicht . . . „Ein braver Kriegskamerad kann er sein, schrei ich noch lauter, aber davon versteh! er nix." „Ihr könnt Euchs denken, daß sich mir die Galle gerührt hat — den weiten Weg am Fasttag umsonst gemacht, den Hunger .... den großen Schaden, iöh hätte mich gerne nokom gewesen *°) . ... auf einmal bemerk ich erst, daß der Baron einen blauen Rock an bat ... . Euer Gnaden sag ich, von wem haben Sie das Tuch gekauft?" „Das? von einem braven christlichen Kaufmann, vom Herrn Kern, bürgerlichen Kaufmann " „Ist das Blau echt, frag ich scharf?" 28) gut g lungen. _ 29) Eine bei Juden gebrä-.chliche Lpeise, aus Mehl, Gries, Fett, Syrup n. dergl. bereitet. 30) Bergeltu g geübt. 26) Jude' stadt. 27) die Armuth.